2. VUD-Branchenforum in Leipzig
Ende September veranstaltete der Verband der Unterhaltungssoftware Deutschland (VUD) seit zweites Branchenforum. Im Mittelpunkt standen das Piraterieproblem und die Branchenmesse Games Convention. Zudem wurde eine eher ernüchternde Bilanz des ersten Halbjahrs 2001 gezogen.
Ende September hat der VUD zum zweiten Mal Vertreter aus Industrie, Handel, Politik und Medien nach Leipzig zum Branchenforum eingeladen, um dort über aktuelle Themen zu diskutieren. Und diese sind derzeit eher von einer negativen Grundstimmung beeinflusst. So rückte, wie schon so oft, das Piraterieproblem, das längst auch anderen Branchen Kopfzerbrechen bereitet, in den Mittelpunkt der Gespräche. VUD-Geschäftsführer Ronald Schäfer referierte gleich zu Beginn sehr bedenkliche Fakten: Rund 250 Mio. CD-Rs und CD-RWs wurden in den letzten zwölf Monaten verkauft. Davon wurden geschätzte 34 Mio. fürs Kopieren von Spielen verwendet. Das habe zu einer Kaufkraftabschöpfung von 500 bis 600 Mio. Mark geführt - etwa ein Viertel des Gesamtmarkts. "Das Kopieren von Medieninhalten insgesamt hat im digitalen Zeitalter eine Dimension erreicht, die mit den Erscheinungen bei analogen oder gedruckten Medien nicht mehr vergleichbar ist", fasste Schäfer zusammen. Im Anschluss forderte er sowohl Politik als auch Industrie zum Handeln auf. Die bestehenden Urheberrechtsgesetze bedürften einer Überprüfung. Gleichzeitig müssten neue Schutzmechanismen entwickelt werden.
Piraterieproblem weiter ungelöst
Zu Wort meldete sich in puncto Piraterie auch die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU). Joachim Tielke, GF der GVU, berichtete über die jüngste Entwicklung und resümierte die bisherige Arbeit der GVU im Jahr 2001. So hat die GVU in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit den Justizbehörden bisher über 800 Strafverfahren gegen Piraten eingeleitet. Das Ergebnis: 165.000 digitale Datenträger wurden aus dem Verkehr gezogen, fast 500 Täter zu Geldstrafen verurteilt. Grund zum Aufatmen gebe es aber dennoch nicht. Im Gegenteil: Der Schwerpunkt beim Vertrieb von Raubkopien verlagere sich zunehmend aufs Web. Dabei entwickelten Piraten ganz neue Organisationsformen. Über anonyme Querverbindungen würden Cracks und Kopien schnell verbreitet. "Bis zu 500 Stammkunden wurden z. B. bei einem der Köpfe einer solchen 'Piratenhydra' festgestellt", beschreibt Tielke das Ausmaß.
Ein anderes, ebenfalls wenig erfreuliches Thema war die Branchenbilanz des ersten Halbjahrs, die der VUD zog. Der Umsatz fiel gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum um 5,2 Prozent auf 1,44 Mrd. Mark. Gleichzeitig wurden aber 0,6 Prozent mehr Datenträger verkauft. "Bei eingehender Betrachtung der einzelnen Bereich werden zum Teil erhebliche Unterschiede deutlich", stellte VUD-Geschäftsführer Hermann Achilles fest. Das gelte vor allem für die Entwicklung der Durchschnittspreise. Während diese im Info-/Edutainmentbereich angestiegen seien, seien sie in den Segmenten PC-Entertainment und Konsolensoftware weiter abgesackt.
Last but not least gibt es auch Erfreuliches vom Branchentreff zu berichten. So wurden dieser Tage erstmals zwei PS2-Spiele - "Gran Turismo 3 A-Spec" und "Tekken Tag Tournament" - mit einem VUD Sales Award in Gold ausgezeichnet. Das sei ein Beweis dafür, dass die neue Konsole inzwischen eine Penetration erreicht habe, die es zumindest Topspielen erlaube, sechsstellige Absatzzahlen zu erreichen. Und natürlich drehte sich in Leipzig auch alles um die im nächsten Jahr stattfindende "GC - Games Convention".
Laut Achilles hat nun, ein Jahr vor der Veranstaltung, die Ausstellerakquise begonnen. "Da die Industrie in die Konzepterstellung durch die Mitarbeit im GC-Beirat voll involviert ist, gehen wir mit großer Zuversicht an die Umsetzung", so Achilles.