GC etabliert sich als Pflichttermin zum Saisonauftakt
Die GC - Games Convention hat im dritten Jahr mehr Besucher denn je in ihren Bann gezogen. Wie schon 2003 verursachte die Messe auch diesmal bei allen Beteiligten eine fast überschwängliche Vorfreude auf das kommende Saisongeschäft. Reduzierte Hardwarepreise und zahlreiche Triple-A-Titel lassen die Branche auf einen neuerlichen Umsatzboom hoffen.
"Unsere Erwartungen wurden voll erfüllt", bilanziert Josef Rahmen, Geschäftsführer der Leipziger Messe, die GC 2004. Die Messegesellschaft sei mit der GC in eine Marktlücke gestoßen. Sowohl Aussteller als auch Besucher nähmen die Messe begeistert an. Und tatsächlich kann man die dritte Ausgabe der GC - Games Convention nur als Erfolg bezeichnen. 105.000 Besucher wurden an den vier Messetagen gezählt. Das ist ein Plus von über 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als 92.000 Besucher zur GC kamen. Wichtiger als das prozentuale Besucherplus ist jedoch, dass die psychologische Grenze von 100.000 geknackt wurde. Auch wenn nach offiziellen Angaben die "100.000er-Marke" nie als Ziel vorgegeben wurde, waren sich Industrie und Medien im Vorfeld einig: Nur wenn die Besucherzahl 2004 sechsstellig wird, ist die GC ein Erfolg.
Das "normale" Publikum ist jedoch nur eine Währung, mit denen Aussteller ihr Engagement aufrechnen und eine Messe beurteilen. Eine andere sind Journalisten. Sie stehen mit ihren Artikeln für die erzielte Mediareichweite. Umso erfreulicher, dass auch hier die GC zulegen konnte. Meldeten sich 2003 noch 1300 Pressevertreter aus sechs Ländern an, so waren es in diesem Jahr bereits 1700 aus 21 Ländern. Ein Plus von über 30 Prozent! Doch nicht nur die "Quantität" der Presse stimmte, auch die "Qualität": "Auch bei den General-Interest-Medien hat das Interesse zugenommen. Früher kamen Giga, MTV, Viva, heute sind alle anderen auch da, wie ARD und ZDF", so Manfred Gerdes, Managing Director Germany und Senior Vice President bei Sony Computer Entertainment Europe. Die Akzeptanz auch bei den vermeintlich seriösen Massenmedien ist für die Branche von besonderer Bedeutung: Schließlich waren es vor allem diese Medien, die nach dem Amoklauf von Robert Steinhäuser in Erfurt in der Spielebranche den Hauptschuldigen für die Tragödie gesehen hatten. Umso wichtiger ist es, dass meinungsbildende überregionale Zeitungen wie die "Süddeutsche Zeitung" oder die "Zeit" anlässlich der GC das Thema Games als gleichberechtigte Freizeitbeschäftigung neben Kino oder Musik aufgreifen.
Mehr Besucher, mehr Journalisten
Die Aussteller, sie jedenfalls sind zufrieden. Was sich ebenfalls in Zahlen belegen lässt. Laut einer Umfrage der Leipziger Messe gaben 93 Prozent an, dass ihre Erwartungen erfüllt oder sogar übertroffen worden seien. Gleichzeitig kündigten sie an, im nächsten Jahr wieder kommen zu wollen. Hätte jede dieser Firmen neben der Absichtserklärung gleich die entsprechenden Verträge unterschrieben, dann könnte man schon jetzt von mehr als 250 Ausstellern auf der 4. GC 2005 ausgehen. "Nach der Messe ist vor der Messe" heißt es ja schließlich. Unabhängig davon, wie viele Nägel mit Köpfen die Veranstalter tatsächlich schon gemacht haben: Josef Rahmen hat mit seiner Schlussfolgerung zur GC 2004 Recht: "Die GC hat sich etabliert. Sie ist für die Branche ein Muss geworden."
Es gibt viele Punkte, an denen sich festmachen lässt, welche Bedeutung die GC tatsächlich für die Branche hat. Der auffälligste ist sicherlich die Preisreduzierung von PlayStation 2 und Xbox. Sowohl SCEE als auch Microsoft nutzten ihre Pressekonferenzen am Vortag der Messe, um eine europaweite Reduzierung der empfohlenen Verkaufspreise für ihre Konsolen anzukündigen. Von Third Partys und Handel wurde der Preispunkt von 149 Euro für eine "nackte" Konsole allgemein positiv aufgenommen. Ein Preis von 149 Euro werde für das bevorstehende Herbst- und Weihnachtsgeschäft die notwendigen Impulse setzen. Davon waren alle Anwesenden überzeugt. Bei der Umsetzung der Preisreduzierung hatte einmal mehr SCEE die Nase vorn: Noch während die Journalisten zur Pressekonferenz am Stand der deutschen SCEE-Niederlassung versammelt waren, waren bereits die ersten Werbespots zum neuen und sofort geltenden PS2-Preis im Radio zu hören. Microsoft hingegen reduzierte die Preisempfehlung für Xbox erst zum 27. August.
Der lachende Dritte im Bunde ist Nintendo. Vor fast zwölf Monaten, im Oktober 2003, setzte Nintendo die Verkaufsempfehlung für GameCube von 199 auf 99 Euro herab und machte seitdem deutlich Marktanteile gut. Da der Nintendo-Quader auch nach der GC die mit Abstand preisgünstigste TV-basierte Konsole ist, dürfte der Trend weiter anhalten. Natürlich ließ es sich Nintendo nicht nehmen, einmal mehr auf seine Position als führender Konsolenhersteller hinzuweisen. In der Tat belegen die GfK-Daten Nintendos Spitzenposition, wenn man den noch von Nintendo allein beherrschten Handheldmarkt miteinrechnet. Es ist ein seit Jahren bekanntes Zahlenspiel. Denn auch SCEE sieht sich - ebenfalls zu Recht - als Marktführer, allerdings bezogen auf den Teilmarkt der TV-basierten Konsolen.
Nintendo jedenfalls konnte sich bei der Pressekonferenz anderen Themen als den Hardwarepreisen widmen. Und so stellte das Unternehmen unter anderem eine "Pink Edition" des erfolgreichen Handhelds Game Boy Advance SP vor. Klar definierte Zielgruppe sind weibliche Gamer. Damit folgt auch Nintendo dem Trend, neue Zielgruppen für das Gaming begeistern zu wollen. Daneben setzt man bei dem japanischen Videospielkonzern auch auf Altbewährtes: "Pokémon". Anfang Oktober wird der Hype um die "Taschenmonster" mit Erscheinen der "Feuerroten"- und der "Blattgrünen"-Edition einen weiteren Höhepunkt erreichen. Denn allen Unkenrufen zum Trotz hat Pokémon nichts von seiner Anziehungskraft eingebüßt. Die "Rubin"- und "Saphir"-Editionen verkauften sich in Deutschland z. B. bereits über 480.000-mal und trugen so ihren Teil zur überragenden Game-Boy-Erfolgsgeschichte bei. Ein paar Eckdaten nannte Dr. Bernd Fakesch, General Manager Germany bei Nintendo: So gibt es 14 Mio. Game Boys in Deutschland, 51 Mio. in Europa und 170 Mio. weltweit. 50 Mio. davon sind Game-Boy-Advance-Systeme. Die beiden nun kommenden neuen "Pokémon"-Editionen sind für die Plattform jedoch von besonderer Bedeutung: Nintendo bundelt mit den beiden Editionen des Wireless Adapter für GBA.
Nintendos Vorgehensweise ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich Hardware am besten über Software verbreiten lässt. Daran hat und wird sich auch nichts ändern. Allerdings hat dank Vernetzung und Multiplayeroptionen die Community als wichtiges Verkaufsargument für die Hardware an Bedeutung gewonnen. Und auch dies ließ sich auf der GC beobachten. Denn sowohl SCED als auch Microsoft legten Konzepte vor. Und das nicht nur, um neue Käufer zu finden, sondern um die Käufer von gestern bei Laune zu halten. So präsentierte SCED auf der Messe die "PlayStation Liga", die das Unternehmen ab September gemeinsam mit NBC Giga betreibt. Microsoft konterte mit der Zusammenarbeit mit der FIFA für den "FIFA Interactive World Cup" - eine global angelegte virtuelle Fußballweltmeisterschaft. Beide Konzepte sind viel versprechend und könnten zu einer zunehmenden Akzeptanz des Onlinegamings auf Konsole auch in Deutschland führen.
Schwer mit der Akzeptanz bei den Gamern hat es Nokia. Obwohl der finnische Mobiltelefonhersteller mit N-Gage QD vorbildlich schnell auf teils berechtigte Kritikpunkte reagierte, konnte Nokia noch nicht den von vielen erhofften Durchbruch erzielen. Nun haben die Finnen auf der GC - Games Convention einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Marktdurchdringung unternommen. So wurde der Verkaufspreis für einige - zum Teil namhafte - Titel wie "Tomb Raider" oder "SonicN" auf bis zu 19 Euro herabgesetzt. Unter anderem auch mit Hilfe der bereits im Sommer vereinbarten Partnerschaft mit T-Mobile, die es auch Pre-Paid-Karten-Besitzern ermöglicht, N-Gage Arena zu nutzen, unterstreicht Nokia einmal mehr den Willen, sich im Spielemarkt als feste Größe zu etablieren. Außerdem liegt Nokia mit preisgünstiger Software voll im Trend, wie unter anderem die Halbjahreszahlen der GfK belegen. Da verwundert es nicht, dass beispielsweise NBG künftig auch verstärkt im Budgetmarkt aktiv sein wird. Der Burglengenfelder Distributor nutzte die GC, um die Vermarktung der "Activision Value"-Titel bekannt zu geben. Das "Activision Value"-Label, unter dem Titel vermarktet werden, die nicht in Konkurrenz zum Hauptprogramm von Activision stehen, erfreut sich in den USA bereits großer Beliebtheit. Dort wurden rund 25 Spiele unter dem "Activision Value"-Brand vermarktet.
Eine Neuheit ganz anderer Art stellte Marktführer Electronic Arts vor. Der Kölner Publisher beeindruckte nicht nur durch eine 360-Grad-Leinwand in den Publikumshallen, sondern überraschte auch mit dem so genannten "Arena"-Konzept, das die Fachbesucher auf Ebene 1 im Business Center besichtigen konnten. Im bevorstehenden Saisongeschäft soll die Arena nun Kunden ausgewählter Handelspartner begeistern und EAs PoS-Konzept der Shop-in-Shops vervollständigen.
Branche mit Handelsresonanz zufrieden
Der wohl entscheidende Faktor, ob die GC als Erfolg zu bezeichnen ist, ist die Resonanz der Fachbesucher. "Die Vollständigkeit der Handelslandschaft ist beeindruckend. Alle deutschen Händler sind vor Ort. Keine Firma der Gamesindustrie kann es sich heute noch erlauben, nicht auf der GC präsent zu sein", sagt Martin Bachmayer, Head of Marketing Xbox Platform & Microsoft Game Studios, und spricht damit wohl der gesamten Branche aus der Seele. Hinzu kommt, dass die GC durchaus das Potenzial hat, auch international immer mehr zu einem Pflichttermin zu werden. Dass schon heute die Headquarters der Publisher mehr als nur Notiz von der Messe in Leipzig genommen haben, bestätigt unter anderem Martin Schneider, Manager Consumer Software bei Konami. "Wir sind eine japanische Firma. Und Japan schaut nun auf Leipzig", kommentiert Schneider den Umstand, dass es gelang, gleich drei hochkarätige Entwickler aus dem Land der aufgehenden Sonne nach Leipzig einzufliegen. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. So fehlt Europa eine echte Leitmesse im Gamessegment. Die ECTS, die einst diesen Stellenwert hatte, ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Und die ECTS-Alternativveranstaltung EGN muss sich erst noch beweisen. "Unsere internationalen Kollegen bemerken auch immer mehr, wie wichtig die Messe für die Branche ist, vor allem auch im Hinblick auf Osteuropa", führt Odile Limpach, Geschäftsführerin von Ubisoft Deutschland, ein weiteres Argument pro GC an. Wie hoch der Stellenwert der GC ist, macht Dr. Fakesch von Nintendo deutlich: "Die GC hat sich in den letzten Jahre für uns zur wichtigsten Videospielmesse Europas entwickelt." Doch gerade die Internationalisierung birgt auch Probleme. Die Frage, ob eine GC nicht an einem Standort mit einem einwohnerstärkeren Einzugsgebiet stattfinden sollte, geistert Jahr für Jahr durch das Business Center. Natürlich wäre an Standorten wie Berlin, Frankfurt, Köln oder Düsseldorf eine bessere Erreichbarkeit auch von außerhalb Deutschlands gegeben. Zahlreiche Gründe sprechen jedoch für Leipzig.
So hat sich die Leipziger Messe als zuverlässiger Partner bewiesen. Auch ließ sich eine Terminverschiebung von Ende auf Mitte August nach dem ersten GC-Jahr problemlos arrangieren. Ein weiteres Argument sind die Kosten. Steigen die Besucherzahlen exponentiell an, müssten auch die Aussteller größere und damit teurere Auftritte finanzieren. "Als Standort für die GC hat Leipzig die richtige Größe und die richtige Infrastruktur", reiht sich z. B. Mads Winblad, Managing Director von Nokia, in die Riege der Leipzig-Befürworter ein. "Never change a winning team" könnte man also auch hinsichtlich der GC sagen. Doch selbst bei aller Zufriedenheit gibt es in den kommenden Montan noch viel Arbeit für die Organisatoren samt Messebeirat. Konzepte müssen her, um den Besucherstrom besser auf die vier Messetage zu verteilen. Schließlich wurde am Messesamstag sehr deutlich, dass die Kapazitäten der Show restlos ausgeschöpft waren. Verschiedene Vorschläge stehen im Raum. Angefangen von der Verlängerung der Messe um einen Tag bis hin zur Einführung eines "Fachbesuchertags". Nach der Messe ist eben doch vor der Messe. Und die nächste findet vom 18. bis 21. August wieder in Leipzig statt.