Die US-amerikanischen Night Dive Studios werden vollständig von Atari übernommen, für maximal 20 Millionen Dollar. Zugleich wird das französische Unternehmen eine Anleihe in Höhe von 30 Millionen Euro emittieren, um größeren Investitionsspielraum zu haben.

Atari wird die Night Dive Studios vollständig übernehmen, eine entsprechende Vereinbarung wurde in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag angekündigt. Night Dive ist ein Full-Service-Spieleentwicklungs- und Publishing-Unternehmen mit Sitz in Vancouver in den USA. Darüber hinaus wird Atari in naher Zukunft eine Wandelanleihe im Wert von 30 Millionen Euro ausgeben, um den Kapitalbedarf zur Umsetzung der Wachstumsstrategie und zur Refinanzierung der Schulden zu decken.

Night Dive wird von Stephen Kick und Larry Kuperman geleitet. Für das Geschäftsjahr, das im Dezember 2022 endete, wurde ein Umsatz von etwa 3,0 Millionen Dollar (US-GAAP, noch ungeprüft) gemeldet, circa 2,76 Millionen Euro. Die Gründer halten 87 Prozent der Aktien des Unternehmens, während Wade Rosen, Chairman und CEO von Atari, eine Minderheitsbeteiligung von 13 Prozent hält. Das Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, klassische Videospiele zu "restaurieren", zu optimieren und auf aktuellen Plattformen zu veröffentlichen. Bereits mehr als 100 Titel wurden gelauncht, darunter "System Shock", "Doom 64" und "Quake". Ein Schlüssel zum Erfolg ist die firmeneigene KEX-Engine, die klassische Spiele auf moderner Hardware spielbar macht und dem Studio die Möglichkeit gibt, das Original zu erweitern und zu verbessern. Ihr größtes, aktuelles Projekt ist die überarbeitete Version von "System Shock", die am 30. Mai 2023 weltweit digital für PC erscheint. Publisher ist Prime Matter, zugehörig zu Plaion.

Mit dieser Akquisition wird Atari sein IP-Portfolio erweitern und die proprietäre Technologie sowie die Publishing-Expertise von Night Dive nutzen, um die auf Retro-Games fokussierte Wachstumsstrategie zu erweitern. Die Übernahme wurde einstimmig von den Mitgliedern des Atari-Verwaltungsrates genehmigt, wobei Wade Rosen nicht an der Abstimmung teilnahm.

Der Kaufpreis für Night Dive setzt sich zusammen aus einem anfänglichen Betrag von 10 Millionen Dollar, fast 9,2 Millionen Euro, der bei Abschluss der Übernahme zur Hälfte in bar und zur Hälfte in Atari-Aktien gezahlt wird, sowie einem Earn-Out von bis zu 10 Millionen Dollar, der in den nächsten drei Jahren in Abhängigkeit von der zukünftigen Performance von Night Dive in bar gezahlt wird. Es wird erwartet, dass die Übernahme im April 2023 abgeschlossen sein wird.

Die Emission der 30 Millionen Euro Wandelanleihe wird kurz nach Abschluss der Übernahme erfolgen. Der Hauptaktionär von Atari, Irata LLC, der 29,2 Prozent des Aktienkapitals hält, hat bereits mitgeteilt, "seinen anteiligen Anteil zu zeichnen" und die Wandelanleihe nicht vor dem 25. Juni 2025 in Atari-Aktien zu wandeln. Besagte Wandelanleihe wird ausgegeben, um die fünf Millionen Dollar betragende Überbrückungsfinanzierung an Irata zurückzuzahlen, weitere Darlehen plus Zinsen abzuzahlen und künftige Akquisitionen in Betracht zu ziehen. Es soll auch Geld in die Entwicklung von mehr als zwölf neuen Games fließen, die in den nächsten 18 Monaten auf den Markt kommen sollen.

Wade Rosen, Vorsitzender und CEO von Atari, kommentiert die Übernahme: "Night Dives nachgewiesene Expertise und Erfolgsbilanz bei der Kommerzialisierung von Retro-IP passt gut zur Strategie von Atari - und ich bin zuversichtlich, dass ihr gebündeltes Talent, ihre Technologie und ihr IP-Portfolio zum zukünftigen Erfolg von Atari beitragen werden."

Stephen Kick und Larry Kuperman, die Geschäftsführer von Night Dive, sagen: "Night Dive und Atari blicken auf eine lange gemeinsame Geschichte zurück und wir wissen, dass Atari unsere Leidenschaft für Retro-Spiele teilt und sich darauf konzentriert, qualitativ hochwertige neue und remasterte Spiele zu produzieren, die der ursprünglichen IP gerecht werden. Da wir unser Geschäft ausbauen und unsere Fähigkeiten erweitern wollen, können wir uns keinen besseren langfristigen Partner als Atari vorstellen."

In der vergangenen Woche hatte Atari die Übernahme von zwölf Retro-Arcade-Spielen angekündigt, darunter die 80er-Jahre-Klassiker "Berzerk" und "Frenzy". Atari wird versuchen, den digitalen und physischen Vertrieb der klassischen Titel zu erweitern, neue Spiele auf der Grundlage des geistigen Eigentums zu entwickeln und Kooperationen mit Marken und Merchandising zu sondieren.

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Written by

Marcel Kleffmann
Marcel Kleffmann is Chief of Content of GamesMarket and our B2B and B2C expert for hardware, market data, products and launch numbers with more than two decades of editorial experience.