Spielwarenmesse ohne Nintendo
Mit Nintendo verliert die Spielwarenmesse einen prominenten Namen auf ihrer Ausstellerliste. Die Veranstalter, von Nintendos Entscheidung kaum überrascht, halten jedoch an der Spielwarenmesse als internationaler Plattform auch für Anbieter von Computer- und Videospielen fest.
Messeveranstalter haben es nicht leicht mit der Computer- und Videospielbranche. Die CeBIT HOME 2000 wurde durch Absagen gestürzt, auf der IFA 2001 meldeten sich die meisten Anbieter erst gar nicht an, und selbst die ECTS glich voriges Jahr eher einer Trauerfeier statt einem bunten Meet-and-Greet.
Zwar gelang es auch der Nürnberger Spielwarenmesse nie, die Interactive-Branche in ihrer Gesamtheit darzustellen, doch avancierte sie immerhin zu einem festen Branchentermin. Ein Garant dafür war Nintendo als einer der wohl treuesten Interactive-Aussteller. Doch damit scheint es vorbei zu sein. Axel Herr, Managing Director Sales & Marketing Germany, erklärte gegenüber GamesMarkt.de, dass Nintendo 2003 nicht in Nürnberg ausstellen wird. Als Grund nannte er Veränderungen in der Messelandschaft. Zudem sei eine Teilnahme im Februar 2003 aus sortimentstechnischen Überlegungen und angesichts des äußerst schlagkräftigen Nintendo-Vertriebs nicht mehr zwingend geboten, so Herr.
Veranstalter wollen an Interactive festhaltenNatürlich stellt sich nach Nintendos Absage auch die Frage, ob überhaupt noch jemand Pläne für Nürnberg hat, und wer. Mit Sony Computer Entertainment Deutschland ist wohl kaum zu rechnen. Schließlich verzichtete SCED schon 2002 auf einen Auftritt. Die PS 2 sei weniger Spielware als Computer Entertainment-System und damit Unterhaltungselektronik, so die Begründung. Ein Auftritt von Microsoft, 2002 immerhin gemeinsam mit den Vertriebspartnern NBG und Hoffmann Interaktiv noch als Aussteller in Nürnberg, wäre prinzipiell denkbar. "Wir haben uns noch nicht für die Spielwarenmesse angemeldet", lässt jedoch Xbox-PR-Manager Boris Schneider-Johne alles offen.
Bigben Interactive, 2002 ebenfalls auf der Ausstellerliste, will eigentlich wiederkommen: "Unsere derzeitige Planung sieht einen Auftritt vor", so Marketing Manager Thomas von Treichel. Und Infogrames, einer der wenigen internationalen Third-Party-Publisher, die 2002 in Nürnberg mit Stand zu finden waren, ist unentschlossen. Nintendo habe aus Sicht von Infogrames traditionell eine gewisse Ankerfunktion für den Videospielauftritt auf der Spielwarenmesse, erklärt Frank Holz.
Interactive-Konzept soll überdacht werden
"Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation sind wir derzeit in der intensiven Diskussion, ob und in welcher Art und Weise wir an der Spielwarenmesse teilnehmen werden", berichtet der Marketing Director von Infogrames. Während die potenziellen Aussteller also größtenteils noch ihr Vorhaben abwägen, blickt man in Nürnberg nach vorn. Laut Dr. Hans-Juergen Richter, Interimschef der Spielwarenmesse eG, hätte man sich zwar über eine Teilnahme Nintendos gefreut, sei aber nicht überrascht über die gegenteilige Entscheidung.
Für die Veranstalter ist die Absage zumindest kein Grund, die Präsenz von Computer- und Videospielen in Nürnberg generell in Frage zu stellen. Allerdings wird es zu internen Überlegungen kommen, wie der Auftritt der Interactive-Branche in Nürnberg genau aussehen wird. Das Ergebnis dieser Überlegungen ist natürlich noch offen.