Tokyo Game Show
Die neben der E3 in Los Angeles wohl wichtigste und nach wie vor bestbesuchte Videospielmesse öffnete zum 15. Mal ihre Pforten.
Die drei TGS-Tage übertrafen nicht nur die Erwartungen der Organisatoren des japanischen Branchenverbands CESA, sondern auch die der aus aller Welt angereisten Pressevertreter. Denn obwohl die E3 in Los Angeles mittlerweile auch für japanische Hersteller zum wichtigsten Ankündigungsort für neue Konsolen und strategische Allianzen geworden ist, hob sich Nintendo sein Next-Generation-Knallbonbon für die Tokioter Spielemesse auf.
Nintendo-Präsident Satoru Iwata präsentierte unter Blitzlichtgewitter den Revolution Controller (siehe Kasten unten). Ansonsten war von Nintendo nichts zu sehen, weil das Mario-Mutterhaus traditionellerweise nicht mit einem Stand auf der TGS vertreten war.
Starkes Line-Up
Ganz anders Microsoft. Die Amerikaner rührten kräftig die Werbetrommel für die Xbox 360. Rund ein Dutzend Titel konnten am Microsoft-Stand angetestet werden: neben Namcos Arcaderacer "Ridge Racer 6" sowie Square Enix' Online-Rollenspiel "Final Fantasy XI" viel Japan-typisches wie Mech-Ballereien ("Chromehounds" von Sega).
Bis auf wenige Ausreißer zeigten die Titel, was die Spieler von der kommenden Xbox-Generation erwarten dürfen: grafischen Augenschmaus aus hochauflösenden Szenerien mit einer Fülle an Effekten und detaillierten Texturen, aber auch erst mal "nur" spielerisch Bewährtes, wie man es von früheren Launch-Line-ups gewohnt ist.
Snake is back!
Während Microsoft der alten Konsole auf der Messe keinen Platz mehr gönnte, stand der großflächige Stand von Sony mehreren Systemen offen: Etwa die Hälfte des Auftritts nahm das PlayStation-3-Kino ein, in dem sich die gedrängt stehenden Besucher von einem Zusammenschnitt aus etwa 20 Trailern beeindrucken ließen.
Darunter befanden sich einige bereits von der E3 bekannte Renderfilme (wie die von "Killzone"), aber auch jede Menge neues Material. Für Staunen sorgten ein furioser Kampf zwischen zwei Drachen in "Lair", dem PS3-Projekt der ehemaligen, deutschstämmigen GameCube-Entwickler Factor 5, oder die lebensechte Darstellung eines Kämpfers in Namcos Next-Generation-"Tekken".
Am meisten beeindruckte die Besucher aber die achtminütige Preview von "Metal Gear Solid 4": Mit einer gehörigen Portion Selbstironie ließ "MGS"-Schöpfer Hideo Kojima die Spieler in die Zukunft der Serie blicken, in der ein gealterter Solid Snake ums Leben und mit seiner Nikotinsucht kämpft.
Gegenwart und Zukunft
Der eigentliche Sony-Stand konzentrierte sich auf die Gegenwart: An etlichen Displays durften in Bälde erhältliche PS2-Titel angetestet werden, die nur zu geringem Maß aus hauseigener Produktion stammen, wie das Horrorabenteuer "Forbidden Siren 2", oder "Shadow Of The Colossus", der ersehnte Nachfolger des Kultspiels "ICO".
Auch die Dritthersteller setzten auf der diesjährigen TGS auf einen Mix aus mehr oder weniger verstohlenen Blicken in die Next-Generation-Zukunft und auf fortgeschrittene Produkte für aktuelle Systeme. Die gewaltigsten Drittherstellerauftritte leisteten sich wieder einmal Sega und Konami; auch Capcom und Tecmo beeindruckten mit großer Produktpalette und großer Standfläche. Wir sind gespannt, was nächstes Jahr kommt!
Nintendo Revolution Controller
Für eine Sensation sorgte Nintendos Präsident Satoru Iwata in Tokio. Der Mario-Boss präsentierte den neuen zweiteiligen Nintendo Revolution Controller aus Fernbedienung und angestecktem Analogstick. Das Steuergerät ähnelt einer TV-Fernbedienung und wird mit nur einer Hand bedient, was die psychologische Barriere verringern soll, zum Spielgerät zu greifen.
Neben Steuerkreuz und vier Actionbuttons wird die Bildschirmaction durch Bewegung des Geräts selbst kontrolliert: Über eine nicht genannte Technik registrieren Sensoren am Fernseher die Raumstellung des Controllers, auch die Drehung um die Längsachse wird wahrgenommen.
Ein rasant geschnittenes Video zeigte mögliche Spielarten dieser innovativen Steuermethode: Schauspieler imitierten mit dem Controller Tennis- und Baseballschläger, dirigierten zu klassischer Musik, schossen im Lichtpistolenstil auf das TV-Gerät und schnippelten unter Hackgeräuschen unsichtbares Gemüse.