"Die Sims 2": Neue Lust am Leben
Es ist die Veröffentlichung des Jahres: Eine der weltweit populärsten Spielemarken wird nach vier Jahren und 28 Millionen verkauften Einheiten mit einer technisch und spielerisch verbesserten Fortsetzung bedacht, die sowohl Casual Gamer als auch Freaks anspricht.
Virtuelles Leben hat die Computerspieler schon immer begeistert. Mitte der 80er Jahre faszinierte "Little Computer People" weltweit die C64-Gemeinde, obwohl es bei dem "Spiel" eigentlich nichts zu tun gab als den Alltag eines pixeligen Männchens mitzuverfolgen. Einzig ein paar simple Wortkommandos sorten für einen Hauch von Interaktion. Der 15 Jahre später veröffentlichte PC-Titel "Die Sims" unterschied sich zwar technisch und inhaltlich immens vom Urvater der Lebenssimulation, die grundsätzlichen Spielanreize aber waren dieselben: blanker Voyeurismus und risikoloses Experimentieren mit dem Dasein. Nur für das digitale Alter Ego hatte das Herumprobieren oft erhebliche Folgen - und die fallen beim langersehnten Nachfolger noch drastischer aus. Denn "Die Sims 2" wurde nicht plump um ein paar Inhalte und Szenarien erweitert - was nach Veröffentlichung von unzähligen Add-Ons und Deluxe-Packs auch etwas frech gewesen wäre -, sondern geht einen mächtigen Schritt in Richtung tieferes und packenderes Spielerlebnis.
Zwar kann man seine Figur noch immer bei der Erledigung alltäglicher Aktionen (Essen, Waschen, Fernsehen) anleiten, auch unzählige Bau- und Ausstattungsoptionen fehlen nicht. Doch Psyche und Partnerschaft haben für den Sim nun einen viel höheren Stellenwert. Sein Leben wird weit über Grundbedürfnisse hinaus definiert: Der Sim hat Lebenswünsche, deren Erfüllung ihn reich an Punkten und guter Laune macht, aber auch Ängste, die den Sim ins Unglück stürzen können, sofern sie Realität werden. Die eigenen Lebensziele sind von Figur zu Figur verschieden: Der Casanova freut sich über Sexualkontakte (natürlich züchtig als Techtelmechtel umschrieben und dezent inszeniert), der Karriererist lebt für die Arbeit - und stürzt in tiefe Verzweiflung, wenn er sie verliert. Die verdienten Laufbahnpunkte investiert der Spieler in besondere und seltene Objekte, beispielsweise in einen Geldbaum oder ein Lebenselixier.
Das Sims-Dasein ist in Teil 2 nämlich begrenzt: Die Figuren gehen im Spielverlauf durch verschiedene Altersphasen mit wechselnden Lebenszielen und sterben letztlich auch. Das klingt furchtbar, ist aber nicht so dramatisch, da die Mühen des Spielers nicht vergebens sind. So setzen die Sim-Eltern Nachkommen in die Welt, die deren Eigenschaften (und Besitzstand) wahren - Generation um Generation. Drei Stadtviertel mit ihren ganz speziellen Nachbarschaftsverhältnissen, Geschichten und Geschehnissen darf der Spieler beziehen. Entweder schlüpft er dabei in die Rolle eines bestehenden Charakters, oder er gründet seinen eigenen Stammbaum. In einem umfangreichen Editor werden eigene Figuren entworfen, deren Äußeres sich später im Nachwuchs widerspiegelt. Die größte technische Neuerung: Umgebungen wie Charaktere erstrahlen nun in komplettem 3D, beliebig wird die Kamera gezoomt und gedreht.
Fazit: Ob Spieltiefe, Grafik oder Kreativoptionen - "Die Sims 2" schlägt den populären Vorgänger in allen Bereichen und krönt sich damit zur ultimativen Lebenssimulation. Ein hundertprozentiger Blockbuster!