Sony: Gerdes wird entmachtet
Bei Sony Deutschland kommt es zu einschneidenden Maßnahmen in der Geschäftsführung. Zwei Mitglieder der Geschäftsleitung verlassen das Unternehmen und Manfred Gerdes muss wichtige Verantwortungsbereiche abgeben.
Manfred Gerdes, Geschäftsführer von Sony Deutschland, muss maßgebliche Teile seines Verantwortungsbereichs abgeben. Dies berichtet das "Manager Magazin" in seiner neuen Ausgabe. Gerdes, der formal im Amt bleiben wird, muss die Verantwortung für Marketing und Vertrieb von Sony Deutschland an den neuen Geschäftsführer Yoshiyuki Nogami abgeben. Die Geschäftsführung von Sony Deutschland verlassen werden Jürgen Samuel und Kenichi Yoda. Samuel wechselt in die Europazentrale, Yoda kehrt nach Japan in die Konzernzentrale zurück. Mit den Maßnahmen reagiert der Sony-Konzern auf die unverändert schlechte Geschäftsentwicklung bei der deutschen Tochter. Auch der Abbau von weiteren 150 Arbeitsplätzen ist bereits beschlossene Sache, ein Sozialplan für den Jobabbau wurde bereits erstellt.
Als Grund für die Entmachtung gibt das "manager magazin" unter Berufung auf Insider an, dass die vorgegebenen Planzahlen nicht erfüllt wurden. Sony-Manager schätzen, dass Sony Deutschland im noch bis Ende März laufenden Geschäftsjahr einen Verlust von bis zu 40 Mio. Euro einfahren wird. Der Umsatz solle nur noch 750 Mio. Euro betragen.
Manfred Gerdes zählt zu der Riege von Sony-Managern, die im Konzern durch den Erfolg der Gaming-Sparte auffielen. Gerdes leitete zehn Jahre die deutsche Niederlassung von Sony Computer Entertainment, bevor er Anfang 2005 zu Sony Deutschland wechselte. Die Gesamtleitung von Sony Deutschland übernahm er im Juli 2005, drei Monate nach Beginn des laufenden Geschäftsjahrs. Gerdes Entmachtung ist nicht das erste Beispiel dafür, dass es die aus der Gamessparte kommenden Manager im Konzern schwer haben. Auch Chris Deering, President von Sony Europe und zuvor Gerdes Vorgesetzter als President von Sony Computer Europe (SCE), legte sein Amt im Herbst 2005 nieder, nur 18 Monate nachdem er von SCEE zu Sony Europe wechselte. Einer der Gründe für den schweren Stand von Sonys Spielemanagern könnte in der Übernahme der Konzernleitung durch Sir Howard Stringer liegen. Stringer hatte zwei Wochen vor seinem Amtsantritt das Topmanagement deutlich reduziert. Dabei wurde auch Ken Kutaragi, Chef der Spielesparte, aus der Geschäftsführung des Gesamtkonzerns gedrängt. Bevor die Wahl auf Stringer fiel, galten er und Kutaragi als die aussichtsreichsten Kandidaten für die Konzernspitze.