Das "Game" im Spiel der Gesetze
Die VUD-Geschäftsführer Hermann Achilles und Ronald Schäfer haben mit einer offiziellen Pressemitteilung noch einmal den Standpunkt der Unterhaltungssoftwareindustrie nach den schrecklichen Ereignissen in Erfurt dargestellt. GamesMarkt.de veröffentlicht die Pressemitteilung im Wortlaut.
"Die tragischen Ereignisse von Erfurt waren Anlass für pauschale Schuldzuweisungen - neben anderen Medien waren auch die Computer- und Videospiele hiervon betroffen. Dies nehmen wir zum Anlass, auf folgende Aspekte hinzuweisen, die in der bisherigen öffentlichen Diskussion keine Beachtung gefunden haben, jedoch zwingend in die Beantwortung der Frage nach den Konsequenzen Eingang finden müssen:
Unterhaltungssoftware (Computer- und Videospiele) ist seit mehr als drei Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Medienunterhaltung und damit der Medienkultur auch in Deutschland. Das dokumentiert sich nicht zuletzt durch mehr als 25 Mio. Computer und über 20 Mio. Spielekonsolen, die in privaten Haushalten genutzt werden. Ein Jahresumsatz von über 1,5 Mrd. Euro an Software und etwa einer Mrd. Euro an Konsolen- und Zubehörhardware - neben dem Absatz an PCs für den Unterhaltungsnutzen - sind Beleg für die Präsenz und die wirtschaftliche Bedeutung dieser Industrie. Computer- und Videospiele sind für viele der erste, weil leicht verständliche, Zugang zur Computerwelt. Computer- und Videospiele vermitteln auf spielerische Weise Fertigkeiten im Umgang mit Hard- und Software - Fertigkeiten, die in der Berufswelt unabdingbare Voraussetzung für Erfolg und damit gesellschaftliche Akzeptanz sind.
Die Anwender oder Nutzer dieser Produkte sind in allen Altergruppen der Gesellschaft zu finden. Die größte Anwendergruppe sind die 15- bis 35-Jährigen. Die Spielegenres sind mit den aus Literatur und Film bekannten Genres vergleichbar. Insbesondere Strategie- (Umsatzanteil: ca. 30 Prozent) oder Sportspiele (Umsatzanteil: 15 Prozent) erfreuen sich in Deutschland bei Erwachsenen mindestens ebenso großer Beliebtheit wie bei Kindern und Jugendlichen.
Eben auch in Hinblick auf einen Teil der Zielgruppe für ihre Produkte zeigt die Industrie Verantwortungsbewusstsein, indem sie freiwillig, das heißt, ohne dass es hierzu einer gesetzlichen Regelung bedurft hätte, sämtliche Spielesoftwareprodukte vor deren Erscheinen durch eine unabhängige Selbstkontrolleinrichtung (USK) begutachten und mit einer Altersempfehlung versehen lässt. Fasst müßig ist es, an dieser Stelle zu erwähnen, dass sämtliche dieser Produkte in Einklang mit den bundesdeutschen Gesetzen stehen, die das Verbreiten Gewalt verherrlichender Inhalte unter Strafe stellen.
Die unabhängigen Gutachter der USK haben in den letzten sieben Jahren mehr als 6600 Produkte begutachtet. Im Jahre 2001 wurde von den 949 geprüften Produkten 53 Prozent eine uneingeschränkte Tauglichkeit für alle Altersgruppen bescheinigt. Weitere 15 Prozent waren ab sechs Jahren, weitere 21 Prozent ab zwölf Jahren sowie neun Prozent ab 16 Jahren geeignet. Bei zwei Prozent erfolgte eine Empfehlung, diese als Produkte für Erwachsene zu behandeln.
Im selben Jahr wurden fünf Produkte dieser Industrie von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS) indiziert - weit weniger als in allen anderen Medienbereichen, einschließlich der Musik, und vor allem weit weniger, als von der Industrie selbst als Erwachsenenprodukte eingestuft wurden.
Der VUD steht bereits seit mehreren Jahren in Kontakt mit den für den Jugendschutz zuständigen politischen Stellen bei Bund und Ländern, um gemeinsam zeitgemäße Wege eines wirksamen und glaubwürdigen Jugendmedienschutzes zu finden. Besondere Bedeutung kommt hier dem Internet zu, das an alle Beteiligten vor völlig neue Herausforderungen stellt. Nicht die Schaffung von (un-)wirksamen Verboten, sondern die Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu verantwortungsvollen und kritischen Nutzern auch und insbesondere der neuen Medien ist die Aufgabe, der sich Staat und Gesellschaft, Politiker, Lehrer und Eltern stellen müssen.
Wer die schrecklichen Geschehnisse in Erfurt, aus welchen Gründen auch immer, zu vorschnellen und ungerechtfertigten Schuldzuweisungen nutzt, handelt unverantwortlich und nicht sachgerecht. Der VUD und seine Mitgliedsunternehmen werden sich, wie auch in der Vergangenheit, ihrer Verantwortung für ihre Produkte ebenso stellen, wie sie bereit sind, aktiv an der Bildung von Medienkompetenz mitzuwirken.