Bonusmaterial auf PlayStation 2-Spielen wird zu einem echten Trend. Eidos Interactive und Konami of Europe übernehmen dabei Vorreiterfunktion. Andere Majors wie Electronic Arts und Infogrames ziehen nach. Es herrscht Einigkeit darüber, dass simple Videos und Trailer nicht ausreichen.

Mit der PlayStation 2 begann auch die Ära eines im Konsolenmarkt neuen Trägermediums: die der DVD. Fast ein Jahr nach dem Start der PS2 in Europa zeichnen sich nun endlich Tendenzen ab, dass DVD nicht mehr nur als Trägermedium für Spieledaten eingesetzt werden kann, sondern auch als Transportmittel zusätzlicher Inhalte. In die Vorreiterrolle der Gamesbranche gepusht haben sich dieser Tage vor allem Eidos Interactive und Konami of Europe.

Während Eidos die zusätzlichen Daten noch auf die eigene Spiele-disc pressen lässt, hat sich Konami auf Grund des Umfangs entschlossen, gleich eine komplette DVD-Video einem PS2-Spiel beizulegen. "Wir befanden es schlichtweg als wichtig, den Konsumenten einmal tiefer hinter die Kulissen blicken zu lassen", erklärt Hans-Joachim Amann, European Product Manager bei Konami, die Gründe für die Extra-DVD. Der Verbraucher erhalte so nicht nur eine Vielzahl interessanter Informationen zur Entstehung eines Spiels, er entwickle auch ein Gefühl für den Aufwand, der hinter Design und Realisierung stecke.

"Mehrwert muss gegeben sein"

Dass die Bereitstellung von Bonusfeatures kein kurzfristiger Werbegag, sondern ein langfristiger Trend ist, zeigt das Interesse anderer Majors an diesem Thema. "Grundsätzlich beobachten wir den Markt kontinuierlich auf Veränderungen", gibt Oliver Kaltner, Marketing Director Electronic Arts Central Region, zu verstehen. Die Ergebnisse dieser Beobachtungen flössen in die Produktentwicklung ein. "Unter anderem wird 'SSX Tricky' sehr interessante Zusatzfeatures beinhalten", belegt Kaltner, dass auch EA schon frühzeitig die Möglichkeiten des Mediums nutzt. Und auch bei Infogrames gibt es konkrete Pläne. Laut Achim Schmauß, Marketing Manager Core Games, wird "Stuntman" das erste Infogrames-Spiel sein, das umfangreiche Zusatzfeatures bietet. Schmauß sieht ebenso wie seine Kollegen die vielseitigen Möglichkeiten des Speichermediums DVD, um dem Konsumenten zusätzliches Material anzubieten.

"Voraussetzung hierfür ist das Generieren von interessantem Content", mahnt er aber an. "Zum einen zählt die Qualität und nicht die Quantität. Zum anderen ist Exklusivität ein wichtiger Faktor." In dieser Hinsicht stimmen ihm seine Branchenkollegen zu: "Bonusmaterial muss für den User sehenswert sein. Es darf nicht als Marketingtool missbraucht werden", sagt Lars Winkler, Director Marketing/Product bei Eidos Interactive. Er plädiert dafür, die Möglichkeit Bonusmaterial nur dann zu nutzen, wenn die Spiele dies von ihrer Spieltiefe auch hergäben. Im Kontext mit Bonusmaterial spiele das Wort "vernünftig" eine entscheidende Rolle. "Die Produktmanager und Marketingstrategen sollten wie Gamer denken, wenn das Thema Bonusmaterial auf den Tisch kommt", sagt Winkler.

Dass es nicht allein auf die Auswahl oder Zusammenstellung der Zusatzfeatures ankommt, ist die Meinung von Oliver Kaltner: "Das Herzstück eines jeden Produktangebots sollte immer das Originärprodukt sein, in unserem Falle interaktive Unterhaltungssoftware." Die Zusatzleistungen sollten nicht von diesem Grundwert ablenken, sondern diesen optimal mit einem Mehrwert ausstatten. Gelinge dies, könne der Kaufanreiz zweifelsohne gesteigert werden.

"Von einem miserablen Produkt werden auch Bonusangebote gottlob nicht ablenken können", ist sich Kaltner jedoch sicher. Hans-Joachim Amann hält grundsätzlich jede Zugabe für sinnvoll - solange sie gratis ist: "Dann kann sich niemand beschweren." Trailer seien sicherlich die einfachste Form von Zugaben, zumal sie aktiv für kommende Produkte werben würden. "Allerdings können solche Trailer oder Videos nicht als umfangreiches Bonusmaterial bezeichnet werden", stimmt Amann seinen Kollegen zu. "Richtiges Bonusmaterial im Sinne von Making-of-Specials setzen viel Zeit und Geld voraus. Sie können allenfalls bei solchen Projekten zum Standard avancieren, die mit Sicherheit ein kommerzieller Erfolg werden."

Dann, so ist er überzeugt, zahle sich die Investition auch aus. Bei unterschiedlichen VÖ-Terminen in den NTSC- und PAL-Regionen könnte der Importdrang der Spieler gemindert bzw. zum späteren, zusätzlichen Kauf der PAL-Fassung animiert werden.

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