Buchmesse für Publisher nach wie vor wichtig
Nach Umsatzeinbußen im ersten Halbjahr 2002 blicken die Publisher im Bereich Info-/Edutainment zuversichtlich auf das Herbst- und Weihnachtsgeschäft. Wichtige Triebkraft ist und bleibt die Buchmesse.
Es steht schlecht um die deutsche PC-Softwarebranche. Laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) gingen die Umsätze allein im Bereich Info-/Edutainment im ersten Halbjahr 2002 auf rund 102,3 Mio. Euro zurück. Im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres hatten die Unternehmen dieses Marktsegments noch Waren im Wert von 131,3 Mio. Euro abgesetzt. Die Zeiten langsam, aber stetig wachsender Umsätze sind für Info-/ Edutainmentpublisher vorerst vorbei. Dennoch ist die Branche optimistisch. Diesen Eindruck vermittelten zumindest einige Softwareanbieter während der 54. Frankfurter Buchmesse.
Branche bleibt trotz Krise optimistisch
Martin Seebohn, PR-Manager Edutainment von Vivendi Universal Interactive Publishing Deutschland (VUIPD), lässt sich von den GfK-Zahlen nicht kirre machen. Ausgelöst durch den Schuljahresbeginn sei die Nachfrage nach Lerntiteln wieder angestiegen. Und da VUIPD in diesem Herbst mehr als 20 neue Titel auf den Markt bringen will, "erwarten wir vom Weihnachtsgeschäft einen deutlichen Schub", sagt Seebohn. Die Buchmesse scheint dabei ein wichtiger Motor für Wachstum und Nachfrage zu sein, PR-Manager Seebohn bezeichnet sie als die wichtigste Plattform für Kinder- und Lernsoftware.
Auch Christina Heinisch, Pressereferentin des Klett Verlags, misst der Veranstaltung eine hohe Bedeutung im Bereich Lizenzgeschäft und Präsentation bei: "Da ist Frankfurt durch nichts zu ersetzen." Zwar kamen mit 6375 Unternehmen 286 Aussteller weniger nach Frankfurt als im Vorjahr, doch die Zahl der Besucher stieg im Vergleich von 53. und 54. Buchmesse um 2,6 Prozent auf rund 265.000. Nicht nur, aber auch deswegen ist Werner Waschke, Vertriebsleiter von Tivola, mit der Veranstaltung "vollauf zufrieden". Am Buchmesse-Wochenende hätten die Mitarbeiter am Tivola-Stand den Andrang kaum bewältigen können.
"Frankfurt durch nichts zu ersetzen"
Von Menschentrauben bei Präsentationen berichtet auch Herbert Richert, Geschäftsführer von Heureka-Klett. Wegen zahlreicher und intensiver Gespräche mit dem Fachpublikum und spontanen Nachordern des Handels sehe er dem Weihnachtsgeschäft erwartungsvoll entgegen. Zufriedene Gesichter gab es auch bei digital publishing. Laut Vertriebsvorstand Peter Lackner habe der Publisher auf alle neuen Titel eine "enorm positive Resonanz" erhalten. Lackner sieht auch seine Erwartung an die Messe, positive Impulse für den Handel auszulösen, erfüllt: "Der Markt zeigt bereits seit einigen Wochen, dass er wieder in die richtige Richtung geht, auf der Messe war jetzt auch endlich wieder optimistische Stimmung zu spüren."
Michael Fleissner, GF des United Soft Media Verlag (USM), sagt, das Interesse am Angebot des Unternehmens sei bei Endverbrauchern und Handelspartnern sehr groß gewesen. Auch den neuen Standort des USM-Stands bewertete Fleissner positiv. Noch im vergangenen Jahr hatte der Publisher in der etwas abgelegenen, weniger stark besuchten Halle 1 ausgestellt, wie viele andere Unternehmen aus dem Multimediabereich. Mit dem neuen Standort in Halle 3.0. im Herzen des Messegeländes habe USM "ein ideales Forum zur Präsentation unserer Produkte gefunden", sagt der Verlagschef.
Buchmesse hat noch lange nicht ausgedient
Als Dreh- und Angelpunkt der Info-/Edutainmentbranche scheint die Frankfurter Buchmesse trotz der wachsenden Zahl von Konkurrenzveranstaltungen noch lange nicht ausgedient zu haben. Sogar im Segment Softwaretechnologien spiele sie eine Rolle, bestätigt Christine Hauck, beim Cornelsen Verlag Leiterin der Abteilung Multimediaentwicklung: "Hier empfand ich die Buchmesse sogar als interessanter als eine allgemeine Technologiemesse, wie z.B. die Systems, da der Fokus in Frankfurt auf Angeboten für Verlage liegt."