Bundesregierung bekennt sich zum Deutschen Computerspielpreis
Vorgestern-Abend unterzeichnete die drei Ausrichter des DCP vertreten durch Dorothee Bär, Linda Breitlauch und Felix Falk, eine Vereinbarung zum Award. Im Interview erklären sie, wieso die neue Vereinbarung so wichtig ist, wo es welche Fortschritte gab und was der DCP nicht ist: Nämlich eine strukturelle Förderung der Gamesbranche.
GamesMarkt: Bei der neu getroffenen Vereinbarung blieben die Grundlagen des Deutschen Computerspielpreises weitestgehend unverändert. Welches Signal wollen Sie als Ausrichter damit setzen?
Dorothee Bär: Wir wollen den Preis wie in den vergangenen Jahren weiterentwickeln und schaffen mit der neuen Vereinbarung eine Übergangslösung, die einen schrittweisen Abbau der Parität bei der Finanzierung ermöglicht. Denn dies ist nicht nur für die Verbände ein Thema, es ist auch von politischer Seite her nicht einzusehen, weshalb die Branche ihren eigenen Preis zu gleichen Teilen finanzieren soll. Im Idealfall ist also der nächste Schritt eine komplette Finanzierung des Preises und der Preisgelder durch den Bund. In jedem Fall aber haben wir die Basis geschaffen, um den Preis in den nächsten zwei Jahren weiterzuentwickeln, wobei auch klar ist, dass er kein strukturelles Förderinstrument für die deutsche Gamesbranche ist. Aber er ist ein wichtiger Baustein.
Felix Falk: Die neue Vereinbarung ist ein wichtiges Signal: Der Deutsche Computerspielpreis ist eine Erfolgsgeschichte, die alle drei Ausrichter gemeinsam fortsetzen wollen. Auch wenn die großen Punkte wie der Kategorien-Zuschnitt unverändert geblieben sind, ist es uns gelungen, eine Vielzahl kleinerer Themen weiterzuentwickeln, wie die Nachwuchskategorie.
Linda Breitlauch: Besonders hervorzuheben ist, dass viele der Verbesserungen und Weiterentwicklung auf die Erfahrungen aus der Juryarbeit der vergangenen Jahre abgeleitet wurden. Deshalb ist die Stärkung der Fach-, aber vor allem auch der Hauptjury ein ganz wichtiger Punkt der neuen Vereinbarung. Auch bei den Veränderungen des Nachwuchspreises haben wir die Erfahrungen aus der Juryarbeit einfließen lassen und in vielen Punkten Klarheit geschaffen.
GM: Die umfangreichsten Veränderungen gab es bei der Geschäftsordnung der Jury. Ist das eine Konsequenz aus den Ereignissen diesen Jahres?
Bär: Ganz grundsätzlich entwickeln wir uns jedes Jahr weiter und in den vergangenen zehn Jahren, in denen wir den Preis machen, haben wir wirklich in jedem Jahr dazu gelernt. Für mich bestand die große Herausforderung darin, die Abläufe in der Jury möglichst klar zu gestalten, weil sie sich in jedem Jahr aus teils sehr erfahrenen Juroren, aber auch neuen Juroren zusammensetzt. Unser Ziel ist, dass der Prozess möglichst transparent ist und jeder die gleichen Voraussetzungen bei der Mitarbeit hat.
GM: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Neuerungen in der Geschäftsordnung?
Falk: Mit der neuen Vereinbarung und der Geschäftsordnung darin haben wir unterschiedliche Verbesserungen umgesetzt. Das beginnt bei der Präambel, wo wir ganz klar definieren, dass der Deutsche Computerspielpreis keine substanzielle Förderung ersetzt. Aber darin haben wir auch wichtig Schritte hin zum Abbau der Parität bei der Finanzierung gemacht. Eine weitere Änderung betrifft die Nachwuchskategorie sowie die Vergrößerung und Stärkung der Jury. Darüber hinaus haben wir die unterschiedlichen Regularien in der Geschäftsordnung kompakt zusammengefasst. Und dabei stellen wir sicher, dass die Hauptkategorie, das "Spiel des Jahres", zeitlich nicht hinten runterfällt, weil es als letzter Punkt von der Jury behandelt wird.
Bär: Ich denke ein ganz wichtiger Punkt ist, dass der politische Vertragspartner nicht etwa das Ministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur ist, sondern die Bundesrepublik Deutschland. Der DCP ist kein Projekt eines einzelnen Ministeriums, die Bundesregierung insgesamt steht zum Deutschen Computerspielpreis und sie steht zum Thema Games.
GM: Abschließend die Frage in die Runde: Wie lautet Ihr Fazit zum Preis und zur jetzt geschlossenen Vereinbarung?
Bär: Gemeinsam sind wir ein großes Stück weiter gekommen, um den DCP für die Zukunft aufzustellen. Wir stellen aber auch fest, dass der Preis alleine als Förderung nicht ausreicht. Wir wollen eine strukturelle Förderung der Branche und dafür muss Bewegung in die Finanzierung kommen und diese ausgebaut werden, auch wenn dies bedeutet, dass wir herausfordernde Gespräche mit dem Finanzministerium und dem Haushaltsausschuss führen müssen. Wichtig für die nächste Legislaturperiode ist, dass wir auch in Zukunft handelnde Personen finden, die bereit sind den Preis, aber auch das Thema Förderung in den nächsten Jahren kontinuierlich weiterzuentwickeln, damit es keinen Stillstand oder gar Rückschritt gibt.
Und wenn ich eine persönliche Vision formulieren darf: Auch wenn manche es nicht für realistisch halten finde ich, dass unser Ziel lauten muss, Deutschland nicht nur langfristig sondern mittelfristig zum führenden Standort für Spieleentwicklung aufzubauen.
Breitlauch: Auch wenn der Preis nicht die strukturelle Förderung ist, die wir als Branche brauchen, so ist der DCP eine Auszeichnung für eine großartige, innovative und kreative Branche, für die wir froh und dankbar sind. Er ist auch eine hart erkämpfte Anerkennung für herausragende Produkte, die auch in Zukunft enorm wichtig ist und auf die wir nicht verzichten wollen.
Falk: Der Deutsche Computerspielpreis ist eine großartige Erfolgsgeschichte, dessen Bedeutung nicht unterschätzt werden darf. Auch dank des Preises sind wir bei der gesellschaftlichen Debatte um Games in den letzten Jahren so weit gekommen. Mit der neuen Vereinbarung haben wir ihn jetzt auf feste Füße gestellt und dabei so entwicklungsoffen gestaltet, dass der neue Bundestag und die neue Bundesregierung den Deutschen Computerspielpreis noch weiter verbessern und weiter stärken kann.