Editorial
Viele Monopole - ein Markt
Konkurrenz, Fairness und nachfrageorientierte Preise - die Kartellbehörden haben die Aufgabe, genau diese Dinge zu schützen. Da ist es durchaus bemerkenswert, wenn genau solche Behörden sich immer häufiger mit den Konsolenherstellern auseinander setzen müssen. Die EU-Kommission stört sich am europäischen Vertriebsnetz Nintendos, das Bundeskartellamt prüft erneut das "Authorized Reseller"-Konzept von SCED und die US-Behörden haben Microsoft in Gedanken schon längst zerschlagen.
Gut, zumindest der Fall Microsoft hat nichts mit dem Konsolenmarkt zu tun. Noch nicht - denn ab 14. März werden auch in Europa 100 Prozent der verkauften Xbox-Konsolen von Microsoft sein. Nicht anders im Softwaremarkt, auch hier kommt es nur auf die Betrachtungsweise an. Denn fast jeder Publisher ist in gewisser Weise Marktführer. Die einen bei Rennspielen oder bei Simulationen, die anderen bei 3D-Action-Adventures mit Strategieelementen oder bei Sprachlernsoftware für Schüler der 5. und 6. Schulklasse.
Angesichts dieser vielen Monopolisten müssten die Gewinne satt und Insolvenzverfahren ein Fremdwort sein. Doch die Umsätze mit Konsolensoftware sanken aus unterschiedlichen Gründen 2001 um neun Prozent. Und der Konkurrenzdruck im Konsolenmarkt wird in diesem Jahr stärker werden als je zuvor. Niemand kann sagen, bei wem zu Silvester Sekt, bei wem Selters fließen wird oder wie sich die Anteile im Gesamtmarkt, inklusive aller Systeme, darstellen werden. Der Wunsch, dem gestiegenen Wettbewerb mit geregelten Vertriebsstrukturen - ob nun europa- oder deutschlandweit - zu begegnen, ist verständlich.
Zumal eine "jungfräuliche" Marktwirtschaft, bei der ausschließlich Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen, allenfalls auf Deutschlands Schulhöfen existiert. Doch selbst dort dürften sich feste "Vertriebsstrukturen" längst etabliert haben.
Stephan Steininger Redakteur [mailto:s.steininger@e-media.de@@@s.steininger@e-media.de]