eSport als Sportart: DOSB fühlt sich übergangen
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat mit teilweise harschen Worten die Anerkennung von eSport als Sportart im Koalitionsvertrag kritisiert, in erster Linie weil er sich übergangen fühlt. Selbstkritik scheint dem DOSB indes fremd.
Unter dem Titel "Hoffnung auf Mittelaufwuchs und Dialog" begrüßt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit einem Statement auf der eigenen Website die neue Bundesregierung und reicht ihr die Hand für eine gute Zusammenarbeit. Neben der Betonung der gemeinsamen Interessen findet sich am Ende auch eine ziemlich deutliche Kritik. Nach Meinung des DOSB sei die im Koalitionsvertrag festgehaltene Anerkennung des eSports als Sportart wohl "dem populären Zeitgeist" geschuldet.
Der DOSB geht aber noch weiter. Er wertet den entsprechenden Passus "als klaren Angriff der Fachpolitiker im Bereich Digitales [...] auf die Autonomie des Sports", vor allem weil weder Sportpolitiker noch DOSB an dieser Entscheidung beteiligt worden seien. "Einseitige Eingriffe und Vorgaben der Politik werden zu keinen konkreten Maßnahmen im Bereich des organisierten Sports führen", kündigt der DOSB unverhohlen Widerstand an.
Dass es dem Sportbund hier vor allem um Kompetenzgerangel geht wird deutlich, weil er seine "Dialogbereitschaft inklusive eines ergebnisoffenen Arbeitsprozesses, den sich der DOSB für die kommenden Monate auferlegt hat" betont. Anders gesagt: Über die Anerkennung hätte man ja jetzt sprechen wollen. Dass die Frage ob eSport Sport ist bereits seit Jahren im Raum steht, die Sportverbände in Asien eSport längst anerkannt haben, der eSport 2022 Medaillen-Disziplin bei den Asienspielen wird und der DOSB in der Vergangenheit alles andere als gesprächsbereit war, erwähnt der Sportbund in seinem Statement freilich nicht. Schließlich könnte man dann sagen: Wer zu spät kommt, der braucht sich nicht beschweren, wenn er vor vollendeten Fakten steht.