Filmemacher Uwe Boll über "House of the Dead"
Mit "House of the Dead" gelang Filmemacher Uwe Boll ein internationaler Kinoerfolg im Horrorgenre. Nun startet die Verfilmung des bekannten Videospiels als Videopremiere im deutschen Verleihhandel. Weitere Gamesverfilmungen sind geplant.
Mit "House of the Dead" haben Sie zum ersten Mal ein Videogame adaptiert. Wie kam es zu dem Projekt?
Uwe Boll: Das Drehbuch wurde an mich herangetragen, und ich sagte zuerst mal ab. Dann jedoch sah ich mich in Vancouver um, wo ich zu der Zeit gerade arbeitete. Und in jeder Spielhalle stand das Videogame als Automat. Ich unterhielt mich mit den Kids, und zwei von dreien kannten das Spiel. Da war mir schnell klar: Es gibt bereits ein großes Publikum für dieses Thema. Dann habe ich mir das Drehbuch noch einmal genau durchgelesen, und da ich mich ohnehin in verschiedenen Genres bewege, habe ich mich eben auch mal auf einen Teenager-Horror-Zombie-Film eingelassen.
Filmtechnisch kann man "House of the Dead" als State-of-the-Art bezeichnen.
Boll: Ich versuche immer, meine Filme handwerklich sehr gut zu machen. Wir sparen nie an der Technik, nicht am Licht oder irgendwelchen Spielereien. So haben wir etwa für "House of the Dead" auch eigens das "Matrix"-Set aus Toronto kommen lassen, mit 300 Kameras. Damit drehten wir einige Bullet-time-Shots.
Sie greifen auch auf Szenen aus dem Videogame zurück.
Boll: Wir haben ein Videospiel verfilmt, kein Remake eines Zombie-Films gemacht. Da boten sich die Gamessequenzen als Überbrückung von Szene zu Szene oder auch als Opticals an. Besonders toll ist die Sequenz, in der eine Videospielfigur sich auf die Kamera zu bewegt, und in seinem Auge läuft der Film weiter. Dann zoomen wir auf, und hier kommt dann der Schnitt. Das finde ich unter popkulturellen Aspekten besonders interessant. Games sind nun mal Popkultur, also warum nicht auch im Film Elemente aus dem Game verwenden? Auf alle Fälle unterscheidet sich "House of the Dead" dadurch von jedem x-beliebigen Slasherfilm. Aber auch in den real gefilmten Szenen greifen wir oft auf das Game zurück.
Auch Ihr nächstes Projekt, "Alone in the Dark", ist eine Gamesumsetzung. Wie weit sind Sie?
Boll: Ende dieses Monats sind wir fertig. Wir fassen nun einen US-Start im Winter ins Auge und im Frühjahr 2005 dann in Deutschland. Ich hoffe nicht, dass auch "Alone in the Dark" wieder eine Videopremiere wird. Schließlich ist er vom ganzen Ansatz her aufs Kino zugeschnitten.
Sind Gamesadaptionen der neue Trend?
Boll: Auf alle Fälle werden sie häufiger gemacht als früher. Ich denke, dass es in Zukunft noch mehr davon geben wird. Games werden Comics als Filmstoff ergänzen, vielleicht sogar ablösen. Videospiele sind im Hinblick auf filmische Umsetzung weiter entwickelt. Grafik, Optik, Charaktere, Story - all das ist bei guten Games schon angelegt. Dazu kommt, dass die Zielgruppe natürlich eine Rolle spielt. Wenn man weiß, wer Geld für Kino ausgibt, dann bieten sich Gamesverfilmungen natürlich an.
Welche Gamestitel setzen Sie noch filmisch um?
Boll: "Dungeon Siege" mit Microsoft ist ein Fantasystoff, und "Far Cry" wird so eine Art "Stirb langsam" auf der Insel. Zuerst werden wir jedoch "BloodRayne" mit Kristanna Loken aus "Terminator 3" drehen. Es ist mir wichtig, nicht immer dieselben Geschichten zu machen. Deshalb habe ich mich auch aus "House of the Dead 2" rausgehalten.