Viele Software-Anbieter präsentierten sich auf der Frankfurter Buchmesse in Sachbereichen, nicht in der Electronic-Media-Halle. Die hat durch diesen Trend an Attraktivität verloren. Ein weiterer Grund dafür war, dass zur Messe insgesamt weniger Besucher kamen.

Zurück zu den Wurzeln. Ein Motto für viele der 2230 Anbieter elektronischer Medien, die in diesem Jahr auf der Buchmesse in Frankfurt ausstellten. Heißt: Bis auf wenige Ausnahmen zeigten die Aussteller, die Multimedia- und Printtitel im Programm haben, ihr gesamtes Produktportfolio an einem Stand. Der Trend, beide Segmente auf der Buchmesse getrennt zu präsentieren, ist offensichtlich rückläufig.

Beispielsweise stellte der Cornelsen Verlag seine Multimediaprodukte und Bücher erstmals an einem Stand in der neuen Halle 3 im Bereich "Literatur und Sachbuch" aus. "Ich denke, diese Entscheidung war richtig", so Wolf-Rüdiger Feldmann, Marketing-Geschäftsführer bei Cornelsen, "denn die beiden Medienwelten wachsen immer weiter zusammen." Zudem entspreche die gemeinsame Ausstellung von Software und Büchern an einem Fleck den Bedürfnissen der Messebesucher.

Das sieht man bei Ravensburger Interactive genauso. Pressesprecherin Michaela Magin sagte: "Die elektronischen Medien haben sich schließlich aus unserem Verlagshaus heraus entwickelt, und die Buchhändler sind froh, wenn sie das gesamte Angebot unseres Hauses an einem Ort finden und sich nicht die Hacken ablaufen müssen." Der CD-ROM-Anbieter zeigte seine Titel an einem gemeinsamen Stand mit dem Spiele- und dem Buchverlag von Ravensburger, ebenfalls in der "Literatur und Sachbuch"-Halle. Zudem macht eine gemeinsame Präsentation von Buch und CD-ROM auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten Sinn. Dazu Frauke Wedler, Pressesprecherin des Verlags Friedrich Oetinger: "Wären bei uns die beiden Bereiche getrennt, würden uns Synergieeffekte verloren gehen."

Folgt auf den Trend der zunehmenden Präsentation in Sachbereichen aber zwangsläufig das Ende der Electronic-Media-Halle? Sicher nicht, so die Ansicht von Martin Seebohn, PR-Manager Edutainment von Games-Anbieter Vivendi Universal Interactive Publishing Deutschland Deutschland, der auf der Buchemesse im Bereich "Internationale Verlage" vertreten war. "Die Multimedia-Halle sollte auf jeden Fall erhalten bleiben", sagte Seebohn. Sie werde weiterhin Plattform für neue Speichermedien sein.

Allerdings steuerten weniger Besucher die Halle für elektronische Medien an als andere Messebereiche. Das mag zum einen daran liegen, dass in diesem Jahr dort nur 200 Anbieter ihre Produkte ausstellten. Ihre Zahl ging im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel zurück. Zum anderen lief die Buchmesse in diesem Jahr insgesamt ruhiger ab. An den ersten fünf Messetagen kamen nur etwas mehr als 247.000 Besucher, 14 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Veranstalter führt das auf die derzeit spürbare Zurückhaltung des Publikums beim Besuch von Großveranstaltungen zurück.

Für die Software-Anbieter hat die Buchmesse dadurch aber nicht an Bedeutung verloren. Denn der Buchhandel ist für die Publisher einer der umsatzstärksten Absatzmärkte. Das bestätigt René Grevsmühl, Vertriebsleiter von bhv Software: "Neben den Flächenmärkten ist der Buchhandel unsere wichtigste Verkaufsplattform." Man habe während der Messe zahlreiche Gespräche mit Handelspartnern und Lehrern geführt. "Das ist für unser Produktmanagement elementar", so Grevsmühl. KlettsManaging Director Melcher teilt diesen Standpunkt hinsichtlich der Rolle der Buchmesse für den Vertriebsweg Buchhandel. Vor fünf Jahren sei ihre Bedeutung als Lizenz- und Handelsmesse aber größer gewesen als heute. Sina Wolf von digital publishing hat eine andere Meinung: "Das Lizenzgeschäft ist auf der Buchmesse immer noch sehr wichtig."

Zwar ging es bei dem Event wie jedes Jahr um Partys, Präsentationen und den Abschluss neuer Deals. Aber auch kritische Töne waren zu hören. Sie zielten auf den umstrittenen Kabinettsentwurf zum Urhebervertragsrecht. Mit dem Reformvorhaben will die Bundesregierung Urhebern künftig einen gesetzlichen Anspruch auf "angemessene Vergütung" zubilligen, der als Daueranspruch auch nachträglich geltend gemacht werden kann. Die Buch- und CD-ROM-Publisher lehnen den Entwurf in seiner gegenwärtigen Form aber ab. Harald Melcher, Managing Director des Ernst Klett Verlages, sagte dazu: "Damit würden wir ein Urheberrecht bekommen, das zu anderen internationalen Regelungen nicht kompatibel ist." Marketing-Geschäftsführer Wolf-Rüdiger Feldmann schließt sich der Kritik an: "Der ursprüngliche Gesetzentwurf stellt die gesamte wirtschaftliche Basis der Verlage im Bezug auf ihre Autoren in Frage." Er geht aber davon aus, dass das Konzept nochmals geändert wird.

Feldmann bezog sich dabei auf Aussagen von Kulturstaatsminister Professor Julian Nida-Rümelin bei der Eröffnung der Buchmesse. Nach seinen Worten sei die Bundesregierung gegenüber Änderungsvorschlägen aufgeschlossen, die sowohl die Interessen der Urheber wie auch der Verwerter berücksichtigen. Nida-Rümelin, Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundesjustizministerium hätten in den vergangenen Wochen intensive Gespräche mit allen Beteiligten zum Thema Urheberrechtsreform geführt. Daher "bin ich zuversichtlich, dass wir in den nächsten Wochen und Monaten zu einer angemessenen Regelung auch der umstrittenen Punkte der Rückwirkung, der Frage der angemessenen Vergütung und der möglichen Anspruchsgegner des Urhebers gelangen werden", so der Kulturstaatsminister.

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