Das Expertisegremium des "Auswärtsspiels" von Stiftung Digitale Spielekultur und Auswärtigem Amt hat seinen Fragenkatalog zur Vermittlung von Außenpolitik mit Games vorgelegt. Er soll praxisnahe Orientierung für Studios wie Forschende geben. Weiter geht das Projekt mit einer Fachtagung am 13. Juni.

Das Expert:innen-Gremium des Projekts “Auswärtsspiel”, das von der Stiftung Digitale Spielekultur und dem Auswärtigen Amt ausgerichtet wird, hat nun den angekündigten ersten Meilenstein veröffentlicht: Einen Leitfragenkatalog zur öffentlichen Nutzung. Er soll praxisorientiert zum Einsatz von Games im Handlungsfeld Außenpolitik und Public Diplomacy dienen und dabei sowohl von Forschenden als auch von Games-Studios einsetzbar sein, die sich oder ihr Publikum für das Thema sensibilisieren wollen. Der Katalog ist im Rahmen eines interdisziplinären Workshops entstanden, zu dem das Auswärtige Amt und die Stiftung Digitale Spielekultur im vergangenen Dezember Expert:innen aus Außenpolitik, Spielentwicklung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft wie Franziska Zeiner, Michaela Bartelt, Mareike Ottrand und Manouchehr Shamsrizi eingeladen haben. Die Fragen, die auf deutsch und englisch kostenlos als PDF heruntergeladen werden können, befassen sich mit Sachverhalten wie welcher Grundkonflikt, z. B. Expansion vs. Bewahrung, Wohlstand vs. Ausbeutung, erspielt oder ob die handelnden Figuren komplexe Charaktere sind, deren Motive nachvollziehbar sind und welchen mit Empathie und Respekt begegnet werden kann. Auch, ob das Spiel den aktuellen außenpolitischen Bezug herstellt oder darin eingeordnet werden kann und viele weitere Themengebiete aus der Außenpolitik, die Entwickler:innen, Forschende und Spieler:innen oft nicht konkret bewusst sind, werden abgefragt, um mögliche Fallstricke im Vorab zu erkennen.

Eine Fachkonferenz zum “Auswärtsspiel”, die sich auch mit dem Fragenkatalog befasst, will die Stiftung Digitale Spielekultur am 13. Juni 2023 abhalten.

„Mit dem vorliegenden Fragenkatalog haben wir ein praktisches Orientierungs-Tool an der Hand, mit dem wir unter anderem in den kommenden Monaten das Vermitteln von Außenpolitik mit Games innerhalb verschiedener Formate erproben werden. Dafür gilt vor allem unserem engagierten Expertinnen-Gremium großer Dank“, kommentiert Çiğdem Uzunoğlu, Geschäftsführung der Stiftung Digitale Spielekultur, die Ergebnisse des Auftakt-Workshops. „Eine starke Demokratie zeichnet sich durch mündige Bürgerinnen aus, die auch mit den außenpolitischen Grundsätzen ihres Staates vertraut sind. Ich bin der Überzeugung, dass wir über die Auseinandersetzung mit Games nicht nur neue Zugänge für die Public Diplomacy schaffen, sondern auch pro-aktiv für Falschinformationen im digitalen Raum sensibilisieren können.“

„Dieser Fragenkatalog ist ein Meisterwerk interdisziplinärer Kooperation und wird auch langjährige Gaming-Enthusiasten mit neuen Sichtweisen inspirieren und überraschen“, erwartet Mirko Kruppa, für das Projekt zuständiger Referatsleiter im Auswärtigen Amt. „Ohne den Spaß am Gaming zu beeinträchtigen, erlaubt der Fragenkatalog es allen Neugierigen, einen authentisch außenpolitischen Blick auf Figuren, Handlung und Bildersprache eines Games zu werfen. Er ist so strukturiert, dass Games aus einer außenpolitischen Perspektive gut analysiert und womöglich sogar neu entwickelt werden können.“

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Written by

Pascal Wagner
Pascal Wagner is Chief of Relations of GamesMarket and Senior Editor specialised in indie studios, politics, funding and academic coverage.