Das wahrscheinliche Aus für den französischen Hauptanteilseigner Cryo Interactive erlaubt dem Aachener Publisher und Distributor BMS, jetzt wieder eigene Wege zu beschreiten.

Publisher Cryo Interactive hat seine vorläufige Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Die unter anderem durch anspruchsvolle Multimediaproduktionen wie "Jerusalem - Die heilige Stadt" oder "Faust - Die sieben Spiele der Seele" bekannten Franzosen mussten bereits Ende Juni ihre Börsennotierung auf Grund fehlender Marktkapitalisierung aussetzen. Da in den Folgetagen sämtliche Gespräche mit potenziellen Investoren gescheitert waren, gab Cryo am 3. Juli die Insolvenz bekannt, die auch das Tochterunternehmen Cryonetworks betrifft.

Kein Aus für BMS

Rechtsanwalt Hubert Lafont hat als Verwalter seine Arbeit bereits aufgenommen. Seit dem 12. Juli werden die Aktienwerte zwar wieder auf dem Pariser Parkett gehandelt, dümpeln allerdings weiter unter der Ein-Euro-Marke. Die finanziellen Schwierigkeiten hatten sich bereits seit längerem abgezeichnet. Im vergangenen Jahr musste die Gesellschaft bei rückläufigen Umsatzzahlen einen Nettoverlust von 16,5 Millionen Euro ausweisen. Partnerfirmen in den USA und in Großbritannien sprangen ab. Das Aus für Cryo Interactive hat aber auch Folgen für einen deutschen Marktteilnehmer.

Im Juli 2000 hatte Cryo eine Beteiligung von 60 Prozent an BMS Modern Games Handelsagentur erworben und war somit zum Hauptanteilseigner des Aachener Publishers und Distributors geworden. Seinerzeit planten Cryo und BMS den großen Coup. So sollten über die Beteiligung an BMS und eine zeitgleich geschlossene Exklusivvereinbarung zwischen BMS und Media Markt/Saturn das umfangreiche Produktportfolio optimal im deutschen Markt platziert werden und Marktanteile in die Höhe schießen.

Größere Auswirkungen auf BMS befürchtet Geschäftsführer Jochen Schmitz durch das Ende von Cryo allerdings nicht: "Cryo und BMS sind zwei ganz unterschiedliche Unternehmen. Das Aus für Cryo bedeutet keineswegs das Aus für BMS. Im Gegenteil: Durch die Insolvenz fällt der verkaufte Mehrheitsanteil an uns zurück, und wir erhalten somit unsere Distributionsfreiheit wieder. Wir sind nicht unglücklich über diese Situation", sagte Schmitz gegenüber GamesMarkt.de. Durch das breit aufgestellte BMS-Portfolio, das nach Aussage von Jochen Schmitz rund 800 verschiedene Titel pro Jahr hervorbringt, sei man auch bezüglich Produktveröffentlichungen und generierten Umsätzen jedenfalls nicht von Cryo abhängig.

Share this post

Written by

Warren Spector Announces His Retirement as Game Developer
Warren Spector was one of the headliners at the Nordic Game Conference in 2019 and has not ruled out continuing to contribute to the industry as a lecturer and consultant in the future (archive photo)

Warren Spector Announces His Retirement as Game Developer

By Stephan Steininger 2 min read