EU-Kommission bittet Nintendo zur Kasse
Die Wettbewerbshüter der Europäischen Kommission haben gegen Nintendo und sieben ehemalige Partnerfirmen eine Geldbuße von 167,8 Mio. Euro verhängt. Nintendo hat auf Grund der "überraschenden" Höhe der Strafe Einspruch angekündigt.
Für die Europäische Kommission ist es erwiesen, dass Nintendo von 1991 bis 1998 für seine Produkte die Preise in Europa künstlich hoch gehalten hat. Den größten Preisunterschied habe es Anfang 1996 gegeben: Bestimmte Nintendo-Produkte hätten damals in Großbritannien bis zu 65 Prozent weniger gekostet als auf dem europäischen Festland. Absprachen seien getroffen worden, damit es zu keinen Parallelimporten komme.
167,8 Mio. Euro Bußgeld verhängt
Nintendo sei dabei "Anstifter und Anführer" der Zuwiderhandlungen gewesen, an der sieben ehemalige Vertriebspartner Nintendo beteiligt gewesen seien. Für alle zusammen wurde ein Bußgeld in Höhe von 167,8 Mio. Euro verhängt. Den Löwenanteil von 149 Mio. Euro soll Nintendo bezahlen. Das übrige Bußgeld verteilt sich auf John Menzies plc (8,64 Mio. Euro), Concentra S.A. (0,825 Mio. Euro), Linea S.p.A. (1,5 Mio. Euro), Bergsala AB (1,25 Mio. Euro), Itochu Corp. (4,5 Mio. Euro), Nortec A.E. (1,0 Mio. Euro) und CD-Contact Data GmbH (1,0 Mio. Euro). "Millionen europäischer Familien geben jedes Jahr Millionenbeträge für Videospiele aus. Als Verbraucher haben sie das Recht, die Spiele und Konsolen zum günstigsten Preis auf dem Markt zu erstehen", kommentiert EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti den Fall.
"Wir lassen aufeinander abgestimmte Verhaltensweisen, mit denen Preise künstlich hoch gehalten werden sollen, einfach nicht zu." Gemeint ist damit unter anderem die Nichtbelieferung von Händlern, die Produkte in andere EU-Staaten exportiert haben. "Die Beträge spiegeln die realen Auswirkungen des beanstandeten Verhaltens der einzelnen Unternehmen auf den Wettbewerb sowie die Unternehmensgröße wider und sollen in ausreichendem Maße abschreckend wirken", heißt es in der Presseerklärung der Kommission. In einer offiziellen Stellungnahme hat Nintendo Einspruch gegen das Bußgeld angekündigt. Grund sei die "überraschende" Höhe der Strafe, die trotz Zusammenarbeit mit der Kommission bei der Aufklärung verhängt worden sei. So wäre ohne die Zusammenarbeit, durch die erst ein Großteil des belastenden Materials in die Hände der Kommission gelangt sei, kaum eine so lückenlose Aufklärung möglich gewesen. Es ist also fraglich, ob Nintendo das Bußgeld in vollem Umfang zahlen muss, oder ob der angekündigte Einspruch nicht doch eine Abmilderung nach sich zieht.