Das Ende des Publishers hätte auch dem Spiel fast den Todesstoß versetzt. Ein Glück, dass die Entwickler die Sache selbst in die Hand nahmen. Resultat: Ein Streetracer von Klasse.

Zwei Pleiten und ein Glücksfall: 2003 verschwand der englische Publisher Rage von der Bildfläche - und mit ihm das hauseigene Studio in Warrington bzw. deren Vorzeigeprodukt "Lamborghini" Die freigesetzten Entwickler trotzten ihrem Schicksal, gründeten die Firma Juice Games und nahmen ihre ganze Rennspielerfahrung zusammen, um den Straßenrenner "Juiced" (umgangssprachlich für "hochfrisiert" oder "verbessert") zu programmieren.

Kurz vorm Presswerk - in Fachmedien waren bereits Tests des Spiels erschienen - ging auch der neue Publisher Acclaim Bankrott, und die Kreativen in Warrington hingen ein weiteres Mal in der Luft.

Vom Nichts zum Held des Hood

Mit THQ kam das Happy End: Die Kalifornier erkannten das Potenzial des Spiels, kauften es und gönnten den Entwicklern weitere acht Monate für Feinschliff, Balancing und Fehlersuche. Eine kluge Entscheidung, die schlussendlich zu einem Rennspiel geführt hat, das es ohne weiteres mit populären Konkurrenzmarken wie "Need For Speed: Underground" oder "Midnight Club" aufnehmen kann.

Die grundsätzliche Besonderheit an "Juiced", das am 13. Mai für PC, PS2 und Xbox erscheinen soll, ist die gesunde Mischung aus Realismus und Spielspaß: Die insgesamt 53 von Herstellern wie VW, Nissan oder Mitsubishi lizenzierten Wagen zeigen ein anspruchsvolles und herausforderndes Fahrverhalten, sind aber mit etwas Eingewöhnung exakt und problemlos zu steuern.

Die nötige Übung verschafft der Karrieremodus mit seiner sanften Lernkurve: Hier beginnt der Spieler als No Name, der durch Teilnahme an inoffiziellen Rennen in acht Vierteln einer fiktiven US-Metropole zum angesehenen Straßenraser aufsteigt.

Pimp my ride

Allerdings zählen für ein Fortkommen nicht nur Bestzeiten und Podestplätze - ohne Geld und Respekt geht in der Szene gar nichts. Ersteres wird durch Siege oder riskante Wetten verdient und anschließend in neue Fahrzeuge investiert bzw. für umfangreiche Änderungen an bestehenden Boliden ausgegeben.

Der Einbau neuer Luftfilter, Bremsen, Getriebe oder Motoren steigert die Leistung; knallige Lackierungen und dicke Spoiler, protzige Stoßstangen und Felgen sorgen für Bewunderung. Und die ist wichtig, denn erst wenn der Spieler von der jeweiligen Gang im Viertel respektiert wird, darf er an Rennen auf deren Territorium teilnehmen.

Die große Vielfalt bei der Individualisierung des Fuhrparks (die Statistiker bei Juice Games kommen auf 7,5 Billionen Kombinationen) ist ein großer Trumpf von "Juiced", der vor allem online sticht.

Deine Kiste sei meine Kiste

Damit die junge Zielgruppe mit ihren aufgemotzten, individuellen Karren auch entsprechend posieren kann, wird es für alle drei Versionen von "Juiced" umfangreiche Multiplayermodi geben. Das Spannende daran: Wie in der Solovariante können auch über Internet so genannte Pink-Slip-Rennen gefahren werden, bei denen der Sieger das Fahrzeug des Unterlegenen als Prämie kassiert.

Doch auch Spieler ohne Netzzugang sollten eine gute Weile auf ihre Kosten kommen, schließlich haben die Entwickler die Zahl der Strecken von 64 auf 99 (gelegen in neun verschiedenen Umgebungen) aufgestockt und der üppigen Karriere einen abwechslungsreichen, 55 Rennen langen Arcade-Modus zur Seite gestellt.

Irgendwie ist "Juiced" seinen vierrädrigen Protagonisten sehr ähnlich: Monatelanges Tuning hat aus einem Serienmodell ein beeindruckendes Rennspielunikat gemacht.

Nachgefragt bei Don Whiteford, Studiomanager Juice Games

» "Juiced" war eigentlich vor Monaten schon fertig. Wie haben Sie die zusätzliche Zeit genutzt?

Beinahe die gesamte Zeit haben wir zum Verfeinern und Aufpolieren des Spiels verwendet. Wir können uns glücklich schätzen, ein paar mehr Monate gehabt zu haben, denn das Spiel hat gewaltig davon profitiert. Besonders viel Zeit wurde in die Verbesserung der Physik investiert, und auch bei den Spielmodi wurden ein paar Dinge ergänzt. Der Sprint-Modus etwa ist jetzt auch online verfügbar. Damit tun wir all jenen einen Gefallen, die einfach nur herausfinden wollen, wessen Bolide auf der Geraden am schnellsten ist.

» Welche Zielgruppe wollen Sie mit Ihrem Rennspiel erreichen?

"Juiced" hat eine sehr große Anziehungskraft; wir haben das Spiel sowohl mit Hardcorefans als auch mit relativen Neulingen erfolgreich getestet. Darüber hinaus wollen wir jene Rennspielfans ansprechen, die nach einer kleinen Abwechslung ihrer Rennerfahrung suchen. "Juiced" kombiniert einen ziemlich einzigartigen Karrieremodus mit einer tollen Physik. Leute, die es gespielt haben, sprachen häufig von "süchtig machend". Das finden wir natürlich großartig.

» Wie kann sich "Juiced" gegen populäre Straßenrennserien wie "Need For Speed: Underground" (NFSU) oder "Midnight Club" positionieren?

Wir hörten zum ersten Mal von NFSU, als wir bereits sieben Monate entwickelt hatten, und obwohl die Spiele bis zu einem gewissen Punkt ein gemeinsames Thema eint, handhaben und spielen sie sich recht unterschiedlich. Der Erfolg von NFSU bestätigt uns in der Annahme, dass Straßenrennen ein Massenmarktthema sind, und "Juiced" geht dieses Thema auf eine raffiniertere Weise an. Wir glauben, dass wir in der Positionierung gegen die Konkurrenz als Entwickler gute Arbeit geleistet haben.

» Wie wichtig ist die Onlinekomponente des Spiels?

Sehr wichtig. Wir lassen den Spieler sehr viel mehr machen, als er es bei den NFSU-Spielen kann. Es ist möglich, die Autosammlung aus dem Karrieremodus online zu nutzen, als Team mit kontrollierbaren KI-Kameraden Rennen zu bestreiten und sogar "Pink Slip"-Rennen auszufahren, in denen man online Fahrzeuge verlieren kann.

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