"Nicht als Marketingtool missbrauchen"
Nach eigenen Aussagen ist Eidos Interactive der erste Publisher, der umfangreiches Bonusmaterial in eine PS2-Spieldisc integriert. Lars Winkler, Director Marketing/Product bei Eidos Interactive, mahnt die Produktmanager und Werbestrategen der Branche, beim Thema Bonusmaterial wie Spieler zu denken.
GamesMarkt.de: Eidos Interactive wird erstmals DVD-Bonusmaterial in ein PS2-Spiel integrieren. Was hat Sie dazu bewogen?
Lars Winkler: Das ist sicherlich ein natürlicher Prozess. Diese Art des zusätzlichen Benefits gibt es schon länger in der Filmindustrie - insofern greifen wir gern diese Möglichkeit auf, dem Kunden und Gamer ein zusätzliches und kostenfreies Erlebnis zu gönnen.
GM:Welche Art von Bonusmaterial halten Sie für sinnvoll und welches nicht?
Winkler: Es ist immer wichtig, dass das Zusatzmaterial tatsächlich auch einen Anspruch hat, sprich: echtes Bonusmaterial ist und nicht einfach eine Sammlung von "tollen" Gamestrailern. Das Bonusmaterial muss für den User "sehenswert" sein - es darf nicht als Marketingtool missbraucht werden. Wir werden auf der Soul Reaver 2"-DVD dem Gamer tief in die Welt von Nosgoth und Raziel eintauchen lassen - dies kann der User durch das Spiel, aber auch durch das Bonusmaterial erfahren. Insofern hat dieses Material eine Wertigkeit, die sofort als eine solche empfunden wird. Nur dies kann der Weg sein - ausschließlich Werbetrailer würden hier langweilig wirken.
GM:Glauben Sie, dass Bonusmaterial bei PS2-Spielen bald zum Standardfeature wird?
Winkler: Als Standardfeature möchte ich dies noch nicht bezeichnen. Wir sollten diese Möglichkeit, Bonusmaterial anzubieten, nutzen, sobald die Games von der Spieltiefe her dies auch hergeben. Sehr viele Games verfügen doch über eine grandiose Storyline. Und wenn an einem Game "gefeilt" wird, bleiben auch "Späne" übrig, die nur noch geschickt verknüpft werden müssen - und schon gibt es vernünftiges Bonusmaterial. Das Wort "vernünftig" spielt hier eine wichtige Rolle. Die Produktmanager und Marketingstrategen sollten wie Gamer denken, wenn das Thema Bonusmaterial auf den Tisch kommt. Wir brauchen einen Entwickler, der bereit ist, Extra-Footage zu sammeln, ein Game, das die Wertigkeit besitzt, Bonusmaterial auszuloben, und einen geschickten Produktmanager, der dies alles "gamergerecht" zusammenstellt. Meine Vorhersage also: Dieses Feature wird sich langsam zum Standardfeature entwickeln.
GM:Wie können bzw. müssen Bonusfeatures ins Marketing integriert werden, vor allem wenn sie zu einer Art Standardausstattung werden?
Winkler: Wertiges Bonusmaterial machen die Spiele-DVD begehrlicher - das ist ganz klar. Und wenn diese Wertigkeit missbraucht wird, indem der Publisher lediglich Avis und Trailers präsentiert, wird dem Käufer ein Zusatzbenefit nur vorgetäuscht. Hiervor kann ich nur warnen. Nochmal: Ist das Bonusmaterial wirklich wertig, müssen wir über das Marketing nicht mehr reden, weil es selbsterklärend ist. Ist doch eine schöne Position, oder?
GM:Besteht nicht die Gefahr, dass künftig ein gutes Spiel ohne Bonusfeatures untergeht?
Winkler: Nein, das glaube ich nicht. Hier besteht keine Gefahr. Vice versa - wir sollten uns auf die große Chance besinnen, dass es möglich ist, mit dem Bonusmaterial zusätzlich Verkäufe zu generieren. Gute Spiele setzen sich immer durch, unabhängig von z. B. Releaseterminen und Bonusfeatures.
GM:Haben Sie bereits Response von Ihren Handelspartnern erhalten, ob und wie diese bereit sind, Bonusfeatures als zusätzliches Kaufargument einzusetzen?
Winkler: Wir befinden uns derzeit im Vorverkauf zu "Soul Reaver 2", und das Spiel an sich ist schon von grandioser Qualität, zumal das Franchise ja auch bekannt ist. Insofern trennen wir unsere sehr gute Vorverkaufsphase nicht in die des Games und die des Bonusmaterials. Wir wissen aber, dass unsere Meldung beim Handel angekommen ist und durchweg positiv aufgenommen wurde. Das ist schon sehr wichtig.