Auf dem gestrigen Talkevent von Games/Bavaria waren die "Dorfromantik"-Devs Toukana Interactive Star der Show. Auf der Bühne gaben sie Einblick in ihre Game-Design-Philosophie, Sale-Erfolgsaktionen und Kennzahlen in Marketing, Store-Kooperationen und Publishing.

Der gestrige Gameswerk-Talk von Games/Bavaria stand ganz im Zeichen eines Erfolgsspiels. Denn auf der Bühne standen Zwi Zausch und Timo Falcke, eine Hälfte des Gründerteams von Toukana Interactive (im GamesMarkt-Studioporträt), die hinter dem mehrfach preisgekrönten "Dorfromantik" stecken. Bei dem von Beck Niederländer und Lena Fischer vom Games/Bavaria organisierten Event stellten die beiden "Dorfromantik"-Devs den Game-Design-Ansatz hinter dem Spiel vor. So zeigte das Team beispielsweise verschiedene Prototypen, die zwischen dem Prototypen von "Dorfromantik" und der eigentlichen Spielumsetzung lagen, denn um den Recency Bias bei der Entscheidung für ein Spiel zu reduzieren, baut Toukana Interactive auf zeitliche Distanz zwischen erster Idee und tatsächlicher Umsetzung. "Dorfromantik" wurde außerdem mit bestimmten Grundsätzen im Blick entwickelt: Es sollte beispielsweise von Anfang an einladend, wiederspielbar und leicht verständnlich sein, eine von Brettspielen und naiver Malerei inspirierte Optik bieten und ohne viele Erklärungen durch Bilder und Videos verständlich sein. Diese Entscheidungen informierten das Gamedesign über den gesamten Prozess.

Auch auf Marketing und Community Management ging das Team, das sein Spiel im Self-Publishing komplett alleine verlegte und auch selbst auf die Switch portierte, ein. Als größtes Learning stellte Toukana dar, dass die effektivsten Marketingmaßnahmen die direkt auf der Verkaufsplattform, in ihrem Fall Steam, waren. Teilnahme an Steam-Events, Launch-Discount, eine Midweek-Madness-Einladung durch Valve und andere Effekte direkt auf der Plattform hatten den größten Einfluss auf verkaufte Einheiten. An zweiter Stelle lagen Community-Effekte durch große YouTuber:innen, denen Toukana proaktiv Steam-Keys zuschickte; in Summe hatte das Team etwa 1.000 Keys an Content Creator und Spiele-Journalist:innen verschickt. Eine Kooperation mit GOG.com brachte zusätzliche Social-Media-Aufmerksamkeit, die sich jedoch vor allem in nicht messbarer Bekanntheit ausdrückt. Im Vergleich der beiden Storefronts macht Steam 97 Prozent der Einnahmen der PC-Version aus, während GOG.com nur die restlichen drei Prozent ausmacht. Die Switch-Version des Spiels trägt sich vor allem über die Aufmerksamkeit, die Rabattaktionen im eShop generieren. Daraus zieht Toukana die Erkenntnis, dass die Switch-Version eigentlich einen höheren UVP-Preispunkt hätte bekommen sollen, um bei Rabattaktionen dann wiederum nahe an den PC-Preis zu kommen. Apropos Preis: Zum Early-Access-Launch wurde "Dorfromantik" für 8,99 Euro vertrieben, der Preis stieg zum Launch der Vollversion auf 12,99 Euro. Mit den niedrigen Preisleveln wollte Toukana das Spiel als “No-Brainer” positionieren: Impulskäufe interessierter Storeseitenbesucher und einfachere Empfehlungen sowie positive Reviews durch das niedrige Preislevel erwiesen sich dann auch als effektives Mittel der Werbung für das Spiel.

Da der große Durchbruch des Titels nicht vorhergesehen werden konnte, hatte Toukana zu Beginn kein Community Management geplant. Entsprechend musste nach dem Early-Access-Launch 2021 das gesamte Gründerteam einspringen, um Steam-Community und Social Media zu verwalten; eine Notwendigkeit, die zulasten des Entwicklungsfortschritts ging. Zu diesem Zweck wurde alsbald ein Community Manager eingestellt, der bei Toukanas nächstem, noch unveröffentlichtem Projekt direkt in den Entwicklungsprozess mit eingebunden werden soll.

Teil des Events war außerdem eine anschließende Fragerunde des Publikums, das vor allem aus Münchner Entwickler:innen und Games-interessierten Student:innen bestand. Dabei ging Toukana auf Fragen zur ebenfalls preisgekrönten Brettspielumsetzung, zum Marketing auf Social Media und zu gelöschten Features in "Dorfromantik" ein. Den Abschluss des Abends bildete ein Network-Gathering mit Pizza und Getränken.

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Pascal Wagner
Pascal Wagner is Chief of Relations of GamesMarket and Senior Editor specialised in indie studios, politics, funding and academic coverage.
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