Analoge Rückkehr aus der Pandemie, Förderdebatten, Kriegsauswirkungen und Konsolidierungen: 2022 war ein bewegtes Jahr für die Gamingindustrie. Den in GamesMarkt 01/2023 veröffentlichten großen GamesMarkt-Jahresrückblick machen wir über den Verlauf der ersten Januarwoche online öffentlich zugänglich, beginnend mit dem Ukrainekrieg.

Vieles wird der Gamesbranche 2022 im Gedächtnis bleiben, aber ganz besonders dürfte es der russische Angriffskrieg auf die Ukraine sein. Der Krieg in Osteuropa war gesellschaftsweit das bestimmende Thema, angesichts vieler Opfer, großem Leid und viel Zerstörung. Vor Kriegsbeginn war die Ukraine ein aufstrebendes Land, auch im Gaming-Bereich. Über 30.000 Menschen in mehr als 400 Gamesunternehmen waren in der dortigen Branche beschäftigt, auch wenn es in dem Land vergleichsweise wenige bekannte, dort gegründete Studios gibt. Zu nennen wären da GSC Game World, Frag Lab, ABGames und Frogwares. Vielmehr siedelten sich dort viele Zweigstellen von Unternehmen aus Europa, Israel oder Russland an, zum Beispiel von Playrix, Ubisoft, Plarium, Gameloft, Wargaming, Room8, Voki Games, G5, Whaleapp und Embracer. Seit Kriegsbeginn, am 24. Februar 2022, ist alles anders. Millionen Ukrainer:innen sind auf der Flucht und Games stehen, selbstverständlich, hinten an. Nur ein Beispiel unter vielen: GSC Game World arbeitet von Tschechien aus an "S.t.a.l.k.e.r. 2" und versuchte über russische Kommunikationskanäle auf die Situation aufmerksam zu machen, während furchtbare Bilder und Erlebnisberichte durch das Internet kursieren. Doch nicht alle Mitarbeiter:innen sind geflohen, viele blieben vor Ort und kämpften.

Als Folge begann eine beispiellose So­lidaritätsaktion in der Gamesbranche. Zahlreiche kleine und große Unternehmen fühlten mit und spendeten für humanitäre Organisationen, die sich dem Leid der Bevölkerung widmeten, wenngleich sich Firmen mit lokalen Zweigstellen um eine möglichst gute Versorgung ihrer Mitar­beiter:innen bemühten. Die Welle an Unterstützung war beispiellos, von Embracer über CD Projekt Red bis hin zu Bandai Namco, viele Firmen und Einzelpersonen stellten Spenden bereit, während Microsoft bei der Cyberabwehr mithalf. Auch Indie-Studios taten ihr Möglichstes oder machten bei einer der vielen humanitären Verkaufsaktionen mit. Allein das Humble Bundle Stand with Ukraine wurde über 470.000 Mal verkauft und sammelte fast 20 Millionen Euro für wohltätige Zwecke. Doch dabei blieb es nicht. Viele Unternehmen, auch aus Deutschland, boten direkte Hilfe an, organisierten lokale Ansprechpartner in Listen und boten Unterstützung in ihren Räumen an. Einige äußerten auf Twitter, dass sie Flüchtlinge aufnehmen könnten. Die Hilfsbereitschaft war bemerkenswert, zumal davon ausgegangen werden kann, dass sich viele Leute ebenfalls humanitär engagiert haben, ohne dies an die große Glocke zu hängen.

Als Reaktion auf den Kriegstreiber haben viele Gamesfirmen ihre geschäftlichen Aktivitäten in Russland und oft auch in Belarus suspendiert. Die Liste liest sich wie das Who-is-Who der Majors: Amazon, Apple, Blizzard, Bungie, Electronic Arts, Epic Games, Google, Humble, Microsoft, Niantic, Nintendo, Rovio, Sony, Super­cell, Take-Two Interactive und Ubi­soft, um nur einige zu nennen. Solche ungewöhnlichen Mittel gegen die Invasoren forderte ebenfalls Mykhailo Fedorov, stellvertretender Ministerpräsident und Minister für digitale Transformation der Ukraine. Durch dieses Spiele-Embargo gehen die Unternehmen natürlich das Risiko ein, Einnahmen zu verlieren, die aufgrund der internationalen Sanktionen des Zahlungsverkehrs ohnehin erschwert sein dürften. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die Unzufriedenheit in der russischen Bevölkerung zu erhöhen, wodurch Druck auf die politische Führung entstehen soll, zumal längst nicht die gesamte Bevölkerung den Krieg des Putin-Regimes unterstützt. Trotz drohender Konsequenzen an der ?militärischen Spe­zial­operation?, wie der Krieg in Russland genannt werden sollte, kritisieren einige russische Devs den Einsatz, aber nicht alle trauten sich offen, diese Meinung unter den schwierigen Bedingungen zu äußern. Mittlerweile tobt der Krieg seit zehn Monaten. Nichts wird wieder so sein, wie es einmal war, egal wie der Krieg ausgeht. Es gibt nur Verlierer. Putin hat die Ukraine und ihren Widerstand unterschätzt und sein Land weitgehend in die Isolation getrieben, während das aufstrebende Land in Osteuropa einer ungewissen Zukunft entgegenblickt. Hoffentlich endet dieser Wahnsinn so schnell wie möglich. Doch bis dahin kann nur gehofft werden, dass die Solidarität weitergeht und nicht kollektiv die Augen vor dem Elend verschlossen werden. #Stopwar

Marcel Kleffmann & Pascal Wagner

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Marcel Kleffmann
Marcel Kleffmann is Chief of Content of GamesMarket and our B2B and B2C expert for hardware, market data, products and launch numbers with more than two decades of editorial experience.