Xbox-App in Smart-TVs und stetiger Game-Pass- und Cloud-Ausbau
Schon vor der Xbox- und Bethesda-Showcase hat Microsoft einige Zukunftspläne rund um ihre Gaming-Ambitionen bekanntgegeben. So wird die Xbox-App für Cloud Gaming in Smart-TVs von Samsung integriert. Auch der Xbox Game Pass wird weiter ausgebaut und soll mit einer Demo-Initiative für mehr Vielfalt auf der Plattform sorgen.
Microsoft hat vor der Xbox- und Bethesda-Showcase am 12. Juni über die Zukunftspläne für Game-Streaming, die Spiele-Integration in bestehende Ökosysteme und natürlich den Xbox Game Pass gesprochen. Kein Thema war übrigens das Projekt mit dem Codenamen "Keystone". Spekulationen rankten sich um eine Mini-Konsole oder einen Streaming-Stick für Monitore mit HDMI-Eingang. Das kleine Gerät sollte Zugriff auf xCloud-Game-Streaming ermöglichen. Gegenüber Windows Central machte Microsoft deutlich, dass sie die "aktuelle Vision des Keystone-Geräts" nicht weiter verfolgen würden. Sie wollen sich auf andere Ansätze konzentrieren, um das Publikum für Xbox Cloud Gaming weltweit auszuweiten.
Einer dieser neuen Wege ist die Implementierung der Xbox-App in Smart-TVs, beginnend mit Samsung als Partnerunternehmen. Bereits ab dem 30. Juni soll der Dienst in 27 Ländern auf ausgewählten Samsung-Geräten aus dem Jahr 2022 launchen. Die Xbox-App ist im Samsung Gaming Hub untergebracht, der als zentrale Anlaufstelle und Discovery-Plattform für Games auf dem Fernseher gedacht ist. Mit einem aktiven Game-Pass-Ultimate-Abo und einem verbundenen Bluetooth-Controller wird man Cloud-fähige Spiele direkt auf dem TV nutzen können, ganz ohne Konsole. "Fortnite" wird man sogar ohne Abo spielen können. "Wir bringen die Xbox App zuerst auf Samsung Smart TVs und wir haben die Absicht, weitere TV-Partnerschaften als Teil dieser nächsten Stufe unserer Vision zu erschließen", so Ashley McKissick, Corporate Vice President, Gaming Experiences & Platforms.
Bestehende Dienste werden weiter ausgerollt. Xbox Cloud Gaming ist in Neuseeland und Argentinien verfügbar und das Xbox Design Lab erhält mehr Farben für benutzerdefinierte Controller sowie die Schweiz als weiteren Markt. Xbox All Access, das Komboangebot aus Konsolenkauf mit Xbox-Game-Pass-Abo, soll bereits in 19 Märkten mit 34 Partnern verfügbar sein. Zugleich baut Microsoft seine Rechenzentren für den Cloud-Betrieb aus. Die Rede ist von einer Kapazitätserhöhung in Höhe von 125 Prozent und den Einbau von Tausenden von "Series X Server-Blades", die für ein besseres Spielerlebnis im Vergleich zu den anderen Servern sorgen sollen. Mehr als zehn Millionen Nutzer:innen sollen die Cloud-Dienste seit Launch ausprobiert haben. Besonders hervorgehoben wird die Partnerschaft mit Epic Games, da "Fortnite" via Xbox Cloud Gaming ohne Abo oder Installation verfügbar ist. Die Resonanz auf das Angebot wird als "beeindruckend" beschrieben: Millionen von Spieler:innen auf iOS, Android und PC hätten es schon genutzt und 20 Prozent der Nutzer:innen seien neu im Xbox-Ökosystem. Pikant: Nach der Entfernung von "Fortnite" aus dem App Store von Apple, kann der Battle-Royale-Shooter über Cloud-Gaming-Umwege doch auf iOS-Geräten gespielt werden. Momentan sind mehr als 350 Spiele via Cloud-Streaming verfügbar, mehr als 100 Titel können via Touch-Steuerung ohne Controller genutzt werden.
Darüber hinaus möchte Microsoft die Cloud-Gaming-Möglichkeit in diesem Jahr auf ausgewählte Spiele ausdehnen, die Nutzer:innen irgendwann einmal auf einer anderen Plattform gekauft haben und auf Games, die nicht mehr zur Xbox-Game-Pass-Bibliothek gehören. Abgesehen davon, dass besagte Spiele die Cloud-Funktion unterstützen müssen, gab sich Microsoft in Bezug auf Details und Partnerschaften dieser Aktion recht schmallippig.
Für nächstes Jahr haben sich die Redmonder mit "Project Moorcraft" eine Demo-Initiative auf die Fahne geschrieben. Wie bei einer virtuellen Spiele-Messe sollen kuratierte Demos von kommenden Titeln im Xbox Game Pass zur Verfügung gestellt werden. Die Erstellung solcher Demos ist laut Sarah Bond (Corporate Vice President, Game Creator Experience & Ecosystem) eine Zusatzaufgabe, die Arbeit und Zeit verschlinge, sich im Nachhinein jedoch auszahlen würde. Den finanziellen Mehraufwand für die Demo-Produktion möchte Microsoft vollständig kompensieren. Zusätzlich erhalten die Entwickler:innen Zugriff auf komplexe Analysetools und Feedbackmöglichkeiten aus der Xbox-Spielerschaft. Auf diesem Weg möchte Microsoft kreative Projekte in ihrer Sichtbarkeit unterstützen und ihnen ein Schaufenster geben, um letztendlich mehr Vielfalt auf die Plattform zu bekommen und dadurch weitere Zielgruppen zu erreichen.
Auch die Gaming-Features von Windows 11 und dem Edge-Browser sollen ausgebaut werden. Der Browser wird eine personalisierte Gaming-Startseite mit News, Guides, Streams und Co. bekommen, natürlich mit Game-Pass-Verbindung. Streamt man Spiele aus der Cloud im Browser, soll ein neuer Clarity-Filter für schärfere Bilder sorgen, während der Ressourcenverbrauch im Hintergrund automatisch auf Effizienz optimiert wird. Das Betriebssystem soll demnächst performanter mit Spielen im Fenstermodus umgehen können. Die "Controller Bar" ist als Schnellstartleiste für Controller-Nutzende gedacht und eine HDR-Kalibrierungapp soll die Farbdarstellung verbessern.
Der Xbox Game Pass zählt derweil 25 Millionen Abonnent:innen. Im Game-Pass-Kontext spricht Microsoft von einer Ausweitung des Spiele-Angebots von Third-Party-Publishern, einer 45 Prozent höheren Nutzungsdauer in den letzten zwölf Monaten und einer Verdreifachung der PC-Game-Pass-Nutzer:innen seit November 2021. Dennoch würde der Abonnent:innen-Sprung auf dem PC laut Spencer hinter ihren Erwartungen zurückliegen. An der aktuellen Strategie der Day-One-Veröffentlichung der eigenen Spiele im Game Pass, im Microsoft Store und auf Steam würden sie weiter festhalten. Bezüglich neuer Spiele-Releases hielt sich Microsoft bedeckt. Das Unternehmen hat im vergangenen Fiskaljahr fünf neue Spiele veröffentlicht und möchte im aktuellen Geschäftsjahr ähnlich viele oder mehr Titel an den Start bringen. Genaueres wird das Unternehmen auf der Xbox- und Bethesda-Showcase am 12. Juni ab 19 Uhr und der Extended-Version der Showcase am 14. Juni präsentieren.
Marcel Kleffmann