"Stärker als der Predator, aggressiver als das Alien"
Wie überlebe ich eine Alien-Attacke? Survival-Spezialist Alon Stivi trainiert sonst die Stars - diesmal verriet er unserem Redakteur Alexander Jodl seinen besten Trick.
Herzlich, offen, laut - wenn Alon Stivi lacht, möchte man mitlachen. Ein Reflex, der schnell abflaut. Denn wer den kompakten Endvierziger mit den wachsamen Augen um Rat bittet, hat meist hässliche Probleme. Probleme, bei denen Gewalt eine essenzielle Rolle spielt. Und Alon Stivi soll sie lösen. In beratender Form, manchmal konkreter.
"Überleben sichern", nennt er es. Das seines Klienten, oft auch das größerer Gruppen. Als Koryphäe für alle Facetten der Gewalt wird er zu Rate gezogen bei Schulhofmassakern und im Kampf gegen den Terror. Er berät Militärs in Überlebensstrategien, trainiert SWATs im Nahkampf. Firmen wenden sich an ihn bei Entführungsfällen, Promis und Politiker vertrauen ihm ihr Leben an. Kein Söldner, kein Waffenfetischist - aber jemand, der weiß, dass Überleben manchmal seinen Preis hat.
Dazwischen berät er die großen Filmfirmen Hollywoods. "Mit anzusehen, wie manche Stars ihre Waffen halten und Truppen sich im Einsatz bewegen wie die Touristen - da tränen dir die Augen. Wenn Drehteams Kampfszenen autodidaktisch angehen, wird's immer peinlich. Im Ernstfall wäre die Überlebenschance solcher Helden nahe null. Sie bräuchten dazu nicht mal Gegner, sondern würden sich meist selbst abknallen."
Immer korrekt bleiben
Auch Hollywood hat längst erkannt: Bewaffnete Statisten in Uniform sind von einem SWAT-Team so weit entfernt wie Schmetterlinge von einem Wespenschwarm.
Dazu bedrohen dilettantische Waffenführung, Suizidalsturmangriffe und unplausible Strategien auch den wirtschaftlichen Erfolg von Actionblockbustern: Eine Armeestärke von über einer Million, ungezählte Ex-GIs, das Land voller Waffennarren - wer seinen Helden vor diesem Publikum als Trigger-Trottel outet, spielt auch finanziell mit dem Feuer. Schließlich geht's sogar in der Traumfabrik um Realismus: Wenn du schon die Erde zerbläst, mach's zumindest militärisch korrekt.
Überleben für Anfänger
Ob mit Stars oder Statisten: Stivis Erziehungsversuche zu artgerechter Waffenhaltung ähneln oft dem Bespaßen einer Sandkastengruppe. Heute weigert sich unser Trüppchen internationaler Journalisten überaus erfolgreich, wie hoch trainierte Killer zu wirken. Auf Initiative der Twentieth Century Fox soll der Security Consultant bei den angetretenen Pressevertretern Basisarbeit in puncto Survival leisten. Auf DVD kollidieren Aliens und Predatoren jetzt zum zweiten Mal. Miteinander, aber auch mit dem Militär - was für die beteiligten Vertreter der Spezies Homo Sapiens meist so glücklos wie schnell endet. "Muss ja nicht sein", findet die Fox.
Das Resultat: Training-Day in Santa Monica unter dem Motto "Wie schütze ich mich vor Alien-Attacken". Überlebensspezialist Alon Stivi wird dabei flankiert von zwei jungen Männern im Kampfanzug. Sonnenbrille. Keine Haare, kein Lachen. Jedenfalls anfangs.
Todfeind Nummero Uno: Friendly Fire
Es folgt die Special-Forces-Grundausbildung in Fast Forward: marschieren und kriechen am Strand, später der Close Combat. Vertraut machen mit verschiedenen Waffengattungen plus Nachtsichtgeräten. Wohnungen erstürmen für Anfänger. Am Abend dann der entscheidende Häuserkampf: Ausgerüstet mit Laserwaffen und Sensoren, sollen frisch erworbene Sturmstrategien teamweise unter Beweis gestellt werden.
Das Resultat wie zu erwarten: Adrenalin und Ahnungslosigkeit gehen eine unheilige Allianz ein. Was folgt, sind zwei Stunden "Stirb Langsam" mit Laiendarstellern. Zum Schluss die Analyse in der Nachbesprechung: Verheerende Verluste durch Friendly Fire, die meisten Treffer musste der Fotograf einstecken. Hat nur leider nicht mitgespielt. Die Journalisten sind zufrieden, Stivi auch. Seine Jungs kichern immer noch.
Jetzt mal ernsthaft
Spaß beiseite: Wie ernst nimmt die US-Regierung eigentlich die Gefahr einer Alien-Attacke? Alon Stivi blickt über den Strand zum Pier, in die Ferne. Wie jemand, der schon zu viele Geheimhaltungsvereinbarungen unterschrieben hat, um noch frei über solche Themen zu sprechen. "Sagen wir mal so: Regierung und Militär der USA haben Pläne und Strategien für jede Eventualität. Invasionen, Epidemien, Naturkatastrophen, Meteore. Irgendwo sitzt immer ein Stab von Leuten an einem Bedrohungsszenario." Aber Angriffe durch Außerirdische? "Möglich. Sehr gut möglich."
Nur, wie kommt man dann klar, so als einzelner Europäer in der Opferrolle? Keine Waffen, keine militärische Verstärkung - Augen zu und beten? "Wie eigentlich in jeder existenziellen Bedrohungssituation: Versuch nicht, den Helden zu spielen - dafür werden die Jungs in Hollywood bezahlt. Versuch nur, zu überleben. Dazu musst du nicht stärker als der Predator oder aggressiver als das Alien sein. So einen Gegner kannst du sowieso nicht besiegen. Musst du auch nicht. Der Trick ist, ein kleines bisschen schneller, stärker oder besser bewaffnet zu sein als dein Nebenmann. Denn als Primärziel dienen immer die Schwächsten - und genau das ist deine Chance." Und grinst wieder wie ein Haifisch.