In nur wenigen Tagen versammelt sich die internationale Spieleindustrie zu ihrem Großereignis des Jahres, der E3. Nach zwei Jahren der Abstinenz kehrt die Show in die Hauptstadt des Entertainment zurück, um in Los Angeles Trends, Tops und Flops der kommenden zwölf Monate zu setzen und zu zeigen.

Wenn Mekka ruft, pilgern die Gläubigen in Scharen. Und auch für die fünfte E3, das Großereignis der internationalen Spieleindustrie, wird dieser Vergleich stimmen. Alles, was Rang und Namen hat, und noch viele mehr werden sich zwischen 12. und 15. Mai im Los Angeles Convention Center einfinden. Die E3 ist an ihre Geburtsstätte und in die Hauptstadt des Entertainment zurückgekehrt. Mit Fug und Recht, da sich die Spieleindustrie weder bei der Kreativität noch beim Umsatz hinter den anderen Zweigen der Entertainmentbranche verstecken muß. Von der Kunst des Spieleschaffens wird es dann auch in den Messehallen reichlich zu sehen geben. Laut einer Umfrage der Organisatoren von der Interactive Digital Software Association (IDSA) unter den Ausstellern werden mehr als 2600 Titel zu sehen sein, 1900 davon zum allererstenmal. Die Zahl der Neuheiten hat sich gegenüber dem Vorjahr damit um rund 300 erhöht. "Alle neun Schritte erblickt der E3-Besucher ein brandneues Produkt", versinnbildlicht die IDSA die Titelflut. Insgesamt werden 13 Genres abgedeckt. Die meisten Neuheiten kommen aus den Genres Children/Puzzle/Family und Action mit 17 beziehungsweise 16 Prozent. Wie die IDSA weiterhin mitteilt, wird annähernd ein Viertel aller Neuheiten auf mehr als einer Plattform veröffentlicht. Dadurch ergibt sich ein weitaus größeres Softwarespektrum sowohl für Konsolen- als auch für PC-Spieler. Ein Drittel aller Neuvorstellungen wird weiterhin über eine Online-Anbindung verfügen; 40 Prozent aller Neuheiten bieten die Möglichkeit zu Multi-Player-Gaming. Als Hauptzielgruppen wurden indes die "gewöhnlichen Spieler" und Frauen genannt. IDSA-Präsident Doug Lowenstein sieht in den Ergebnissen die Bedeutung der E3 als wichtigstem Branchenevent für Neuvorstellungen bestätigt: "Kurz gesagt, alles, was auf der E3 zu sehen sein wird, ist die Zukunft des Entertainment."

Doch nicht nur die Softwareneuheiten tragen zu Image und Bedeutung der E3 bei. Eine fortgeschrittene 3D-Technologie, neue Konsolenhardware und DVD sind nur drei Stichpunkte, die auf der E3 thematisiert und der Branche in der Zukunft neue Möglichkeiten eröffnen werden. Darüber hinaus erwartet die IDSA auch eine Flut von mehreren hundert Zubehörprodukten. Die E3 ist aber nicht nur wegen der eigentlichen Ausstellung vom 13. bis 15. Mai das Mekka aller Brancheninsider. Auch das ausgefeilte Programm an Konferenzen (13. und 14. Mai) und die Workshops (12. Mai) locken viele Besucher zur Show. Aufgegriffen werden Themen wie "Spieleentwicklung", "Branding", "Marketing", "Online Entertainment", "DVD" und "KI und Gameplay". Um noch vor den Panels und Roundtables aktuelle Trends der Branche herauszufinden, hat die IDSA eine Umfrage unter CEOs und Präsidenten diverser US-Firmen durchgeführt, die für rund 70 Prozent der US-Verkäufe bei Unterhaltungssoftware stehen. Die Branche wird auch in diesem Jahr wieder ein zweistelliges Umsatzwachstum haben, so das einhellige Ergebnis. Dabei wird auch "99 der Konsolenbereich stärkere Wachstumsraten verzeichnen können als das PC-Segment. Über 60 Prozent rechnen bei dem Konsolenumsatz mit einem Plus von 15 bis 25 Prozent, dem Umsatz mit PC-Spielen trauen sie ein Plus von zehn bis 20 Prozent zu. Trotz der positiven Marktentwicklung sind die Topmanager jedoch überzeugt, daß der Konkurrenzdruck weiter zunehmen wird und als Folge die Konsolidierung des Markts voranschreitet.

Ein weiterer Punkt der Umfrage betraf die größten Herausforderungen für die Branche. Die Tatsache, daß dabei auch die Eindämmungung der Softwarepiraterie genannt wurde, läßt auf eine weitere Verstärkung der Antipirateriemaßnahmen wie Kopierschutz hoffen. Zu den wichtigsten Herausforderungen zählt nach Meinung der Topmanager aber weiterhin die Entwicklung von qualitativ hochwertigen und innovativen Produkten. Gleichzeitig sei es wichtig, neue Talente einzustellen und die bisherigen an das Unternehmen zu binden. Beides wird zu höheren Produktionskosten führen. Im Gegensatz zu vielen Marktforschern sehen die CEOs und Präsidenten dem allerdings gelassen entgegen. 90 Prozent sind der Meinung, daß der Markt auch das Hochpreissegment unterstützen wird. Gleichzeitig will die Branche zusätzliche Einnahmen durch das Lizenzgeschäft mit Kinofirmen, TV-Sendern und Merchandising-Companies erschließen.

Ein weiterer geldbringender Faktor ist für die US-Manager der Ausbau des internationalen Geschäfts. Großbritannien und Deutschland werden aus Sicht der Befragten in den nächsten zwei Jahren die größten Zuwächse bieten. In den nächsten fünf Jahre werden aber auch die Regionen China und Südostasien deutlich an Bedeutung gewinnen - auf Grund der dort sehr hohen Pirateriequote eine überraschende Annahme. Gelassen zeigten sich die Industrieführer aber auch in einem weiteren Punkt: Der bevorstehende Generationswechsel bei den Konsolen wird nicht zu derartig massiven Einbrüchen führen, wie es früher der Fall war. Zwar wird es einen leichten Knick bei den Softwareabverkaufszahlen und damit auch eine weitere Konsolidierung nach dem Generationswechsel geben. Ein stärkerer PC-Markt sowie größere Sensibilität auf seiten der Hardwarehersteller werden die Einbrüche jedoch kompensieren. Verhalten stehen die Befragten der Entwicklung des Online-Gamings gegenüber. Die Mehrheit glaubt nicht, daß Online-Games bis 2003 mehr als 20 Prozent vom Branchenumsatz ausmachen werden.

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