2800 Aussteller aus über 50 Nationen in Nürnberg
Zum nunmehr 51. Mal wird die Nürnberger Spielwarenmesse in diesem Jahr ihre Pforten öffnen. Ab 3. Februar wird sich alles, was in der internationalen Spielwarenbranche Rang und Namen hat, in der Frankenmetropole treffen, um aktuelle Neuheiten und künftige Trends zu diskutieren.
Über eine Million Produkte werden nach Einschätzung der Messeleitung vom 3. bis zum 8. Februar in den Nürnberger Messehallen zu sehen sein. Davon gelten über 60.000 als Neuheiten. Doch nicht nur diese Fakten untermauern das internationale Renommee der Nürnberger Spielwarenmesse als wohl wichtigste Veranstaltung der Branche. Rund 1550 der 2800 Aussteller kommen aus dem Ausland. Firmen aus mehr als 50 Nationen sind zur Präsentation ihrer Produkte vertreten. Und auch die Besucherstruktur ist deutlich international. Ein Drittel der rund 50.000 Einkäufer, die '99 auf der Messe zu Besuch waren, kamen aus dem Ausland. 127 verschiedene Nationalitäten hat die Messeleitung für ihre Statistiken ermitteln können. Es besteht wohl kaum ein Zweifel, dass die Organisatoren am Ende der Toy Fair ähnliche Ergebnisse werden melden können. Konstante Werte auch was die Ausstellerfläche betrifft:
Wie im Jahr zuvor stehen brutto 145.000 Quadratmeter zur Verfügung. "Wir reizen damit die Kapazitäten, die sich uns am Messeplatz Nürnberg bieten, wie immer voll aus", so Gerd Bise, Vorsitzender des Vorstands der Spielwarenmesse eG. Die Spielwarenmesse dürfte damit ihren Platz als drittgrößte Gastveranstaltung der Welt nach der IAA und der Frankfurter Buchmesse behauptet haben. Bise zeigte sich auf der Pressekonferenz im Vorfeld der Veranstaltung zuversichtlich, dass den Ausstellern im nächsten Jahr wieder mehr Fläche angeboten werden kann. Schließlich soll die derzeit im Bau befindliche Halle 7a mit einer Fläche von 10.000 Quadratmetern bis zur Spielwarenmesse 2001 fertig gestellt sein. Doch nicht nur anhand der ständigen Erweiterung des Ausstellungsraums zeigt die Spielwarenmesse Anpassungsfähigkeit und Bewusstsein für Kundenservice. Jahr für Jahr wird das Konzept der Messe schrittweise verändert und den Wünschen von Industrie und Handel angeglichen. Eine der wesentlichen Neuerungen in diesem Jahr ist die verkürzte Veranstaltungsdauer. Damit haben die Organisatoren einem nach eigenen Aussagen vielfach geäußerten Ausstellerwunsch Rechnung getragen. Durch die Verkürzung der Messe auf sechs Tage sollen die Effizienz gesteigert, die Kosten gesenkt und der Terminkalender entlastet werden. Ein weiteres Novum der diesjährigen Toy Fair betrifft unmittelbar die Videospielanbieter. Diese werden erstmals in einer Halle vereint anzutreffen sein. "In dieser konzentrierten Form ist die Halle 8 eine Premiere, mit der wir das Profil der Spielwarenmesse International Toy Fair Nürnberg schärfen", erklärt Bise die Hintergründe dieser Überlegung.
Von der Branche selbst wurde der Schritt begrüßt, wenngleich die Videospielindustrie schon seit längerem mehr Beachtung seitens der Spielwarenbranche fordert. Nicht zu Unrecht, wenn man bedenkt, dass rund 18 Prozent der Gesamtumsatzes der Spielwarenbranche im vergangenen Jahr auf das Konto dieses Segments gehen. Dass Vorbehalte gegen Videospiele noch immer weit verbreitet sind, zeigt ein dpa-Bericht anlässlich der Spielwarenmesse-Pressekonferenz am 27. Januar. "Videospiele sind eine tolle technische Errungenschaft. Eltern müssen aber dafür sorgen, dass sie nutzbringend eingesetzt werden", sagte Volker Schmid, Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwarenindustrie, gegenüber der Nachrichtenagentur. Gleichzeitig forderte Schmid die Unterstützung durch die Eltern, damit Deutschland auch weiterhin "das Land der Brettspiele und Modelleisenbahnen" bleibt. Sie müssten ihren Kindern Angebote machen, die attraktiver seien als Fernsehen und Computerspiele.
Wie aus der Pressekonferenz im Vorfeld der Messe hervorging, kann die Spielwarenbranche aber nicht nur dank der positiven Entwicklung des Videospielmarkts aufatmen. Auch das Angebot im traditionellen Spielwarenmarkt habe deutlich zugelegt, heißt es von Seiten der Messeleitung. "Spielen ist längst den Kinderschuhen entwachsen und erfreut sich auch unter Erwachsenen wachsender Beliebtheit", begründet Gerd Bise diesen Trend. Die Spielwarenindustrie trage dazu ihren Teil bei, professionalisiere das Angebot für die Erwachsenen, richte Marken- und Vertriebspolitik neu aus und erschließe sich so neue Zielgruppen. Dies lässt natürlich auf eine deutlich positive Entwicklung in den kommenden Jahren hoffen. In Bezug auf das vergangene Jahr fielen die ersten Resümees seitens der Spielwarenbranche zumindest nicht unzufrieden aus. "Unter Berücksichtigung der für den gesamten Einzelhandel eher ungünstigen Rahmenbedingungen konnte der Spielwareneinzelhandel seine Position 1999 stabilisieren", lautete die Kernaussage des Bundesverbands des Spielwareneinzelhandels (BVS). Der Deutsche Verband der Spielwarenindustrie formulierte es sogar noch positiver. So sei die Stimmung im vergangenen Jahr deutlich schlechter gewesen als die dann registrierten Ergebnisse; und in diesem Jahr sorge der unerwartet starke Umsatz im Weihnachtsgeschäft für Optimismus. Insgesamt sei es dem Markt gelungen, zumindest in die Nähe der magischen Sechs-Mrd.-Marke zu kommen. Für 2000 liegt die Umsatzerwartung dank des neuen Optimismus bei 6,3 Mrd. Mark.
Kommentar
Gerd Bise, Vorsitzender des Vorstands der Spielwarenmesse eG, zur allgemeinen Marktsituation und zur wachsenden Bedeutung des Produktsegments Videospiele für Spielwarenhandel und Spielwarenindustrie.
"Die Spielwarenmesse International Toy Fair Nürnberg ist im Jahr 2000 geprägt von wesentlichen Impulsen auf Industrie- und Handelsseite. Die Industrie steht, wie auch schon in den letzten Jahren, im Bann der Globalisierung. Anhaltende Konzentrationsprozesse werden hier zur Stabilisierung führen. Die großen Hersteller wie auch die Mittelständler folgen dem Trend der Elektronikspielwaren. Diese werden in allen Produktbereichen großen Raum einnehmen. Gespannt erwartet wird eine neue Generation von Videospielen auf Basis der 128-bit-Technik. Erste Einblicke wird es auf der Spielwarenmesse Internatioanl Toy Fair Nürnberg geben. Auf Handelsseite haben wir mit großen US-amerikanischen Warenhauskonzernen neue, schlagkräftige Wettbewerber im Markt. Ebenso zu berücksichtigen sind die neuen Internetanbieter. Da anzunehmen ist, daß der Wettbewerb härter wird, wird die Spielwarenmesse International Toy Fair Nürnberg hier eine Richtungsorientierung geben. Die neue Generation der Videospiele wird den Markt erneut beleben. Alle Hersteller von Video- und PC-Spielen verfügen über Marketingstrategien und die dafür notwendigen Marketingbudgets. Die Achillesverse wird der Softwarebereich sein. Das ist den Herstellern hinlänglich bekannt. Wir gehen davon aus, dass diesbezüglich Maßnahmen ergriffen werden. Alle großen global agierenden Konzerne haben zwischenzeitlich einen Bereich für interaktives Spielzeug etabliert. Diese Entwicklung können wir aber auch bei den Mittelständlern feststellen, sodass ein deutlicher Innovationsschub zu erwarten ist.'