Zum 11. April fiel der Xbox-Preis auf 199 Euro. Nach bereits im Weihnachtsgeschäft ansteigender Verkaufstendenz hatte sich Microsoft eine weitere Belebung des Markts und einen deutlichen Push für seine Konsole erhofft. Nach anfänglichen Erfolgen bilanzierte der Handel allerdings schnell wieder die Rückkehr zum Xbox-"Normalmaß".

Als klare Nummer zwei wusste sich Microsoft nach dem Weihnachtsgeschäft zu positionieren. Wohl auch zu Recht, schenkt man den Stimmen aus Handel und Industrie Glauben, die eine deutliche Belebung in den Abverkaufsstatistiken aufzuweisen hatten. Mit der am 11. April realisierten Preissenkung auf 199 Euro hat der Konsolenhersteller eine neue Preisrunde eingeläutet. Insbesondere hatte sich Microsoft eine Belebung des Markts und einen neuen Abverkaufsschub für die Xbox erhofft. Dass es in diesem Jahr "definitiv kein Sommerloch" für Xbox geben werde, prognostizierte denn auch Markus Biehl, Geschäftsführer von Microsoft-Vertriebspartner NBG, kurz nach Einführung des neuen Preises und zeigte sich sehr zufrieden mit der Absatzentwicklung.

Auch in Österreich zog der Verkauf augenscheinlich an, wie verschiedene Händler in den ersten Tagen nach Preiscut berichteten. Einzige Ausnahme blieb bislang die Schweiz: "199 Euro respektive 299 Schweizer Franken ergeben vom Straßenpreis her keine Veränderungen", sagt Andreas Staub, Sales & Marketing Manager von Xbox-Distributor Thali AG. Die Preise für das Videospielsystem seien seit längerem bereits beim neuen Europapreis angelangt. Positive Seite der Preissenkung sei allerdings, dass die einzelnen Marktteilnehmer jetzt wieder Marge generieren könnten, auch wenn es auf der anderen Seite natürlich bis jetzt nicht mehr Durchverkauf gegeben habe.

Handel nur leidlich zufrieden

Letztendlich dürfte die Preisreduzierung der Xbox aber auch ein Signal in Richtung Großostheim gewesen sein. Mit "The Legend Of Zelda: The Wind Waker" verfügt Nintendo seit dem 2. Mai immerhin über einen Soft- und Hardwareseller erster Güteklasse. Was aber brachte letztendlich Microsofts Gegenoffensive? Laut Werner Kasper, stellv. Zentraleinkäufer der KarstadtQuelle AG, einen Erfolg, der sich in Grenzen hielt. "Seit der Preisreduzierung ist die Abverkaufskurve deutlich nach oben gegangen, die Erwartungen konnten aber nicht übertroffen werden", sagt Kasper. Auch Michel Wedler, Produkt Manager Software Saturn, bilanzierte eine steigende Abverkaufstendenz, auch wenn das schöne Wetter der vergangenen Wochen so manchen potenziellen Xbox-Käufer eher ins Freie als in die Läden gelockt habe.

Bundlemania führt zu Unsicherheit Efthimios Sidiropoulos, Produktgruppenmanager McMedia, sah zumindest in den ersten beiden Kalenderwochen nach der Preisreduzierung einen deutlichen Anstieg der Verkaufszahlen. "Den Preis von 199 Euro ist das Gerät wert, gar keine Frage", sagt Sidiropoulos. "Dennoch ist die ganze Aktion ein wenig untergegangen. Die Kommunikation ließ zu wünschen übrig, der Konsument wurde über die neue Preisgestaltung nicht genügend informiert. Ich vermisse massive Marketingaktionen." Alexander Borse, Category Manager Konsolen Hardware/Software & PC bei ProMarkt, bezeichnet die Xbox-Abverkäufe vor dem 11. April als "katastrophal". "Seit der Preisreduzierung ist es besser geworden, auch wenn man von der Xbox jetzt nicht als Überflieger sprechen kann", sagt Borse. Zumindest sei der Abstand zur PS2 durch das "kurze Aufflackern" der Absätze verkürzt worden. "Nach Bekanntgabe der Preisreduzierung gab es schon einen deutlichen Schub", bilanziert auch Heimo Schnalzger, Geschäftsführer des österreichischen Distributors Playart Software. "Richtig aufregend war es trotz allem aber nicht. Mittlerweile sind die Abverkäufe auch wieder auf ihr früheres Niveau zurückgekehrt." Als überaus erfolgreich präsentiere sich hingegen die Budgetline "Xbox Classics", die mit zahlreichen Titeln ebenfalls am 11. April an den Start ging. "Insgesamt herrscht am Xbox-Himmel jetzt aber wirklich ein heilloses Durcheinander. Der Kunde kennt sich doch nicht mehr aus: hier ein Bundle zu dem Preis, dort ein Bundle zu dem Preis." Ein transparentes Preisgefüge wäre laut Schnalzger jetzt wünschenswerter als ein neuerlicher Preisfall.

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