Epische Schlachten mit Heldenbonus
Heerführer greifen in diesem Herbst selbst zum Schwert: Die Stainless Steel Studios und Publisher Midway wagen bei "Rise & Fall - Civilizations At War" einen neuen Ansatz bei Echtzeit-Strategiespielen.
Die Situation ist jedem Strategiespieler bekannt: Alle Einheiten kämpfen, aber an einer Stelle gibt es besonders heftigen Widerstand. Wenn man jetzt doch mal kurz ins Kampfgeschehen eingreifen und die widerspenstigen Gegner selbst erledigen könnte ... Doch hilflos sitzt der Spieler vor dem Monitor und kann nur hoffen, dass die zuvor überlegte Taktik aufgeht.
In "Rise & Fall: Civilizations At War" dagegen können die Spieler in heiklen Situationen die Kontrolle über einen Helden übernehmen und selbst in den Kampf einsteigen.
Historischer Perspektivenwechsel
"Hero Mode" nennt sich das Neudeutsch - Heldenmodus. Aktiviert der Spieler diesen, ändert sich die Kameraperspektive und der Held wird wie in einem Third-Person-Actionspiel gesteuert: Mit Schwerthieben können die gegnerischen Soldaten kleingehauen werden, und gut gezielte Pfeile befreien den Festungswall von feindlichen Bogenschützen.
Acht dieser Helden wird es im fertigen Spiel für PC-CD-ROM ab Ende Oktober geben, darunter Alexander den Großen, Julius Cäsar, Cleopatra und Ramses. An das historische Vorbild anlehnen soll sich das Heldenprinzip, sagt Rick Goodman, der Chefdesigner des Games: "Alexander hat immer an der Seite seiner Truppen gekämpft, und diese Erfahrung sollen auch die Spieler von 'Rise & Fall' machen."
Verletzliche Helden
Helden können zu jeder Zeit eingesetzt werden, was sich allerdings nicht empfiehlt, da deren spezielle Fähigkeiten von begrenzter Dauer sind. Sobald das Stamina verbraucht ist, ist der Held nur noch einer von vielen und kämpft bei den normalen Truppen mit. Zumindest so lange, bis der Spieler in einem versteckten Winkel eine Amphore findet, die den Vorrat an Stamina wieder auffüllt.
Die Auswahl der Helden zeigt an, in welchem Zeitalter "Rise & Fall" spielt: in der Antike mit ihren großen Imperien Rom, Griechenland, Persien und Ägypten. Dass die Wahl auf vier Mächte gefallen ist, die allesamt Zugang zum Meer haben, leuchtet ein. Schließlich sollen Seeschlachten eine tragende Rolle in "Rise & Fall" spielen.
Detailreiche Kämpfe zur See
Bisher waren Schiffe eher ein Mittel, Armeen über ein Meer oder einen Fluss zu bringen. Das ist bei "Rise & Fall" anders: Hier können epische Seeschlachten stattfinden. Spezialeinheiten beleben den Kampf: Wer zum Beispiel einen Trommler für sein Schiff hat, kann diesen den Takt für die Ruderer vorgeben lassen. Die werden dadurch schneller, und mit dem zusätzlichen Schwung wird der Gegner gerammt - und hoffentlich versenkt.
Auch das Entern der feindlichen Galeeren ist möglich. Gelingt dieses Unterfangen, kann man die Schiffe übernehmen und seiner eigenen Flotte einverleiben. Und damit neue Länder erobern. Das ist wichtig, denn je mehr Länder der Spieler erobert, desto mehr Truppen kann er rekrutieren.
Kolonialismus in Reinform
Die kolonisierten Gebiete entrichten ihren Tribut nicht nur in Abgaben, sondern auch in Form von neuen Soldaten. "Auch das basiert natürlich auf tatsächlichen Geschehnissen. Schließlich haben auch die Römer in von ihnen besetzten Gebieten Truppen rekrutiert", erklärt Goodman.
Eine Frage bleibt dennoch offen: Ob Cleopatra wirklich mit Schwert und Bogen ihre Truppen angeführt hat, oder ob sie sich, wie aus diversen "Asterix"-Heften bekannt, auf riesigen Gefährten durch die Gegend ziehen ließ. In "Rise & Fall" tut sie Ersteres - und macht dabei eine sehr gute Figur.
Nachgefragt bei Rick Goodman, Firmengründer der Stainless Steel Studios
» Mit dem Heldenmodus bringt "Rise & Fall" ein ganz neues Spielelement in das Genre der Echtzeit-Strategiespiele: Action. Wie kam es dazu?
Wir haben Spieler bei "Empire Earth" beobachtet und dabei festgestellt, dass eines der meistbenutzten Elemente die frei bedienbare Kamera war. Mit ihr konnte man sich direkt ins Kampfgeschehen reinzoomen. Das brachte einen zwar näher an die Action, war aber für das eigentliche Spielgeschehen völlig sinnlos. Es hat den meisten aber trotzdem Spaß gemacht.
Bei "Rise & Fall" haben wir diese Funktion mit Leben erfüllt. Jetzt können die Spieler selbst an der Seite ihrer Truppen kämpfen, den Held wie in einem Third-Person-Actiongame steuern und das als taktisches Element nutzen.
» Kann man die Missionen auch ohne Truppenunterstützung im Heldenmodus durchspielen?
Es gibt einige wenige Missionen, die komplett als Held durchgespielt werden müssen. Das sind kurze Actionsequenzen. Doch in den meisten Missionen funktioniert das nicht. Auch weil das Stamina nur kurze Zeit reicht. Damit kein Missverständnis aufkommt: "Rise & Fall" ist immer noch ein reinrassiges Strategiespiel, kein Actiontitel.
» Funktioniert der Heldenmodus auch im Onlinespiel?
Ja, und hier wird es sicher zu spannenden Kämpfen kommen, wenn Spieler ihren Helden gegenüberstehen. Und wie in der Solokampagne ist die Aktivierung des Helden ein wichtiges strategisches Element. Man muss ganz genau überlegen, wann man zum Beispiel Alexander den Großen einsetzt, um die gegnerischen Heere anzugreifen.
Hat man dessen Kräfte schon früh aufgebraucht, kann man später Probleme bekommen. Wartet man dagegen zu lange, kann auch der Held nichts mehr ausrichten. Der Heldenmodus entspricht in etwa den Superwaffen, die man auch aus anderen Echtzeit-Strategiespielen kennt. Sie einzusetzen macht auch nur an gewissen Stellen Sinn - und viel Spaß.