Heiße Diskussionen um Piraten und Zielgruppen
Die E3 war von jeher nicht nur Neuheitenshow und Treffpunkt der Branche, sondern immer auch Trendsetter und Forum für Diskussionen. Und dafür sollte in diesem Jahr ausreichend Stoff geboten sein.
Neue Themen und Trends waren schon immer Kern der E3. "Das Netz wird die Spieleindustrie verändern, wie das Web die PC-Industrie verändert hat", sagte Don Tapscott, Chairman der Alliance for Converging Technology, in seiner E3-Eröffnungsrede im vergangenen Jahr. Heute ist die erste onlinefähige TV-basierte Konsole bereits auf dem Markt. Und alle künftigen werden wohl ebenfalls "online" sein. Und welche Themen und Trends stehen in diesem Jahr im Mittelpunkt der Show?
Bereits im Vorfeld der Show versuchte die IDSA Stimmung zu machen, dass die Zielgruppen neu überdacht würden. Kurzerhand wurden die Ergebnisse einer Studie der Peter Hart Research Associates vorgelegt. 60 Prozent aller US-Bürger spielen zumindest gelegentlich Computer- oder Videospiele, heißt es da. Die eigentlich interessanten Ergebnisse seien aber, dass 43 Prozent dieser Spieler weiblich und 61 Prozent über 18 Jahre alt sind. Douglas Lowenstein, President der IDSA, sieht darin auch einen Hauptgrund für wachsende Bedeutung von Interactive Entertainment in der Gesellschaft. Gleichzeitig zitiert er die Ergebnisse der Marktforscher von NPD Group. wonach 1999 in den USA mehr als 215 Computer- und Videospiele verkauft worden seien. Der Umsatz habe mehr als 6,1 Milliarden Dollar betragen.
Ein weiteres Thema, dessen stärkere Beachtung vor allem im Sinne der deutschen Gamesindustrie wäre, betrifft die Gewaltdarstellung. So hat sich die Bewusstseinslage in den USA seit Littleton '99 durchaus verändert. Ein drittes Thema, das in diesem Jahr wohl stärker diskutiert wird, ist die Piraterie. Schließlich scheint man in den USA zu erkennen, welche Ausmaße dieses Problem angenommen hat. Der im Februar von der IDSA vorgelegte Pirateriebericht spricht von einem Verlust von drei Mrd. Dollar. Und das, obwohl nur die Verluste der US-Firmen eingerechnet und die wichtigsten Märkte wie die USA und Europa sowie die Onlinepiraterie nicht berücksichtigt wurden. Hinzu kommen die Ergebnisse des Merrill Research Institute, das im Auftrag von Macrovision eine Studie erstellte. Die Analysten kamen zu dem Ergebnis, dass die Verluste in den USA mit 4,4 Mrd. Dollar zu beziffern seien und damit weit höher lägen als bisher angenommen.