Die DAK hat eine von ihr in Auftrag gegebene Studie zum Suchpotenzial Sozialer Medien vorgestellt. Bei jedem 40. deutschen Teenager sei Art und Umfang des Konsums bedenklich. Den meisten Jugendlichen helfen Soziale Medien jedoch bei der Identitätsentwicklung.

85 Prozent aller Zwölf- bis 17-Jährigen in Deutschland nutzen jeden Tag Social Media. Weitete acht Prozent nutzen soziale Medien an fünf oder sechs Tagen. Social Media ist damit ein fester Bestandteil des Alltags deutscher Teenager. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die im Auftrag der Hamburger Krankenkasse DAK durchgeführt wurde.

Die Umfrage selbst trägt den Titel "WhatsApp, Instagram und Co. - so süchtig macht Social Media" und dient laut DAK vor allem der Prävention. "Da wir unsere Versicherten ein Leben lang begleiten, setzen wir mit unserer Forschung früh an. Wir wollen die Risiken erkennen, benennen und Hilfe anbieten", schreibt der DAK-Vorstandsvorsitzende Andreas Storm in der Einleitung der Studienergebnisse.

Ein Großteil der Studie befasst sich mit der Nutzungshäufigkeit und Intensität der Jugendlichen mit Social Media. Dabei werden neben den typischen Sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, YouTube und Instagram auch Messenger-Dienste wie WhatsApp als Social Media klassifiziert, obwohl diese wie einst das Telefon oder - wie ein Kollege von Spiegel Online schreibt - kleine Zettel, die unter der Schulbank weitergereicht wurden, vor allem der Kommunikation dienen. Dies ist einer der Punkte, die man an der Studie kritisieren kann. Vor allem da zwei Drittel aller Befragten angeben, dass WhatsApp das am meisten genutzte soziale Medium ist.

Zumindest was die Antworten zur Nutzungshäufigkeit und -Dauer von Social Media betrifft liefert die DAK-Studie ohnehin kaum neue Erkenntnisse im Vergleich zu ebenfalls repräsentativen Umfragen wie die JIM-Studie. Jedoch nutzt der DAK-Studien-Fragebogen die sogenannte Social Media Disorde Scale. Dabei handelt es sich um Kriterien, die problematisches Social-Media-Verhalten erkennen lassen. Sie wurden von Kriterien adaptiert, die in den USA entwickelt wurden, um problematisches Computerspielverhalten einheitlich diagnostizieren zu können.

Im Kern geht es dabei um insgesamt neun Fragen, die zum Beispiel hinterfragen, ob Jugendliche durch die Nutzung von Social Media von unangenehmen Dingen ablenken wollen (34 Prozent). Oder ob sie sich unglücklich fühlen, wenn sie keine sozialen Medien nutzen können (13 Prozent), ob sie andere Hobbys und Beschäftigungen vernachlässigen (5 Prozent) oder ob es ernsthafte Probleme mit Eltern, Geschwister oder Freunde wegen der Nutzung sozialer Medien gab (3 Prozent).

Prof. Dr. Rainer Thomasius, Ärztlicher Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes und Jugendalters am UKE, bezeichnet basierend auf diesen Erkenntnissen den Social-Media-Konsum von rund 2,6 Prozent als "problematischen Gebrauch". Bei den Mädchen liegt der Wert bei 3,4 Prozent, bei den Jungen bei 1,9 Prozent. Laut Thomasius sei der Unterschied jedoch "statistisch nicht signifikant".

Statistisch signifikant für eine problematische Social-Media-Nutzung sind jedoch Faktoren wie niedriges Lebensalter, eine stärker ausgeprägte depressive Symptomatik und eine schlechtere Funktionalität der Familie. "Dieser Befund spricht für einen multifaktoriellen Erklärungsansatz für eine problematische Nutzung sozialer Medien", wehrt sich Thomasius gegen allzu leichte Erklärungen. Und er sagt auch: "Aus entwicklungspsychologischer Sicht sind soziale Netzwerke für die Identitätsentwicklung der meisten jungen Menschen dienlich."

Seine Aussage steht damit durchaus konträr zu einem anderen Experten-Statement, welches die DAK in das PDF der Studie einbaute: "Soziale Medien sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die Studie bestätigt jedoch, was wir schon lange ahnten: Ein Zuviel an Smartphone und Co. schadet der Gesundheit und dem Familienleben. Damit es uns gut geht, brauchen wir eine vernünftige Online-Offline-Balance", schreibt Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung.

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Stephan Steininger
Stephan Steininger is Director of Operations and Editor-in-Chief of GamesMarket. As part of the magazine since its inception in 2001, he knows the GSA games industry by heart.
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