USA: Supreme-Court-Urteil könnte eSport-Wetten in Gang bringen
Der oberste Gerichtshof der USA hat ein Bundesgesetz gekippt, das US-Bundesstaaten verbietet Sportwetten zuzulassen. Das Gesetz war auch für eSports anwendbar. Bricht nun das große eSport-Wettfieber aus? Und wie steht es in Deutschland?
In den USA hat der Oberste Gerichtshof eine möglicherweise auch für den eSports weitreichende Entscheidung getroffen. So wurde das 1992 eingeführte Gesetz "Professional and Amateur Sports Protection Act", kurz PASPA, jetzt vom Surpreme Court gekippt. Verkürzt zusammengefasst untersagte das vom Kongress beschlossene Gesetz den US-Bundesstaaten, Glücksspiel und Lotterien auf Sportwettkämpfe in Eigenregie zuzulassen. Das Gesetz verbot jedoch nicht Sportwetten an sich. Es gab und gibt Ausnahmeregellungen. Der Supreme Court stellte jetzt jedoch fest, dass es gegen die US-Verfassung verstoße, wenn der Kongress per Gesetz den Bundesstaaten vorschreibt, was sie regeln dürfen und was nicht. Das bedeutet: Jeder Bundesstaat hat künftig selbst das Recht zu entscheiden, ob und unter welchen Voraussetzungen er Sportwetten erlaubt.
Auch wenn es in erster Linie um "klassische" Sportwetten geht, zahlreiche Anbieter sehen durch das Urteil auch die Tür für Wetten im eSport weit aufgeschlagen. Zwar sei denkbar, dass Bundesstaaten den eSport ausklammern, wenn sie Sportwetten erlauben, doch das wird sicher nicht auf alle zutreffen, sind sich Experten sicher. Und so verwundert es kaum, dass zahlreiche Unternehmen einen lukrativen Markt wittern. "Das wird eine riesige Industrie werden", zitiert CNBC beispielsweise den CEO der Fantasy-Sports-Website Draftkings, Jason Robins. Auch Rahul Sood, Geschäftsführer des eSport-Wettbetreibers Unikrn bezeichnete gegenüber GamesBeat die Entscheidung des Supreme Court als "großartige Nachricht".
Ob die Hersteller und Entwickler das genauso sehen ist fraglich und eher unwahrscheinlich. Eine allzu große Nähe zum Glücksspiel ist alles andere als imagefördernd. Aus dem gleichen Grund sprechen sich auch traditionelle Sportorganisationen gegen Sportwetten aus, wie sich unter anderem am aktuellen Supreme-Court-Urteil zeigt. Das geht nämlich auf einen Prozess zwischen dem Bundesstaat New Jersey und der NCAA zurück, der National Collegiate Athletic Association. Die klagte mit anderen Organisationen gegen ein Gesetz, mit dem New Jersey Sportwetten zuließ, wenn auch nur sehr eingeschränkt und zwar in der Glücksspiel-Metropole Atlantic City und auf Pferderennbahnen. Die NCAA berief sich bei der Klage auf den PASPA.
Während in den USA durch die höchstrichterliche Entscheidung Bewegung ins Thema kommt ist die Situation in Europa bzw. in Deutschland nach wie vor festgefahren. Der Glücksspielstaatsvertrag von 2012 erlaubt zwar Sportwetten im Internet grundsätzlich, jedoch vorerst nur für einen Testzeitraum bis 2019. In dieser Zeit sollte es auch nur eine begrenzte Zahl von Konzessionen geben.
Da zahlreiche namhafte Anbieter bei der Lizenzvergabe leer ausgingen kam es zu einer Klagewelle. Seitens der Wettbetreiber steht der Vorwurf im Raum, dass die Politik den staatlichen Anbieter Oddset schützt, der natürlich eine Lizenz erhalten hatte. Wegen der anhaltend unsicheren Rechtslage sitzen die meisten Unternehmen, die Onlinewetten auch für deutsche Nutzer anbieten, im EU-Ausland, vorwiegend in Staaten mit deutlich liberaleren Glücksspielgesetzen wie Malta. Deutsche Anbieter sind quasi irrelevant. Damit greift aber auch die Regulierung in Deutschland ins Leere.
Aus Sicht der Wettanbieter steht dem Wettem im eSport also herzlich wenig im Wege, wenn auch über den Umweg im EU-Ausland. Einzig die Nachfrage scheint derzeit nicht so groß zu sein, wie sich das viele wünschen; zumindest noch nicht.