Keine Überraschung bei der Vorstellung des medien.barometer 2022/23: Ein Großteil der Unternehmen berichtet von – teils stark ausgeprägten - Problemen bei der Suche nach Fachkräften. Dies behindert auch das Ausschöpfen von Wachstumspotenzialen.

Krieg, Inflation, Energiekrise. Obwohl sich letztere auch dank eines  ausgesprochen milden Winters bislang nicht ganz im befürchteten Ausmaß realisiert hat, überrascht nicht, dass sich die Geschäftserwartungen der Medien-, Kreativ- und Digitalunternehmen in der Hauptstadtregion im vergangenen Herbst eingetrübt haben. Obwohl die Beurteilung der aktuellen wirtschaftlichen Lage auf dem Vorjahresniveau liege, sei der Geschäftsklimaindex, der sich in einer Anfang 2022 vorgelegten Untersuchung von einem ersten Pandemieschock erholt hatte, nun wieder von 141,9 Punkten (einem Wert, der nur knapp unterhalb des Mittels der Vor-Pandemie-Jahre von 143,5 Punkten lag) auf 126,5 Punkte gesunken.

Aktuell erwarteten nur 28 Prozent der Unternehmen für die nahe Zukunft eine positive Entwicklung ihres Geschäftsfeldes, überdurchschnittlich hoch ist der Anteil in den Bereichen IT (45 Prozent) sowie Software/Games/Digitale Wirtschaft (36 Prozent), die Filmwirtschaft (ohne TV) schneidet hier mit 21 Prozent unterdurchschnittlich ab, skeptischer zeigen sich nur noch der Musikmarkt und die Rundfunkwirtschaft mit je 18 Prozent positiver Erwartung – allerdings ist das Bild nur vollständig, wenn man sich auch die jeweiligen Anteile der Einschätzung, das Geschäftsfeld werde sich in den kommenden zwölf Monaten nicht oder gar zum Schlechteren verändern. Hier zeigt sich, dass die Rundfunkwirtschaft mit deutlichem Abstand am ehesten auf eine Bewahrung des Status Quo vertraut, während kein Bereich in vergleichbarem Ausmaß (50 Prozent) mit einer Verschlechterung der Situation rechnet wie der Pressemarkt.

Hinzu kommt: Auch wenn die Unternehmen zu deutlich weniger als einem Drittel von einer positiven Entwicklung des Geschäftsfeldes ausgehen, erwarten doch 39 Prozent für sich selbst steigende Umsätze, fünf Prozent sogar stark steigende Umsätze – und nur 20 Prozent befürchten sinkende Einnahmen. Wobei die Umsätze natürlich nur eine Seite der Medaille sind – und potenziell steigende Kosten die andere, an dieser Stelle nicht abgefragte.

So viel eingangs zu einigen Kernaussagen des medien.barometer 2022/2023, einer bereits zum 20. Mal vom medianet berlinbrandenburg vorgelegten Erhebung, welche die Stimmung und die wirtschaftliche Entwicklung einzelner Teilbranchen des Clusters IKT, Medien, Kreativwirtschaft in der Hauptstadtregion beleuchtet. 272 Unternehmen aus der Berliner und Brandenburger Medien-, Kreativ- und Digitalwirtschaft haben sich an der zwischen dem 22. September und 17. November 2022 durchgeführten Befragung beteiligt, Sie finden die gesamte Studie zum Download unter diesem Link.

Zentraler Fokus der jüngsten Untersuchung war die Personalsituation – und damit im Ergebnis der erwartungsgemäß auch durch diese Befragung klar belegte Fachkräftemangel. Dazu heißt es seitens des medianet: „Die Branchen können ihre Wachstumspotenziale für einen attraktiven Arbeitnehmer:innen-Standort nicht vollends ausschöpfen, denn der Markt und seine Jobprofile entwickeln sich dynamischer als die Bildungsmöglichkeiten für potenzielle Arbeitskräfte.“

Zunächst einmal die gute Nachricht. Denn Fachkräftemangel hin oder her: Deutlich mehr Unternehmen haben in den letzten zwölf Monaten Personal aufgestockt (43 Prozent) als abgebaut (18 Prozent). Für die kommenden zwölf Monate planen mehr als die Hälfte (52 Prozent), zusätzliches Personal einzustellen, überdurchschnittlich hoch ist der Anteil – und das korrespondiert mit den Erwartungen für die Entwicklung des Geschäftsfeldes – bei Unternehmen aus den Bereichen IT und Software/Games/Digitale Wirtschaft.

Nun die schlechte Nachricht: Vier von fünf Unternehmen berichten von Problemen bei der Suche nach Fachkräften, jedes dritte sogar in starkem Maße. Eine Kernursache laut Umfrageergebnis: Obwohl 61 Prozent der Unternehmen die Hochschulausbildung am Standort für eher gut oder sehr gut zur Deckung des eigenen Bedarfs halten, erklären 22 Prozent, dass es nicht für alle Job-Profile adäquate Studiengänge gibt. Noch kritischer fällt der Blick auf die Duale Ausbildung aus, hier sehen 31 Prozent einen Mangel.

Was unternehmen die Unternehmen? 47 Prozent bieten Trainee-Programme an, 43 Prozent Ausbildungsplätze. Drei Viertel der Unternehmen setzen auf interne Weiterbildung, die Hälfte (auch) auf externe Weiterbildung, 29 Prozent rekrutieren internationale Fachkräfte, 44 Prozent integrieren Freelancer, 46 Prozent Quereinsteiger:innen.

Die große Mehrheit (74 Prozent) der Unternehmen hat Menschen in ihren Reihen, die keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen – doch die Rahmenbedingungen zur Beschäftigung internationaler Fachkräfte könnten offenbar besser sein. Zwar äußerten nur 54 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen dazu überhaupt eine Meinung, davon gaben aber 48 Prozent an, die Bedingungen seien „eher nicht gut“, 18 Prozent sogar sie seien „gar nicht gut“. Wiederum jeweils drei Viertel dieser Unternehmen gaben an, dass allen voran eine Vereinfachung von Verwaltungsprozessen und eine Verbesserung der Wohnungssituation nötig seien. 44 Prozent wünschen sich eine stärkere arbeitsrechtliche Unterstützung.

Grundsätzlich gilt: Für fast jedes zweite Unternehmen ist die Gewinnung und die Entwicklung von Fachkräften unter den drei Top-Themen für die kommenden  Monate.

So lautet das Fazit von Jeannine Koch, der geschäftsführenden Vorstandsvorsitzenden des medianet berlinbrandenburg, denn auch: „Die Ergebnisse des medien.barometers machen (…) deutlich, dass es einen erheblichen Fachkräftebedarf in der Medien-, Kreativ- und Digital gibt. Um diese Herausforderung zu lösen, braucht es gezielte Anstrengungen seitens der Politik, um internationalen Fachkräften die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern, neue Ausbildungs- und Studiengänge in den Bildungsstätten, die inhaltlich dem aktuellen Bedarf der Unternehmen entsprechen, und Eigeninitiative seitens der Wirtschaft bei der internen Entwicklung der Fachkräfte von morgen.“ Medienboard-Geschäftsführer Helge Jürgens erhofft sich von verbesserten Ausbildungsmöglichkeiten und einer optimierten Integration ausländischer Fachkräfte einen „Booster für das Wachstum des Medienstandortes“.

Und UFA-Geschäftsführer Joachim Kosack erläuterte in einer an die Vorstellung der Studie anschließenden Gesprächsrunde: „Wir bilden seit Jahren im Rahmen der IHK-Ausbildungsgänge aus, haben aber festgestellt, dass das nicht ausreicht. Es braucht darüber hinaus Menschen in Unternehmen, denen im mittleren Alter ein Quereinstieg ermöglicht wurde, quasi ein Learning-on-the-Job.“ Durch duale Studien, klassische Ausbildungsmöglichkeiten und systematisierte Quereinstiegsprogramme würde die Filmwirtschaft ein großes Stück vorankommen.

Eine positive Nachricht hatte Staatssekretär Michael Biehl mitgebracht: Das People & Culture Festival, das Unternehmen mit potenziellen Arbeitskräften verknüpft, darf auch in diesem Jahr finanzielle Unterstützung seitens der Senatsverwaltung erwarten.

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