Mit zunehmender Piraterie sowohl bei Film als auch bei Games steigt auch der Druck auf die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU). Bodo Schwartz, Vorstandsvorsitzender der GVU, hat für die jüngst laut gewordene Kritik Verständnis, mahnt jedoch, mangelnde Man-Power nicht mit mangelnder Kompetenz zu verwechseln.

Vor allem aus der Filmbranche wurde die GVU in den vergangenen Wochen immer wieder heftig kritisiert. Der Unmut bei Händlern, die nach einem Flohmarktbesuch verdächtige Vorgänge meldeten, ohne dass ein Ermittler aufkreuzte, ist groß. "Die Ungeduld des Handels ist bei den derzeitigen Umsatzeinbrüchen verständlich", sagt Bodo Schwartz. "Leicht übersehen wird, dass wir in einem Rechtsstaat leben und demzufolge auch die GVU einige Spielregeln einhalten muss", bittet er jedoch auch um Verständnis für die Hamburger Piratenjäger. In erster Linie betreffe das die Beweislage, die in mühseliger Kleinarbeit erst aufgebaut werden müsse.

Ohne Polizei geht gar nichts

Bei Flohmärkten komme ein anderes Problem erschwerend hinzu: Sie fänden meist am Wochenende statt, so dass Razzien auch davon abhängig seien, ob ausreichend Polizisten dafür abgestellt werden könnten. "Da die GVU keine Polizeigewalt hat, geht ohne die Unterstützung örtlicher Polizeidienststellen gar nichts," erklärt Schwartz. Die personelle Situation bei der GVU ist ein weiterer Grund, warum die GVU laut Schwartz nicht die Erwartungshaltung, die GVU sei eine Art Überfallkommando, das jederzeit und überall gegen Raubkopierer vorgehe, erfüllen könne.

Im gesamten Bundesgebiet verfügten die Hamburger derzeit über zehn Ermittler. "Mehr lässt der Jahresetat von zwei Millionen Euro nicht zu", gibt Schwartz zu bedenken. "Gemessen an der Gesamtproblematik, ist das sicher zu wenig." Die finanzielle und damit auch die personelle Situation bei der GVU könnte sich jedoch schon bald entspannen. Zusätzliche Gelder von der Filmförderungsanstalt, von Händlern und vom Videothekenverband IVD sollen für die Rekrutierung weiterer ehemaliger Polizisten genutzt werden, die auf Piratenfang gehen. "Wenn Überforderung auf die Kompetenz der GVU in Sachen Urheberrechtsverletzungen abzielt, müsste ich dies energisch bestreiten", mahnt Schwartz, die Qualität der Arbeit der GVU bitte nicht in Frage zu stellen.

Die Ermittler seien auch was die Pirateriedelikte im digitalen Zeitalter betreffe, bestens ausgerüstet. Ehemalige Polizisten als GVU-Ermittler einzusetzen, habe zudem den Vorteil, dass diese sich in Detailfragen, bspw. wie ein Strafantrag zu stellen sei, bestens auskennen. Auch bestehe meistens noch hilfreicher Kontakt zu ehemaligen Kollegen bei der Polizei. Das Einzige, was sie lernen müssten, seine juristische Details des Urheberrechts. "Man muss von der Vorstellung wegkommen, dass es sich um gebrechliche Menschen handelt, die ihre Rente aufbessern wollen. Es sind Leute, die zum Teil noch vor dem 60. Lebensjahr in Pension gegangen sind und sich zu jung fühlen, um den ganzen Tag am See zu angeln", so Schwartz.

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