Im Interview mit GamesMarkt zeigt sich game-Geschäftsführer Felix Falk enttäuscht von der ablehnenden Haltung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) gegenüber dem eSport. Die falschen und zum Teil pauschalisierenden Aussagen könnten die Entwicklung zum Breitensport bremsen.

GamesMarkt: Fehlen dem eSport wirklich die Werte, so wie es der DOSB in seinem Papier durchblicken lässt?

Felix Falk: Die Positionierung des DOSB zu eSports ist in erster Linie eine vertane Chance für den klassischen Sport. Man könnte jetzt natürlich sagen, dass die Erkenntnis in Deutschland an dieser Stelle eben einfach etwas langsamer wächst als in anderen Ländern und sich die modernen Kräfte im DOSB irgendwann durchsetzen werden. Was ich aber nicht nur falsch, sondern auch völlig unnötig finde, sind einige Aussagen in dem Papier, mit denen der DOSB eSports verurteilt. Dem digitalen Sport werden ziemlich deutlich die Werte und die Gemeinwohlorientierung abgesprochen. Ich hätte mir gewünscht, dass der DOSB sich so ernsthaft mit eSports beschäftigt, dass er erkennt, dass der digitale Sport wie der klassische Sport von Werten wie Respekt, Fairness und Teamplay lebt. Auch die Trennung zwischen gemeinwohlorientierter Sportwelt und marktorientierter eSports-Welt hat weder etwas mit der Realität des kommerzialisierten klassischen Sports noch mit Realität Tausender eSports-Athleten im Amateurbereich zu tun. Damit spricht der DOSB ausgerechnet den lokalen eSports-Vereinen die gute Intension ab, die nicht zuletzt einen wichtigen Beitrag zur Jugendarbeit vor Ort leisten können.

Das sind aber nur zwei Beispiele für die teils fragwürdigen Argumentationen des DOSB. Ein anderes Beispiel ist die Ablehnung von eSports wegen der Aufnahme von "Gaming Disorder" in den aktuellen Entwurf der Internationalen Klassifikation der Krankheiten. Das nimmt der DOSB als Anlass, Computer- und Videospiele ganz grundsätzlich als Gesundheitsrisiko einzustufen. Anstatt exzessives Spielverhalten als ein relevantes Problem von einigen Wenigen zu bewerten, wird hier ganz bewusst pauschalisiert. Dabei zeigt insbesondere eSports, dass problematisches Spielverhalten eben nicht durch häufiges Spielen entsteht. Sonst müssten professionelle eSports-Athleten, die täglich viele Stunden trainieren, dieses problematische Spielverhalten aufzeigen. Das ist bekanntlich nicht der Fall.

GM: Was sagen Sie zu der vorgeschlagenen Trennung zwischen eGaming und virtuellen Sportarten?

Falk: Das ist eine künstliche Trennung und hat nichts mit der weltweiten eSports-Kultur zu tun. Es ging wohl eher darum, auch sprachlich eSports möglichst weit von der klassischen Sportwelt zu entfernen. Solche Versuche sehen wir auch an anderer Stelle, wo Begriffe wie "eSoccer" oder "eFootball" auftauchen. So etwas ist natürlich ziemlicher Nonsens. Da probieren Sportfunktionäre über Jahrzehnte international gewachsene Communitys zu separieren in einen guten Teil, von dessen Entwicklung sie gerne selbst profitieren würden, und in einen schlechten Teil, mit dem sie möglichst wenig zu tun haben wollen. Die eSports-Kultur lebt jedoch gerade von der großen Vielfalt der Inhalte. Dazu gehören sowohl Sportsimulationen, aber auch Strategiespiele oder Taktik-Shooter. In der eSports-Community sorgt so etwas für Kopfschütteln.

GM: Wie weit wirft die Entscheidung des DOSB die Entwicklung von eSports in Deutschland zurück?

Falk: Auf die dynamische Entwicklung des eSports hat das weniger Einfluss, denn die geschieht unabhängig vom klassischen Sport. Aber die Entscheidung des DOSB wird leider die Entwicklung von eSports als Breitensport in Deutschland bremsen. Bei den vielen Diskussionen auf Bundes- und Landesebene, wie lokale eSports-Vereine besser unterstützt werden können, wird die DOSB-Entscheidung zukünftig eine Rolle spielen. Zwar sind in einigen Bundesländern bereits entsprechende Entscheidungen gefallen, etwa in Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt, in anderen Ländern wird diese Diskussion aber erst noch zu führen sein. Dabei wird es auch viele Akteure geben, die sich bisher selbst noch nicht mit dem digitalen Sport auseinandergesetzt haben und sich künftig vor allem mit der verunglückten DOSB-Argumentation beschäftigen. Hier muss man nur mal an die Stadträtin oder den Bürgermeister vor Ort denken, an die der Wunsch nach einem eSports-Trainingsraum herangetragen wird. Wie werden diese sich zukünftig entscheiden? Hier kann und sollte die Bundesregierung jetzt ein wichtiges Signal setzen, indem sie die im Koalitionsvertrag versprochene Anerkennung der Gemeinnützigkeit von eSports-Vereinen umsetzt.

GM: Was bedeutet die Ablehnung für den Sportstandort Deutschland? Verpassen wir den Einstieg in eine Sportart der Zukunft?

Falk: Die weitere Entwicklung des eSports hängt generell nicht davon ab was der DOSB sagt. Die Frage stellt sich eher für den klassischen Sport wie stark eSports auch zu einem Teil dieser Welt wird. Der Plan, eSports im Rahmen der Asienspiele 2022 einzubeziehen, zeigt, dass der digitale Sport anderswo durchaus als Teil davon gesehen wird. Dort wird das Engagement des klassischen Sports auch zu zusätzlichen Kooperationen, Möglichkeiten und Entwicklungen führen, die wir in Deutschland verpassen könnten, wenn der klassische Sport da hinten dran bleibt.

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Stephan Steininger
Stephan Steininger is Director of Operations and Editor-in-Chief of GamesMarket. As part of the magazine since its inception in 2001, he knows the GSA games industry by heart.
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