Durch eine sogenannte Kooperation hat sich Twitch exklusive Übertragungsrechte für Blizzard-Esport-Veranstaltungen gesichert und stellt damit indirekt die Frage: Wie viel Fernsehen steckt im Internet-Stream?

Die Causa Piet Smiet hat ein Schlaglicht auf eine von der Regulierung bislang nicht beachtete Medienform geworfen: Die Live-Internet-Streams. Die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Medienanstalten, kurz ZAK, hat ihr Vorgehen im März damit erklärt, dass man die bestehenden Rechtsgrundlagen anwendet, solange es eben noch keine passende Gesetze gibt. Die Streamer-Szene sieht dies natürlich ganz anders. Ein neuer Deal zwischen der Streaming-Plattform Twitch und dem Publisher Blizzard Entertainment könnte die Debatte über die "Rundfunkähnlichkeit" neu entfachen.

So gaben Twitch und Blizzard Entertainment eine umfangreiche Kooperation bekannt. Nach Unternehmensangaben erhält Twitch "die alleinigen Drittanbieter-Rechte zur Live-Übertragung" von über 20 der wichtigsten Blizzard-Esport-Events und zwar bis 2018. Die zu Amazon gehörende Streaming-Plattform Twitch sichert sich über den Deal zudem eine Reihe exklusiver Inhalte, die sukzessive an die Twitch-Abonnenten weitergereicht werden.

Da zumindest laut Pressemitteilung Blizzard im Gegenzug keinerlei außergewöhnliche Leistungen erhält ist die Frage berechtigt warum Blizzard sich auf diese Kooperation einlässt? Tatsächlich zählt Blizzard zu den wenigen Publishern, die es nicht nötig haben, sich Reichweite über Kooperationen einkaufen zu müssen. Egal auf welchem Spiel Blizzard als Entwickler steht, es verkauft sich wie geschnitten Brot. Die Vermutung liegt also nahe, dass Blizzard sich die Kooperation bezahlen lässt. Doch selbst wenn es keinen Geldfluss geben sollte, die Kooperation ist im Kern nichts weiter als der Verkauf von Übertragungsrechten, wie er im TV-Geschäft alltäglich ist.

Angesichts solcher Deals dürfte das Interesse der Landesmedienanstalten für das Mediensegment "Live-Streaming" weiter steigen. Das gilt ganz besonders für die Plattform Twitch. Obwohl primär Streaming-Dienst für Games-bezogene Inhalte testet Twitch seit der Übernahme durch Amazon immer wieder auch Formate aus. So hat Amazon beispielsweise Pilotfolgen von Amazon-Original-Serien über Twitch gestreamt. Auch wurden schon ganze TV-Serien als "Marathon-Stream" am Stück gestreamt.

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Stephan Steininger
Stephan Steininger is Director of Operations and Editor-in-Chief of GamesMarket. As part of the magazine since its inception in 2001, he knows the GSA games industry by heart.