DCP gehört ins Kanzleramt
Mit der bevorstehenden Ernennung von Dorothee Bär zur Staatsministerin für Digitales besteht auch die Möglichkeit für eine Rückkehr des Deutschen Computerspielpreises (DCP) in die Zuständigkeit des Bundeskanzleramts. Das ist überfällig, meint GamesMarkt-Chefredakteur Stephan Steininger.
Der Deutsche Computerspielpreis wurde einst als Förderpreis gegründet und als Kulturpreis. In den ersten Jahren war er deshalb auch beim damaligen Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgehängt, bei Bernd Neumann. Der Bundeskulturstaatsminister hatte sich nicht gerade um die Aufgabe gerissen, war damals zu vernehmen. Neumann ist nicht gerade was man Games-affin nennt. Aber als Kulturbeauftragter der Bundesregierung hat er den DCP als seine Aufgabe angenommen. Seine Nachfolgerin Monika Grütters sah das offenbar anders. Zwar werden jährlich sechs verschiedene Film- bzw. Kinopreise von Grütters Behörde verliehen, der Deutsche Computerspielpreis wurde 2014 aber in die Zuständigkeit des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur abgegeben.
Keine Frage: Mit Minister Alexander Dobrindt und Staatssekretärin Dorothee Bär war der DCP dort in sehr kompetenten Händen. Auch hat sich der Preis in den vergangenen vier Jahren fast schon sensationell gut weiterentwickelt. Aber es gab auch Stimmen, die den "Umzug" des DCP als "Abstieg" bezeichneten, von der "ersten Bundesliga" in die "Bayernliga"; was sich übrigens nicht allein auf das vermeintliche Standing des Verkehrsministeriums im Vergleich zum Kanzleramt bezieht.
Mit dem Wechsel von Dorothee Bär ins Kanzleramt steht nun auch ein Comeback des DCP in der Zuständigkeit der Kanzlerbehörde im Raum. Wie heute verkündet wurde wechselt Bär als Staatsministerin für Digitales in den Zuständigkeitsbereich des Kanzleramts. Sie steht damit auf Augenhöhe mit Grütters, nur eben nicht für die Kultur-, sondern für Digitalthemen.
Doch es ist nicht nur die Personalie Dorothee Bär, weshalb eine Rückkehr des DCP unter das Banner von Kanzlerin Merkel überfällig ist. Die Digitalisierung wird eines, vielleicht sogar das bestimmende gesellschaftliche Thema der laufenden Legislaturperiode. Und Games sind das Leitmedium der Digitalgesellschaft; darüber ist man sich außerhalb des politischen Berlins längst einig. Und erst Recht weiß man das in Paris, London und Ottawa, wo seit Jahren die Weichen für eine immer stärkere Förderung der Gamesbranche gestellt werden, um sich für die Digitalisierung zu positionieren.
Wenn aber die Digitalisierung Chefsache ist, dann sollte das auch für die Gamesbranche gelten. Das muss ja nicht heißen, dass beim DCP Angela Merkel den Controller wie auf der gamecom selbst in die Hand nimmt. Aber es sollte jemand aus ihrem engeren Umfeld sein, jemand aus ihrem Kanzleramt. Und wenn Player Grütters nicht will, dann ist Player Bär die perfekte Wahl. Als langjährige Vorsitzende der DCP-Jury ist sie ohnehin längst warm gespielt.
Stephan Steininger
Chefredakteur GamesMarkt