Nach den Publishern TLC und Phenomedia sowie den Spielentwicklern TriNodE und Funatics hat die Insolvenzwelle nun auch die Distributorenriege erreicht. Anfang Juni bekannten A 1 Software und m8 - das medienteam ihre Zahlungsunfähigkeit.

Der Pleitegeier kommt selten über Nacht. Trotzdem rauschte er für zwei Distributoren der Softwarebranche zu überraschend herbei, um den Bankrott noch abwenden zu können. Anfang Juni wurde beim Amtsgericht Bielefeld ein vorläufiges Insolvenzverfahren über das Vermögen von A1 Software eröffnet. Etwa zeitgleich stellte m8 - das medienteam beim Amtsgericht Limburg einen Insolvenzantrag. Nach Aussage der jeweiligen Geschäftsführer - Simon Lissner von m8 und Anthony J. Wilson von A1 - wurde der Betrieb beider Firmen bereits eingestellt, insgesamt 17 Mitarbeiter haben ihre Arbeit verloren.

Wie konnte es dazu kommen? Noch Anfang des Jahres hatte sich Wilson optimistisch über die Zukunft der Firma geäußert. Auch m8 zeigte sich positiv gestimmt. Nach Angaben Lissners sind starke Umsatzrückgänge im Buchhandel schuld an der Insolvenz von m8. Ist bereits das Weihnachtsgeschäft eher schlecht verlaufen, so hatte das Unternehmen in den Folgemonaten "mit Remissionsquoten von 50 bis 60 Prozent zu kämpfen. Das ist für ein Vertriebsunternehmen schwer zu verkraften", sagt Lissner heute. Innerhalb von sechs bis acht Wochen sei in diesem Handelsbereich der Markt für Software zusammengebrochen.

"Dass eine Institution wie Hugendubel Kurzarbeit anmelden muss, habe ich in den 23 Jahren meiner Tätigkeit im Buchhandelsbereich noch nicht erlebt", so der m8-GF zur Lage in der Branche. Mit Ausnahme von Sprachlernsoftware seien die Umsätze gerade im April "desaströs" gewesen. "In solch einer kurzen Zeit kommen keine Verträge mit neuen Partnern zustande", weiß Lissner. Neue Verträge hätten die Pleite aber möglicherweise noch verhindern können.

"Softwarebranche ist derzeit ein rotes Tuch"

Wie bei m8 lösten nach Aussage von Tony Wilson auch bei A 1 "heftige Umsatzeinbußen" den Bankrott der Firma aus, die neben der Distribution für Fremdfirmen auch als Publisher von Edutainmentreihen wie "Kiribati" und "Pong Pong" auftrat. Dazu kam, "dass drei unserer größeren Partner ihre Rechnungen nicht bezahlt haben", so Wilson. Namen nannte er nicht. Die Insolvenz hat ihn schwer getroffen: "Wir haben gute Arbeit geleistet. Ich bin in dem Job aufgegangen, und es tut mir in der Seele weh, das aufzugeben", fasst er seinen Schmerz zusammen.

Die Suche nach neuen Investoren sei bislang ohne Ergebnis verlaufen. "Für Investoren ist derzeit die IT-Branche im Allgemeinen und die Softwarebranche im Speziellen ein rotes Tuch", so der A 1-Chef. Wie es mit der Firma weitergeht, kann der vorläufige Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Joachim Scholz, derzeit noch nicht genau sagen. "Zurzeit sieht es so aus, dass das Unternehmen liquidiert wird und es gar nicht erst zu einem Insolvenzverfahren kommt", sagt Scholz. Das Unternehmen sei verschuldet, Vermögen vermutlich nicht mehr vorhanden. Endgültige Klarheit soll ein Gutachten liefern, das in den nächsten Wochen erstellt wird. Vorläufiger Insolvenzverwalter von m8 ist Steuerberater Wolfgang Kalker. Er prüft nach Angaben seiner Kanzlei Kalker & Fahnster derzeit, ob ein Insolvenzverfahren eröffnet wird. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, könne man zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber keine Stellung nehmen.

Ehemalige Vertriebspartner zeigen sich über den Zusammenbruch beider Firmen betroffen. Zumal laut Armin Hopp, GF von digital publishing, dp "als einziger Handelspartner von m8 in den ersten Monaten dieses Jahres die Umsätze sogarnoch steigern konnte". Dennoch betreffe der m8-Bankrott nur rund 25 Prozent der Umsätze von dp im deutschsprachigen Raum. "Wir haben rechtzeitig vorgebaut und gehen vertrieblich gestärkt aus der Situation hervor: Bestellungen aus dem Buchhandel und der komplette Warenfluss sind seit zwei Monaten umgestellt und gehen direkt über unsere Auslieferung Prolit", so Hopp.

Mit der bereits erfolgten Umstellung auf einen direkt gesteuerten Buchhandelsvertrieb und Koch Media als Distributor für die Consumermärkte verfüge dp nun über die passende Vertriebsstruktur. Beim früheren A1-Partner Westermann sucht man noch nach einer Lösung. "Bis wir einen neuen Distributor gefunden haben, beliefern wir die Händler direkt", sagt Ralf Lischewski, Westermanns Leiter Internet und Neue Medien. Auch beim Max Hueber Verlag läuft derzeit die Suche nach einer neuen Vertriebsfirma. Sylvia Tobias, Vertriebs- & Marketingleiterin: "A 1 war ein zuverlässiger und qualitativ guter Partner, dessen Angebot auf unsere speziellen Bedürfnisse zugeschnitten war. So lag ein Fokus auf dem Marketing, eine Besonderheit unter den Distributoren."

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