Vereinigtes Königreich verzichtet vorerst auf Gesetze gegen Lootboxen
Das UK-Department für Digitales will vorerst keine Gesetze gegen Lootboxen erlassen, zu unklar sei die wissenschaftliche Faktenlage zum Suchtpotenzial noch. Nun baut die Regierung ein Research Framework auf. Bis dahin sollen Industrie und Regierung gemeinsam eine Selbstverpflichtung zum Kindesschutz ausarbeiten.
Das Department für Digitales, Kultur, Medien und Sport der Regierung des Vereinigten Königreiches hat eine Stellungnahme zu Lootboxen veröffentlicht, in der es Konsequenzen für Unternehmen in Aussicht stellt, die Kinder und psychisch für Glücksspiel anfällige Menschen mit Lootbox-Mechaniken ausnutzen. Vorerst soll es keine Legislation geben, die Lootboxen verbietet oder reguliert. Stattdessen fordert Kultussekretärin Nadine Dorries Unternehmen dazu auf, "das Richtige zu tun und Kinder sowie Spieler:innen aller Altersklassen vor dem Risiko des Schadens zu bewahren."
Statt klare gesetzliche Regelungen zu diesem Zweck vorzugeben, hat sich das Department jedoch entschlossen, eine Arbeitsgruppe aufzubauen, die aus Regierungsvertreter:innen, Spiele-Firmen und Platform-Holdern besteht. Die Arbeitsgruppe sollen Richtlinien zur Selbstverpflichtung der Industrie erarbeiten. Dorries nennt als lobendes Beispiel die Initiativen von Plattform-Holdern wie Xbox, die mit Kindersicherungsmechanismen in Account-Einstellungen zum Beispiel Ingame-Käufe von Kindern regulieren oder ganz verbieten lassen. Grund für den 'weichen' Eingriff in den Markt ist die noch unklare Faktenlage: Seit 2020 hat die Regierung des Vereinigten Königreiches Studien in Auftrag gegeben und Expert:innen befragt. Laut dem Department wurde eine Spieler:innen-Befragung unter 32.000 Beteiligten durchgeführt, 50 Expert:innen oder Industrievertreter:innen interviewt und eine akademische Metastudie der bisherigen Forschungsergebnisse zum Thema durchgeführt. Die Ergebnisse der Untersuchung sind noch nicht eindeutig, weisen jedoch darauf hin, dass Spieler:innen, die Lootboxen gekauft haben, ein höheres Risiko haben, durch Glücksspiel, psychische Gesundheit, finanzielle Probleme und problematisches Spielen geschädigt zu werden. Das Risiko kann auch für Kinder und Jugendliche höher sein. Aus der unklaren Faktenlage leitet das Department lobenswerterweise den Bedarf nach mehr Forschung ab. Um die Ergebnisse zu überprüfen und eine Grundlage für potenzielle Gesetzgebung in der Zukunft zu schaffen, baut das Department für Digitales, Kultur, Medien und Sport nun zusätzlich ein bisher nicht näher definiertes Video Games Research Framework auf.
Kultussekretärin Nadine Dorries kommentiert die Entscheidung für ihr Department folgendermaßen: "Wir wollen verhindern, dass Kinder ohne elterliche Erlaubnis im Internet auf Einkaufstour gehen und sich durch In-Game-Käufe wie Lootboxen anregen lassen.
Spielehersteller und -plattformen müssen mehr tun, um sicherzustellen, dass Kontrollen und Altersbeschränkungen angewandt werden, damit die Spieler vor dem Risiko von Glücksspielschäden geschützt sind. Kinder sollten die Freiheit haben, Spiele sicher zu genießen, während Eltern und Erziehungsberechtigte die nötige Gewissheit haben."
Pascal Wagner