Am 3. Mai kommt der langerwartete GameCube nun auch nach Europa. Als günstigste Konsole hat GCN schon im Vorfeld Punkte gut machen können. Axel Herr, Managing Director Sales & Marketing Germany bei Nintendo of Europe, stand der Redaktion GameMarkt.de Rede und Antwort.

GamesMarkt.de: Wie verlief der Start in Japan bzw. den USA aus Ihrer Sicht? Axel Herr: Der Start entsprach voll und ganz unseren Erwartungen. Es ist für uns sicherlich in Japan eher ein "Heimspiel" gewesen als in den USA. Aber auch in den USA sind wird höchst zufrieden. Im Xbox-Mutterland hat der GameCube sich weit besser geschlagen als sich die Xbox im Mutterland des GameCube. In den USA liegen wir Kopf an Kopf, wo X-Box in Japan liegt, wissen Sie ja.

GM: Können Sie Zahlen zu den Abverkäufen der Hard- und Software nennen? Herr: Ich kann hier nur über den Zeitraum bis Januar diesen Jahres sprechen. In den USA lagen wir bei über 1,3 Mio. und in Japan bei über 1,4 Mio. Geräten. Aber auch die Software hat sich sehr gut verkauft. "Super Smash Bros. Melee" z.B. hat sich in nur neun Tagen in den USA über 250.000 mal verkauft und in nur neun Wochen in Japan 1.000.000 mal.

GM: Kann man aus den Releases in Japan und den USA Rückschlüsse für den Europastart ziehen? Herr: Diese eben genannten Zahlen sprechen sicher für sich und sind erstklassige Vorzeichen für unseren Start in Europa. GameCube wird sicher erheblichen Eindruck auf die Konsumenten machen und sich phantastisch verkaufen.

GM: Neue Plattformen werden oft im Herbst gestartet. In Europa ging Nintendo jedoch immer wieder im Frühjahr oder Sommer an den Start. Wie wichtig ist der Starttermin für den Erfolg einer Konsole und was halten Sie vom 3. Mai als Launch-Date? Herr: Die Zeiten haben sich ja erheblich geändert. Zum einen ist der Herbst klassische "Kinderzeit", da draußen nicht mehr gespielt werden kann. Zum anderen haben wir Weihnachten und hierauf brauche ich sicher nicht näher einzugehen. Sicher ist der Herbst normalerweise optimal. Bei GameCube dagegen haben wir eine völlig neue Situation: GameCube zielt nicht auf eine bestimmte Altersgruppe sondern auf alle Videospieler. "Gaming is an attitude, not an age", wie David Gosen so schön sagt. Deshalb erwarten wir eine fortgesetzt hohe Nachfrage nach GameCube - auch während des sogenannten "Sommerlochs", welches für GameCube definitiv nicht auftreten wird. Der 3. Mai ist insofern für uns ideal, da wir sicher bestens starten, über den Sommer auf hohem Niveau liegen und zu Weihnachten definitiv abräumen werden.

GM: GameCube kostet im Vergleich deutlich weniger als die Mitbewerber. Warum kann Nintendo GameCube so günstig anbieten? Herr: Es ist nicht die erste Plattform, die wir auf den Markt bringen. Ferner ermöglicht der Verzicht auf überflüssigen "Schnickschnack" wie DVD Playback, Festplatten etc. geringere Herstellungskosten. Diese geringeren Kosten schlagen sich eben deutlich sichtbar auf unseren Preis nieder.

GM: Ist der Preis für Sie ein entscheidender Vorteil im Konsolenrennen? Herr: Nein, denn es geht um die Qualität der Spiele. Jedoch ist es von großem Vorteil, der preiswerteste Anbieter in Sachen Hardware zu sein, da diese bekanntlich von den Konsumenten nur "gezwungener Maßen" gekauft wird, um darauf Videospiele zu spielen. Je preiswerter desto besser für den Kunden und desto geringer die Hemmschwelle der Investition.

GM: Der Xbox-Preis wurde zum Europastart harsch kritisiert und anschließend vom Handel eigenmächtig verrissen. Wird der vergleichsweise niedrige VK GameCube vor ähnlichen Aktionen schützen? GM: Gerade kleinere Einzelhändler haben die Ereignisse beim Xbox-Start hart getroffen. Hatte dies negative Auswirkungen für Ihre Startvorbereitungen? Herr: Nein, nur positive.

GM: Was hat Nintendo unternommen, um diese Verunsicherung zu mildern? Herr: Wir haben die Händler über die Bestandssituation zum Launch des GameCube informiert. Dies hat offensichtlich zur Beruhigung der Gemüter beigetragen, denn die Mehrzahl der Händler wird erkannt haben, dass sicher nur die wenigsten auf GameCube sitzen bleiben werden. Das wird sich gegebenenfalls auf die Preisfindung im Handel auswirken.

GM: Kann ein Konsolenhersteller überhaupt derartige, für sein Produkt Image schädigende Aktionen verhindern? Herr: Nein. Weder Sony, noch Microsoft, noch Nintendo können etwas dagegen tun. Uns fehlt dazu die juristische Basis der Restriktion der Distribution. Unsere Produkte sind eben nicht 100 Prozent substituierbar.

GM: Marketing wird auch beim GCN-Start ein entscheidender Faktor sein. Mit welchem Budget arbeitet Nintendo im deutschsprachigen Raum, und welche Aktionen sind im Einzelnen geplant? Herr: Diese Frage sprengt den Rahmen eines Interviews. Wir geben rund 25 Mio. Euro für eine integrierte und mehrdimensionale Werbekampagne aus. Wir begleiten die Zielgruppe über den ganzen Tag unter Berücksichtigung der jeweiligen Media-Präferenzen.

GM: Microsoft hat bereits lange vor dem Start versucht, Xbox in den Medien und am PoS bekannt und präsent zu machen. Wie geht Nintendo hinsichtlich der Steigerung des GameCube-Bekanntheitsgrades vor? Herr: Diese Vorgehensweise ist falsch. PR - lange vor dem Launch - absolut ja, POS oder Werbung absolut nein. Früh im Handel zu sein ist die "alte Schule", aber eben nur die alte Schule. Hype bilden Sie nur, wenn Sie schnell, kurzfristig und massiv auftreten. Unübersehbar - omnipräsent. Nur so werden Sie relevant in der Zielgruppe. Die ist eben schnell und kurzentschlossen. Und genau so gehen wir vor.

GM: Inwieweit ist der Preis ein strategischer Vorteil bei der Ansprache des Massenmarkts? Herr: Ein massenmarktfähiger Preis ist die Grundlage eines jeden Erfolgs im Massenmarkt.

GM: Welche Zielgruppen will Nintendo mit der Kampagne ansprechen? Herr: Wir sprechen alle Altersgruppen an, die Spaß an interaktiver Unterhaltung haben.

GM: GameCube und Game Boy Advance lassen sich miteinander verbinden. Wird sich der GameCube-Start unmittelbar auf die GBA-Verkäufe auswirken? Herr: Nein, diese Funktionalität wird erst später thematisiert werden. Wir brauchen ja noch Themen zu Weihnachten. Da machen wir dann Dinge, denen so - mangels einer portablen Plattform - keiner unserer Wettbewerber begegnen kann.

GM: Welche langfristigen Vorteile ergeben sich durch die Verbindung von GBA und GameCube? Herr: Erhebliche. Wie gesagt, das können nur wir anbieten!

GM: Mit GameCube hat sich Nintendo von den Cartridges verabschiedet und setzt auf sein Disc-basiertes Format. Wird die Software nun auch in Europa produziert? Herr: Nein, die Datenträger werden von Matsushita (Panasonic) in Japan gefertigt und in Deutschland für Europa konfektioniert.

GM: GCN bietet keine DVD-Funktionolaität an. Warum? Herr: Einen DVD-Player kann ich heute bereits für € 99.00 an fast jeder "Tanke" kaufen. Das kann nicht einmal mehr als USP nutzen. Die Leute wollen Spielen. DVD wird seinen eigenen Weg gehen. Hierfür will doch keiner wirklich mehr Geld ausgeben. Die Leute kaufen die Konsole ohnehin nur, weil es eben sein muss, um spielen zu können. DVD ist ein anderes Thema.

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