Auf der diesjährigen E3 wimmelte es von guten, aber auch schlechten Shootern, die teilweise auf Effekthascherei ösetzten. Während die deutschen Messebesucher ein imageschädigendes Nachspiel befürchteten, ging der US-Verband in die Offensive.

Uncle Sam lässt grüßen, auch auf der E3. Gleich vor dem Eingang zur South Hall standen in diesem Jahr zwei schwere, gepanzerte Militärfahrzeuge, flankiert von adretten Herren in Uniform. Doch es hatte nicht etwa einer der Spielepublisher kalifornische Models in Tarn- und Gardeanzüge gesteckt, nein, die US Army selbst nutzte die E3 als Promotionplattform.

Gezeigt wurde ein Computerspiel, das junge Amerikaner zum Eintritt in die US-Streitkräfte bewegen soll. Doch nicht allein wegen des Militäraufgebots vor und in der Messehalle schüttelten vor allem deutsche Messebesucher die Köpfe. Die in Deutschland nach den Ereignissen von Erfurt ins Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik geratenen "Ego-Shooter" waren überdurchschnittlich präsent auf der Messe. Schließlich wimmelte es auf der E3 nach den internationalen Erfolgen einzelner Titel wie eben des von der Indizierung noch verschonten "Counterstrike" vor Klonen.

Die US-Entwickler dürften sich über die Aufmerksamkeit und das Interesse mancher deutscher TV-Teams gefreut haben, die von ihren Sendern auf der Suche nach halb nackten Hostessen und blutrünstigen Spielen nach Los Angeles geschickt wurden. Die deutschen Industrie- und Handelsbesucher dürften sich eher wie Christen im Circus Maximus gefühlt haben. Doch der befürchtete GAU einer neuerlichen Hetzkampagne in den Massenmedien nach der Leitmesse der Spielebranche blieb aus. Dass man mit der Kritik an der Gewaltdarstellung auch offensiv umgehen kann, bewies der US-Verbandspräsident Doug Lowenstein in seiner Eröffnungsrede.

Obwohl die meisten Spieler über 18 Jahre alt seien und nur weniger als zehn Prozent aller Spiele in den USA ein "Mature"-Rating erhalten, werde er immer wieder mit ignoranten Aussagen konfrontiert. Er werde laufend gebeten, Studien zu kommentieren, die nachweisen, dass Games aggressives Verhalten verursachen. "Ich kann mich jedoch nicht erinnern, wann ich das letzte Mal zu einer Studie befragt wurde, die dies widerlegt oder die Vorteile von Spielen aufzeigt", monierte Lowenstein.

Dass es solche Studien ebenfalls gibt, bewies der IDSA-Präsident postwendend und zitierte die Ergebnisse einer britischen Professorin sowie einer Studie des Washington State Department. "Hat irgendjemand von Ihnen über diese Studien geschrieben? Hat irgendein Politiker daraus eine Rede formuliert?", fragte Lowenstein in die Runde. "Nun, gute Nachrichten: Ich habe einige Exemplare hier", lautete seine Aufforderung zu mehr Objektivität bei der Berichterstattung.

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