Embracer-Geschäftsbericht: 197 Spiele in Entwicklung, davon 25 AAA-Titel
Auch die Embracer Group hat ihren Geschäftsbericht für das letzte Quartal vorgelegt. Die Unternehmensgruppe steigerte Umsatz und EBITDA um 38 Prozent respektive 69 Prozent, beflügelt durch den Mobile-Bereich und Saber Interactive. Die Gesamtzahl der Beschäftigten hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.
Im Quartal von Juli bis September 2021 stieg der Nettoumsatz der Embracer Group um 38 Prozent auf 328 Millionen Euro. Der Nettoumsatz des Games-Geschäftsbereichs legte um 89 Prozent auf 282 Millionen Euro zu. Das EBITDA stieg um 69 Prozent auf 163 Millionen Euro, was einer EBITDA-Marge von 50 Prozent entspricht. Die Zahl der Spieleentwicklungsprojekte stieg um 46 Prozent auf 197. Die Zahl der Beschäftigten wuchs um 104 Prozent auf 9.064 (4.445), 7.470 davon sind SpieleentwicklerInnen. Sämtliche Vergleichswerte beziehen sich auf das gleiche Quartal des Vorjahres.
Die aus acht Geschäftsbereichen bestehende Embracer Group möchte 25 AAA-Titel bis März 2026 veröffentlichen. Elf AAA-Projekte sind bereits im vollen Produktionsmodus, mit Teams, die zwischen 100 und 250 MitarbeiterInnen groß sind. Zu diesen Großprojekten gehören auch zwei Titel, die nicht mehr in diesem Geschäftsjahr, also bis Ende März 2022, erscheinen werden. Verschoben wurde "Saints Row", und zwar vom 25. Februar 2022 auf den 23. August 2022. Das andere verschobene AAA-Projekt wurde bisher nicht enthüllt.
Die Embracer Group möchte in Zukunft auch durch weitere Zukäufe wachsen. "In den vergangenen 12 Monaten haben wir 37 Akquisitionen getätigt und wir gehen davon aus, dass wir in den kommenden 12 Monaten eine ähnliche Anzahl von Übernahmen tätigen werden", heißt es unmissverständlich im Geschäftsbericht.
Die Embracer Group investierte im abgeschlossenen Quartal 87,8 Millionen Euro in die laufende Spieleentwicklung - ein Rekordwert für die Unternehmensgruppe. Dieser Anstieg wird auf höhere organische Investitionen in die Entwicklung neuer Spiele zurückgeführt und auf die Verlagerung von Co-Publishing-Projekten hin zu internen Vorhaben bei Saber Interactive. Der "Wert" der fertiggestellten und veröffentlichten Spiele belief sich im besagten Quartal auf 28 Millionen Euro, vor allem durch "Kings Bounty 2", "Tribes of Midgard", "Hot Wheels Unleashed", "Insurgency Sandstorm" und "World War Z Aftermath".
Des Weiteren äußerte sich CEO Lars Wingefors dazu, ob die Embracer Group in Kryptowährungen oder NFTs investieren möchte. Seine Antwort: "Eine Lotterie zu betreiben, ist nicht das Geschäftsmodell von Embracer."
Die Games-Geschäftseinheiten von Embracer sind THQ Nordic, Koch Media, Coffee Stain, Saber Interactive, Amplifier, DECA Games, Gearbox Entertainment und Easybrain, die nachfolgend behandelt werden.
THQ Nordic GmbH
Der Nettoumsatz der THQ Nordic GmbH betrug 37,25 Millionen Euro einschließlich des Umsatzes von Amplifier, der ungefähr bei 3 Millionen Euro liegt. Im betrachteten Quartal wurden "Darksiders 2" für Stadia, "Darksiders 3" für Stadia und Switch, "Comanche" auf PC, "Skydrift Infinity" auf verschiedenen Konsolen, "Pile Up! Box by Box" auf mehreren Konsolen und "Neighbours Back from Hell" für Android und iOS veröffentlicht. Keiner dieser Titel leistete einen nennenswerten Umsatzbeitrag im Quartal, heißt es im Geschäftsbericht. Vielmehr erwiesen sich die Back-Katalog-Titel "SpongeBob SquarePants: Battle for Bikini Bottom Rehydrated", "Biomutant" und "Kingdom of Amalur Re-Reckoning" als Umsatztreiber. Im gleichen Quartal des Vorjahres lag der Nettoumsatz bei ca. 56 Millionen Euro.
In dem Quartal feierte THQ Nordic sein zehnjähriges Bestehen mit einer digitalen Showcase-Veranstaltung, auf der mehrere neue Titel angekündigt wurden. Aktuell befinden sich 42 Spiele in Entwicklung, von denen 28 noch enthüllt werden müssen. Bis Ende Dezember 2021 sollen "This is the President" und die Erweiterung "Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning Fatesworn" erscheinen. Die Zahl der internen EntwicklerInnen bei THQ Nordic ist im Vergleich zum Vorjahr um 57 Prozent auf 811 gestiegen. 20 Studios zählen mittlerweile zu dem Netzwerk des Unternehmens.
Koch Media
Der Nettoumsatz des Spielegeschäftsbereichs von Koch Media stieg im Vorjahresvergleich um 15 Prozent auf 58,2 Millionen Euro. Der Umsatz übertraf die Erwartungen der Geschäftsleitung. Wichtigster Umsatztreiber war "Hot Wheels Unleashed" von Milestone. Milestone hat sich laut Koch Media in der Zwischenzeit zum "größten Premium-Spieleentwickler in Italien" entwickelt und beschäftigt über 250 Mitarbeiter. Außerdem wurde gemeldet, dass sich "Kingdom Come: Deliverance" mittlerweile über vier Millionen Mal verkauft hätte.
In der Koch-Media-Gruppe arbeiten insgesamt 2.142 MitarbeiterInnen in 13 Studios inkl. Film- und Publishing-Sparte. Durch die Übernahmen von DigixArt Entertainment und Vertigo Studios Amsterdam (ehemals Force Field VR) stieg die Anzahl der Beschäftigten in dem Quartal um über 100. Im Zusammenhang mit der jährlichen Facebook-Connect-Veranstaltung bestätigte Vertigo, dass fünf VR-Titel in den kommenden Jahren erscheinen sollen.
46,3 Millionen Euro steuerte der Geschäftsbereich Partner-Publishing/Film von Koch Media bei - beinahe eine Halbierung des Umsatzes im Vergleich zum Vorjahr, da es keine "nennenswerten Veröffentlichungen mit signifikanter kommerzieller Auswirkung" gab. Der Umsatz entsprach den Erwartungen. Koch Media erweitert derweil die Kapazitäten des Shared-Service- und European-Logistic-Centers in Höfen. Fortan soll ein vollautomatisches Kommissioniersystem installiert werden, das alle gängigen Produkt-SKUs verarbeiten kann. Am Ende des Quartals gab Koch Media UK die Übernahme des britischen Marketing- und Live-Event-Unternehmens Splatter Connect bekannt.
Coffee Stain
Coffee Stain sorgte im Zusammenspiel mit Ghost Ship Games für 12 Millionen Euro Nettoumsatz - ein Rückgang um knapp 900.000 Euro im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatz lag leicht unter den Erwartungen der Geschäftsleitung, u.a. weil sich die Updates für "Deep Rock Galactic" und "Satisfactory" verspäteten. Beide Spiele waren zusammen mit "Valheim" die Hauptumsatzträger des Quartals. Seit dem Early-Access-Update #1 "Hearth & Home", das Mitte September für "Valheim" veröffentlicht wurde, sollen sich die Verkäufe auf einem stabileren Niveau eingependelt haben.
Die Steam-Version von "Deep Rock Galactic" bietet mittlerweile Modding-Unterstützung. Mod-Support wird als langfristige Investition angesehen, welche die Lebensdauer des Spiels über Jahre erhöhen soll. Auch saisonale Updates sollen die Koop-Abenteuer der Weltraum-Bergbauzwerge weiter beliebt halten. Drei Millionen Verkäue auf PC und Xbox stehen bisher unter dem Strich.
Coffee Stain erwarb im Laufe des Quartals das schwedische Studio Easy Trigger. Zudem investierte Ghost Ship Games in eine Minderheitsbeteiligung an dem dänischen Start-up Ugly Duckling Games. Damit umfasst diese Geschäftssparte von Embracer sechs Studios und 116 MitarbeiterInnen.
Amplifier Game Invest
Amplifier veröffentlichte "DICE Legacy" während des Quartals, aber die Hauptumsatzträger waren die Lizenzeinnahmen aus "Little Nightmares 1 & 2". Der Nettoumsatz von ca. drei Millionen Euro wird bei der THQ Nordic GmbH ausgewiesen. Nach dem Berichtszeitraum wurden zwei neue Studios gegründet: Zapper Games in Durham und Goose Byte Studio in Montréal. Dieser Geschäftsbereich umfasst zwölf Studios, in denen 237 MitarbeiterInnen tätig sind.
Saber Interactive
Für einen Nettoumsatz in Höhe von 46,1 Millionen Euro war Saber Interactive verantwortlich. Im gleichen Quartal des Vorjahres wurden noch 25,1 Millionen Euro umgesetzt. Laut Geschäftsbericht hat Saber Interactive die höchste operative EBIT-Marge in der Embracer-Gruppe und hatte das "beste Quartal" seit dem Eintritt in die Embracer-Gruppe im Februar 2020. Für den meisten Umsatz sorgten die beiden Neuerscheinungen "World War Z: Aftermath" und "Insurgency Sandstorm" sowie die Back-Katalog-Titel "Snowrunner", "World War Z" und mehrere Spiele von Aspyr.
Saber setzt seinen Wachstumskurs fort, sowohl organisch als auch durch Übernahmen. Die Anzahl der internen Mitarbeiter ist im Vergleich zum letzten Quartal auf 563 Personen gestiegen, wobei 139 Personen aus organischem Wachstum stammen. Im Laufe des Quartals wurden die Übernahmen von Slipgate, 3D Realms, Fractured Byte, SPL (Smartphone Labs), Bytex und Demiurge abgeschlossen. Insgesamt arbeiten 2.331 MitarbeiterInnen in 19 Studios bei Saber. Im Vorjahr waren es 966 Beschäftigte in neun Studios. Aktuell befinden sich 33 Spiele in Entwicklung, darunter das Remake von "Star Wars: Knights of the Old Republic" bei Aspyr und "A Quiet Place" von iLLOGIKA.
DECA Games
DECA Games / CrazyLab aus Berlin steuerten 24,8 Millionen Euro bei. Eine deutliche Steigerung im Vergleich zu den drei Millionen aus dem Vorjahr. Die größten Umsatzträger waren "Party in my Dorm", "Realm of the Mad God" und "Kingdom of Heckfire". Allein 10,4 Millionen Euro kommen aus der Übernahme des in Israel ansässigen Publishers und Entwicklers CrazyLabs, die im September und damit früher als erwartet abgeschlossen wurde. CrazyLabs hat u.a. "Super Stylist" sowie Casual- und Lifestyle-Rollenspiele veröffentlicht, und ist ebenfalls ein Hyper-Casual-Publisher. CrazyLabs beschäftigt mehr als 300 MitarbeiterInnen. Das Unternehmen verbessert Reichweite sowie Publishing-Kapazitäten von Embracer im Mobile-Bereich. Außerdem erwarb DECA Games das in China ansässige Jufeng Studio (50 MitarbeiterInnen) und "Hero Hunters" sowie "Killshot Bravo" von Hothead Games. Die Mitarbeiterzahl von DECA Games stieg in einem Jahr von 68 auf 696.
Easybrain
Der Nettoumsatz des Geschäftsbereichs Easybrain lag bei 60,4 Millionen Euro. Umsatz und Nutzerakquisition übertrafen die Erwartungen des Managements. Der Mobile-Publisher hinter Titeln wie "Sudoku.com", "Jigsaw Puzzles", "Blockudoku", "Pixel Art", "Drum Pad Machine" etc. zählt fast 14 Millionen tägliche aktiver NutzerInnen. Drei der fünf umsatzstärksten Titel der Embracer-Gruppe aus diesem Quartal stammen von Easybrain. Anfang November meldete das Unternehmen, dass die Spiele schon mehr als eine Milliarde Mal aus den App-Stores runtergeladen wurden.
Gearbox
Der Nettoumsatz von Gearbox Entertainment belief sich auf 43,1 Millionen Euro. "Tribes of Midgard" und "Borderlands 3" werden als Umsatztreiber genannt. Die anfänglichen Verkaufszahlen von "Tribes of Midgard" als auch von der Erweiterung "Godfall - Fire & Darkness" hätten die Erwartungen des Managements übertroffen. Darüber hinaus will Gearbox Entertainment ein neues Studio in Montréal eröffnen, das 250 MitarbeiterInnen beschäftigen soll. Aktuell arbeiten 627 MitarbeiterInnen in zwei Studios bei Gearbox.
Last but not least übergab Randy Pitchford, Gründer und CEO von Gearbox Entertainment, seine Rolle als Präsident von Gearbox Software an den langjährigen Chief Technology Officer Steve Jones. Randy Pitchford soll weiterhin eine Schlüsselrolle in der kreativen Strategieplanung innehaben und als CEO und Präsident von The Gearbox Entertainment Company fungieren. In dieser Position will Pitchford die medienübergreifenden Projekte beaufsichtigen.