Phenomedia vor dem Aus?
Völlig unerwartet kam es bei der Phenomedia AG zum Super-GAU. Zugegebene Bilanzfälschung, ein Insolvenzantrag und aller Voraussicht nach verbotener Insiderhandel haben das einst umjubelte Bochumer Börsenunternehmen in schwere Turbulenzen gestürzt.
Gleich nachdem der frühere Vorstandschef Markus Scheer und Finanzvorstand Björn Denhard gegenüber der Bochumer Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität Bilanzfälschungen im Wert von zehn Millionen Euro eingestanden hatten , musste die Phenomedia AG am Dienstag vergangener Woche auch noch stellen.
Zu allem Übel steht dem Entwickler voraussichtlich auch noch eine förmliche Untersuchung der deutschen Wertpapieraufsicht ins Haus. Es wurde der geäußert.
Kurz bevor die beiden Vorstandsmitglieder Scheer und Denhard in einer Blitzaktion ihre Sessel in den Bochumer Geschäftsräumen auf Druck des Aufsichtsrats verlassen mussten, hatte es noch auffällig viele Aktienbewegungen gegeben. Dies wurde auch von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zur Kenntnis genommen. Jetzt werde nachgeforscht, ob eventuell noch im Schnellverfahren - und vor allem von wem - Aktien abgestoßen wurden, bevor die schlechten Nachrichten von Phenomedia publik gemacht wurden und die Aktien in den Keller fielen.
Auch nach dem Insolvenzantrag, der auf Grund "nicht nachhaltig gesicherter Zahlungsfähigkeit" gestellt wurde, musste das Moorhuhn auf deutschem Parkett deutlich Federn lassen. Der Aktienwert tendiert derzeit gegen Null. Allen Hiobsbotschaften zum Trotz gehen die verbliebenen Phenomedia-Vorstände Jürgen Goeldner und Holger Müller aber weiterhin davon aus, dass das Unternehmen ist. Auch wenn von dem Ende März für das Geschäftsjahr 2001 bilanzierten "" von 25,8 Millionen Euro jetzt mindestens zehn Millionen abgezogen werden müssen. Wie weit das einst ausgewiesene Ergebnis vor Steuern in Höhe von 1,6 Millionen Euro von der Realität abweicht, ist dabei allerdings noch ungeklärt.
Der Staatsanwalt prüft eingehend
Offiziell bestätigt wurde von Unternehmensseite, dass die Ehefrau von Exvorstandschef Markus Scheer beurlaubt wurde. Sie ist, respektive war, Leiterin des Rechnungswesens bei Phenomedia. Die Staatsanwaltschaft überprüft derzeit die Geständnisse von Scheer und Denhard. "Beide sind sehr kooperativ", sagte Oberstaatsanwalt Norbert Salamon dem "Handelsblatt". Sie hätten Luftrechnungen über nicht existente Forderungen in die Buchhaltung eingebracht. Sie hatten dabei aber Wert auf die Feststellung gelegt, nicht selbst von den Fälschungen profitiert zu haben.