Unheimlich lustige Begegnung der 3. Art
Schluss mit der ungerechten Alienhatz, der von den meisten Games Vorschub geleistet wird. In "Destroy All Humans" schlagen E.T.'s böse Brüder schmerzhaft zurück.
Von "Space Invaders" bis "Halo" ist die Videospielhistorie voll von Geschichten, in denen die Erde vor ihrer Zerstörung durch Außerirdische steht und nur durch den selbstlosen Einsatz eines einsamen menschlichen Helden (wenigstens kurzfristig) gerettet wird.
Entwickler Pandemic Studios - bekannt für harte Action und ernste Strategie in Titeln wie "Mercenaries" oder "Full Spectrum Warrior" - drehen den Spieß um: In "Destroy All Humans!" ist der Spieler der einsame Alien Crypto, der auf der Erde das dümmliche Menschenvolk auslöschen soll.
Ziemlich spaciger Humor
Natürlich gibt es einen guten Grund für das gnadenlose Vorgehen gegen die Bewohner des unterentwickelten blauen Planeten: Die Menschen dienen als DNA-Reservoir für die in sexuellen Dingen etwas minderbemittelten Aliens. Zur Ernte der Erbsubstanz ist die nicht ganz folgenlose Extraktion des Hirnstamms nötig.
Diese absurde Hintergrundstory klingt nach billigem B-Movie, was auch die volle Absicht der Entwickler ist. Denn "Destroy All Humans" will kein gewöhnliches Action-Adventure sein, das nur Reaktions- und Denkvermögen herausfordert.
Mit dem 3D-Alienabenteuer soll endlich mal wieder ein bisschen Humor in die von kriegerischen Inhalten dominierte Spielelandschaft gebracht werden. Dies gelingt Pandemic nicht nur mit abgedrehter Story und ungewöhnlichem Perspektivwechsel, sondern auch durch Verwendung eines klischeereichen Szenarios.
Inspiriert von Mars Attacks
Den Hintergrund für Cryptos Weltzerstörung liefern die amerikanischen 50er Jahre, die von Fremdenangst geprägte Atomära mit ihren Merkwürdigkeiten rund um UFOs, Area 51 oder Men in Black.
Schon das Aussehen des Hauptcharakters ist klassisch (und erinnert an Tim Burtons SF-Parodie "Mars Attacks!"): Massiger Schädel, dürre Beinchen, große ovale Augen - von der Hautfarbe abgesehen ist Crypto der Prototyp des kleinen grünen Männchens.
Natürlich besitzt er auch eine Laserpistole - die Zap-o-Matic. Die Energiewaffe ist vielseitig und erlaubt herzhafte Brutzeleien ebenso wie die sanfte Betäubung von Gegnern und Gehirnspendern. Doch ein Alien kann natürlich mehr als eine überlegene Waffe schwingen: Dank seiner mentalen Fähigkeiten meistert Crypto weite Bereiche des Spiels auf trickreiche und gewaltarme Weise.
Vielfältige Mittel der Macht
So liest er die Gedanken irdischer Lebewesen, um Hinweise zur Lösung von Rätseln zu bekommen, zwingt Menschen seinen Willen auf und lässt sie unsinnige Aktionen ausführen (was wiederum andere Figuren ablenkt) oder schlüpft gleich komplett in ein Individuum.
Daneben besitzt der Außerirdische Psi-Kräfte, mit denen er Objekte und Personen durch die Luft wirbeln kann, und manchmal steigt er sogar in seine fliegende Untertasse, deren Kanonen ganze Städte in Schutt und Asche legen.
Neben dem frechen Witz ist es dieser Mix aus heftiger Ballerei und bedächtiger Vorgehensweise, die "Destroy All Humans" von Genrekollegen abhebt und den für Mai geplanten PS2- und Xbox-Titel zu einem der ausgefallensten und interessantesten Produkte 2005 macht.
Nachgefragt bei Brad Welch
» "Mars Attacks!" diente offensichtlich als Inspiration für "Destroy All Humans". Was hat Sie sonst noch zu Ihrer Weltzerstörungskomödie bewegt?
Tatsächlich war der "Mars Attacks!"-Film nicht die ursprüngliche Inspiration, aber ich verstehe, warum die Leute das denken. Wir wollten ein Spiel machen, in dem Aliens die Erde überfallen, und gelangten dabei schnell an die Hauptideenquelle: die B-Movies der 50er Jahre! "Der Tag, an dem die Erde stillstand" von 1951 war die stärkste Inspiration für das Spiel; dieser Klassiker besitzt alle - heute noch kopierten - Schlüsselmomente eines Alien-Invasion-Films.
» Als Alien gegen Menschen zu kämpfen, ist ein ungewöhnliches Spielkonzept. Wie gelingt es Ihnen, die Menschen vernichtenswert darzustellen?
Das war einer der Gründe, warum wir das Spiel in den 50ern angesiedelt haben - die Menschen dieser Ära sind wandelnde Stereotypen. Dieses Szenario passte perfekt zu der Idee von dummen und drolligen Menschen, deren einzige sinnvolle Verwendung im Ernten ihrer Hirne liegt.
» In "Destroy All Humans" steckt viel Humor - und das ist selten. Warum ist in der aktuellen Spielelandschaft der Witz gegenüber harter Action unterrepräsentiert?
Weil Humor ein hartes Brot ist; Action lässt sich leichter inszenieren. Wir versuchen, die KI in "DAH" clever und amüsant zu gestalten. Wenn man aber lustig sein will und es nicht ist, sieht man am Ende schön blöd aus. Aber vertrauen Sie mir, das Spiel wird lustig. Ich liebe humorvolle Games; "Sam & Max" war einer meiner Favoriten, und auch "GTA: Vice City" besitzt viel Witz. Wenn die Spieler uns auf demselben Humorniveau einordnen, sind wir sehr glücklich.
» Die 50er bieten sich auch wegen ihrer Musik als Szenario an. Wird es einen lizenzierten Soundtrack à la "GTA" geben?
Der Umfang wird nicht an "GTA" heranreichen, aber es wird sicher Lizenzmusik und hoffentlich auch einen Soundtrack geben. Das Spiel besitzt zudem orchestrale Stücke; das Ganze klingt wie der Soundtrack eines echten 50er-Jahre-Films.