Vor zwei Jahren startete BOL Deutschland. Inzwischen hat der Internethändler neben Musik-CDs, Büchern, DVDs und Videos auch Games und Info-/Edutainmentprodukte im Angebot. Trotz kurzzeitiger Umsatzeinbrüche nach den Terroranschlägen in den USA peilt das Unternehmen im Weihnachtsgeschäft eine Verdopplung des Umsatzes an.

Kundenbindung ist eine der Stärken von bol.de. Das belegt eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) vom Juli 2001. "Die Loyalität der Kunden resultiert daraus, dass der Internethändler mehr als ein reiner Distributor ist", sagt Eckhard Südmersen, Geschäftsführer von BOL Deutschland. Denn das Unternehmen verkaufe nicht nur Medien, sondern biete beispielsweise auch Informationen, die die Kunden unterhalten und ihnen beim Kauf von Produkten helfen sollen. "Dadurch erreichen wir von vornherein eine längerfristige Kundenbindung", so Südmersen.

Außer den Inhalten biete BOL auch "vernünftige Preise" für Produkte und Zusatzleistungen wie Webmiles, so genannte elektronische Rabattmarken zum Sammeln. Offensichtlich kommt das gesamte Angebot bei den Kunden des Internethändlers gut an: Nach Angaben des Geschäftsführers geben sie bei BOL durchschnittlich 60 Mark pro Einkauf aus. Nach wie vor gehören Bücher zu den beliebtesten Produkten, die online bestellt werden. Zum Gesamtumsatz von BOL trägt der Buchshop 70 Prozent bei. Der Bereich Musik hat einen Anteil von etwa 15 Prozent. Auf Video/DVD entfallen etwa zehn, auf Games etwa fünf Prozent.

Für das Weihnachtsgeschäft 2001 hat Geschäftsführer Südmersen ehrgeizige Ziele: Im Vergleich zum Vorjahr will das Unternehmen seine Umsätze verdoppeln. Dazu könnten auch geplante Kooperationen mit anderen Firmen beitragen. Namen nennt Südmersen derzeit aber noch nicht. Die Anschläge in den USA hätten sich auf das Geschäft von BOL Deutschland kaum ausgewirkt. Zwei, drei Tage lang habe der Internethändler Umsatzeinbrüche verzeichnet. Die habe man inzwischen aber wieder ausgeglichen. Dennoch musste die Bertelsmann AG in diesem Jahr BOL-Mitarbeiter entlassen und europäische Niederlassungen ihrer Tochterfirma schließen. Bei BOL Deutschland waren nach Auskunft des Geschäftsführers davon "weniger als fünf Mitarbeiter" betroffen. Weitere Entlassungen plane man nicht.

Derzeit unterhält BOL Homepages in Deutschland, der Schweiz, Finnland, Schweden, den Niederlanden, Großbritannien, China und Japan. Seit der Eingliederung von bol.de in den Bertelsmann Club und der Auflösung von BOL International, wurden die verbliebenen Länder in die regionalen Endkundengeschäfte integriert. Für das Endkundengeschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeute das, dass es nur noch einen Verantwortlichen für alle drei Länder gibt. Eckhard Südmersen sieht in der regionalen Zusammenbindung einen Vorteil. Man könne dadurch auf die Märkte in den einzelnen Ländern viel spezifischer reagieren. Als Basis diene eine einheitliche Agenda, die es für die Endkundengeschäfte bei Bertelsmann gibt. "Damit können wir uns bei Kooperationen gegenüber Partnern viel besser darstellen. Insgesamt sind wir für die Zukunft bestens aufgestellt", sagt der bol.de-Geschäftsführer.

Nachgefragt: Eckhard Südmersen, Geschäftsführer von bol.de

Seit Februar 2001 hat Bol auch Games und Info/Edutainment-Produkte im Angebot. Gamesmarkt.de sprach mit Eckhard Südmersen, Geschäftsführer bol.de, über die Entwicklung dieses Segments

GamesMarkt.de: Welche Ergebnisse haben Sie im Bereich Games und Info-/Edutainment bislang erzielt?

Eckhard Südmersen: Die Umsätze in diesem Bereich sind mehr als zufrieden stellend. Aber für uns sind die Gameskunden eine neue Kundschaft. Sie interessieren sich ausschließlich für Games. Daher ist es sehr schwer, diese Kunden zum Kauf von Büchern oder Musik-CDs zu bewegen.

GM: In welchen Ländern ist BOL mit Games und Info/Edutainment vertreten?

Südmersen: Diese Angebote gibt es in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden.

GM: Was plant BOL für die Bereiche Games und Info-/Edutainment in den nächsten Monaten?

Südmersen: Unsere Philosophie ist, die gesamte Backlist anzubieten. Wir wollen ein breites Produktsortiment rechtzeitig zur Verfügung stellen. Zudem planen wir Preisaktionen für Spitzentitel.

GM: Wie wollen Sie sich dabei gegenüber Mitbewerbern, wie beispielsweise Amazon, profilieren?

Südmersen: Unser Schwerpunkt liegt ganz klar auf den Zusatzinformationen zu einzelnen Produkten. Wir verstehen uns dabei als Ast des Medienhauses Bertelsmann, der in diesen zusätzlichen, wertvollen Dienstleistungen seine Kompetenzen sieht. Darauf legen unsere Mitarbeiter großen Wert. Denn es geht nicht nur um das Produkt. Das kann man überall kaufen.

GM:Herr Südmersen, wir bedanken uns für das Gespräch.

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