Bildungsmesse: Lernsoftware ist das Stiefkind
Vom 14. bis 18. Februar fand in Köln die Bildungsmesse statt. Angesichts neuer Rekorde an Aussteller- und Besucherzahlen zeigten sich die Veranstalter zufrieden. Von multimedialen Lernwelten war aber nur wenig zu sehen.
Bei den Veranstaltern herrscht Zufriedenheit. Die Bildungsmesse, welche die ehemaligen Einzelausstellungen Interschul und didacta und seit diesem Jahr auch die KiGA in sich vereint, schloss ihre Pforten mit neuen Rekorden. 93.000 Besucher wurden gezählt. Im letzten Jahr waren es noch 75.000. Auch die Zahl der teilnehmenden Firmen stieg merklich an. 811 Aussteller und Unteraussteller präsentierten sich und ihre Produkte auf den über 70.000 Quadratmetern Bruttoausstellungsfläche. Beste Voraussetzungen für die anwesenden Anbieter von Lernsoftware. Doch schon im Vorfeld der Messe zeigte sich, dass sich an der mangelnden Akzeptanz von Lernsoftware an Schulen noch nicht viel geändert hat. Der Verband der Schulbuchverlage bezeichnete die Medienausstattung der Schulen als "katastrophal" und als "Skandal". Zwar könne in dem Segment generell Wachstum verzeichnet werden. Dieses werde aber fast ausschließlich im "Nachmittagsmarkt" erzielt und nicht durch den Einsatz in Schulen.
Der Verband merkte in diesem Zusammenhang an, dass die in den vergangenen Jahren größer werdenden Finanzmittel vor allem für Hardware ausgegeben werden. Softwareetats stünden so gut wie gar nicht zur Verfügung. Eine Kritik, die schon zur Eröffnung von Gabriele Behler, Ministerin für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, aufgegriffen wurde. Behler fragte sich in ihrer Eröffnungsrede, wann die Autoren das letzte Mal eine reale Schule von innen gesehen hätten. Gleichzeitig verwies sie auf die Zukunftsinitiative in NRW, "Netzwerk für Bildung". Rund 80 Mio. Mark würden dabei allein in 2000 für Ausstattung mit neuen Medien sowie für die Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer aufgewendet. Auch Lernsoftware soll dabei gefördert werden.
De facto spielt der Bereich Lernsoftware auf der Messe selbst immer noch eine untergeordnete Rolle. Lichtblicke waren lediglich die großen Messestände der zwei Schulbuchverlage Cornelsen und Klett sowie der Gemeinschaftsstand von Havas Interactive, Tivola und Digital Publishing. Bleibt abzuwarten, ob das Thema Lernsoftware im kommenden Jahr endlich auch in den Lehrerkreisen an Bedeutung gewinnt. Dann nämlich findet die Bildungsmesse vom 19. bis 23. Februar in Hannover, dank CeBIT und CeBIT home eine Hochburg computerorientierter Messen, statt. Hinzu kommt, dass den Veranstaltern in diesem Jahr ein Coup gelungen ist, der Signalwirkung haben könnte: Erstmals wurde der "digita" nicht mehr auf der Frankfurter Buchmesse sondern im Rahmen der Bildungsmesse verliehen.