Die Situation am Konsolenmarkt aus der Sicht von Microsoft
Die Deals mit Nintendo und Nvidia sind als Zugeständnisse von Microsoft zu verstehen, damit die Übernahme von Activision Blizzard seitens der Wettbewerbsbehörden durchgewunken wird. Die Redmonder werfen Sony, die bisher gegen die Akquisition sind, hingegen vor, die dominante Marktposition der PlayStation weiter zementieren zu wollen.
Führende Unternehmensvertreter:innen von Microsoft waren gestern bei einer Anhörung der Europäischen Kommission, um Argumente für die Genehmigung der geplanten Übernahme von Activision Blizzard vorzubringen. Im Anschluss hielt Microsoft eine Pressekonferenz ab, auf der Präsident Brad Smith nicht nur die Partnerschaften mit Nintendo und Nvidia verkündete, sondern auch über die "Dominanz von Sony" auf dem Konsolenmarkt sprach - schließlich sollen die Kartellbehörden in Europa, Großbritannien und den USA von dem Deal überzeugt werden.
Laut von Smith präsentierten Daten via The Verge und GI.biz, die einerseits auf Microsoft-internen Erhebungen und andererseits auf Informationen von IDG basieren, soll der Marktanteil im Konsolen-Bereich von Sony in Europa bei rund 80 Prozent liegen, 20 Prozent entfallen auf die Xbox-Geräte von Microsoft. Nintendo Switch klammert Smith gänzlich aus. International soll Sony bei 70 Prozent und Microsoft bei 30 Prozent liegen, in Japan führt Sony mit 96 Prozent ganz klar. Basierend auf den letzten Verkaufszahlen der PlayStation 5, knapp 32 Millionen am Jahresende 2022, würden die Xbox-Series-Konsolen auf 13,7 Millionen Verkäufe weltweit kommen - nur basierend auf diesen Angaben von Microsoft. Im vierten Quartal 2022 lag das Verhältnis der verkauften Konsolen zwischen Sony und Microsoft bei 69:31. "Das entspricht ziemlich genau den globalen Marktanteilen, die wir seit 20 Jahren gesehen haben", erläutert der Microsoft-Präsident. Daten zum US-Markt, dem sehr wahrscheinlich stärksten Markt des US-Unternehmens, wurden übrigens nicht verraten.
Smith richtet sich folgendermaßen an die CMA, die britische Marktaufsicht: "Wollen sie einen Deal verhindern und Sonys Position weiter zementieren? Oder wollen Sie dieses Spiel [Call of Duty] für 150 Millionen mehr Menschen zugänglich machen?" Smith versucht, Sony weiter an den Verhandlungstisch zu bekommen, um eine Lösung zu finden. Bisher sei noch keine Vereinbarung getroffen worden, so der Microsoft-Präsident. Sony könne "all seine Energie darauf verwenden kann, diesen Deal zu blockieren ... oder [Sony] kann sich mit uns zusammensetzen und eine Vereinbarung ausarbeiten, die das anspricht, worüber sie angeblich besorgt sind, hauptsächlich den Zugang zu "Call of Duty" in der Zukunft." So die Sichtweise von Microsoft auf den Deal, schließlich sei Sony der "lauteste" Gegenspieler der Übernahme.
Microsoft hatte Sony ursprünglich angeboten, "Call of Duty" über einen bestehenden Marketing-Deal hinaus für "mehrere Jahre" auf der PlayStation zu belassen, was Xbox-Chef Phil Spencer in einer Erklärung gegenüber The Verge bestätigte. Jim Ryan von Sony bezeichnete das Angebot als "unzureichend" und merkte an, die Inhalte der solcher Verhandlungen geheim halten zu wollen. Im Anschluss folgten weitere Provokationen und Anschuldigungen. Microsoft sei jedenfalls offen für Deals und Gespräche.
Letztendlich liegt es aber an den Regulierungsbehörden, ob sie den Deal durchwinken, unter Auflagen erlauben oder blockieren - und wie sie die jüngsten Vereinbarungen mit Nvidia und Nintendo bewerten. Die EU-Regulierungsbehörden wollen bis zum 11. April 2023 eine Entscheidung über die geplante Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft treffen.