Was immer die Augen von Gamers leuchten lässt - als erstes wird es auf der E3 vorgestellt. Messe-Highlights im Überblick.

Mit gedämpften Erwartungen reisten wohl die meisten der internationalen Fachbesucher in diesem Jahr zur weltgrößten Spielemesse - schließlich waren keine Infos zur nächsten Konsolengeneration von Sony Computer Entertainment, Microsoft oder Nintendo zu erwarten.

Dennoch ließ es sich Sony CE natürlich nicht nehmen, bei der Vorstellung des PlayStation Portable (PSP) auf die Kompatibilität zur PlayStation 3 hinzuweisen, während Nintendo mit "Revolution" dreist einen besonders innovativen GameCube-Nachfolger in den Raum stellte.

Was kommt denn so?

Neben dem Trendthema Mobile Entertainment und den dazugehörigen Endgeräten von Sony CE, Nintendo und Nokia richtete sich Aufmerksamkeit der Messegäste also ganz auf das Software-Line-up.

Und das war nicht nur, wie gewohnt, von Fortsetzungen, sondern insbesondere auch von einer überdurchschnittlichen Produktqualität gekennzeichnet. Angesichts der Vielzahl an (onlinefähigen) Konsolenspielen geriet der PC als Spieleplattform Nummer eins etwas ins Hintertreffen.

Zwar mangelt es durchaus nicht an attraktiven PC-Spielen, dennoch ließ es sich Microsoft (auch im Hinblick auf die Konkurrenz durch das Betriebssystem Linux) nicht nehmen, die PC-Plattform zu promoten und eigens eine Präsentationsfläche für Windows-kompatible Spiele zu organisieren.

Konsolenspiele gewinnen an Popularität

Plattformübergreifend war nach wie vor Action das dominierende Genre, wenngleich sich zu den klassischen Ego-Shootern verstärkt Taktik-Shooter gesellten. Waren es im vergangenen Jahr "Half-Life 2" von Vivendi Universal Interactive und "Doom 3" von Activision, die für Wirbel und meterlange Warteschlangen sorgten, so stand diesmal "Halo 2" in der Gunst der Messebesucher.

Der lang erwartete Nachfolger des mit rund vier Millionen verkauften Einheiten bislang erfolgreichsten Xbox-Spiels begeisterte mit modifizierten Vehikeln samt Fahrphysik und Schadensmodell und der Möglichkeit, beidhändig Waffen abzufeuern, und erntete schließlich Beifall für seinen überzeugenden Multiplayermodus.

Einen bleibenden Eindruck hinterließ auch das Stealth-Abenteuer "Splinter Cell 3" von Ubisoft, das von vielen als das Messehighlight gehandelt wurde. Während der knapp halbstündigen Präsentation hinter verschlossenen Türen konnten sich die staunenden Teilnehmer davon überzeugen, dass das spannungsgeladene Spiel mit Licht und Schatten bei "Splinter Cell 3" inzwischen zur Perfektion gereift ist.

Wegweisende Grafikeffekte, herausfordernde Settings und ein erweitertes Bewegungsrepertoire des Protagonisten Sam Fischer sind nur einige der Features, die in einem (erneut originellen) Multiplayermodus gipfeln.

Ein weiteres Actionhighlight hatte Ubisoft mit "Brothers In Arms" am Stand, dem ersten im Zweiten Weltkrieg angesiedelten First-Person-Taktik-Shooter, der zudem auf realen Ereignissen basiert.

Überrascht haben mag den E3-Besucher indes die Vielzahl an Rennspielen. Nach den überragenden Verkaufszahlen von "Need For Speed: Underground" von Electronic Arts mehren sich die Anzeichen, dass das Fahrzeugmodding bald zu einem Standardfeature bei Rennspielen wird.

Bei "Juiced" von Acclaim jedenfalls sollen PC-, PS2- und Xbox-Besitzer den eigenen Fuhrpark in unzähligen Varianten nach Belieben tunen, lackieren und mit Folien bekleben dürfen. Als Counterpart zur PS2-Referenz "Gran Turismo", dessen vierte Reinkarnation noch ein Weilchen auf sich warten lässt und das unterdessen mit der "Prologue"-Ausgabe von sich reden macht, sieht Microsoft "Forza Motorsport" für Xbox.

"Gran Turismo" soll mächtig Druck bekommen

"Best of E3"-Awards

Mit den E3-Awards des amerikanischen Onlinemagazins "GameSpot" werden alljährlich die innovativsten Spiele pro Plattform ausgezeichnet.

Best Game of the Show Splinter Cell 3 (PC, PS2, Xbox)(Ubisoft)

Best PC Game Splinter Cell 3 (Ubisoft)

Best Xbox Game MechAssault 2 (Microsoft)

Best PS2 Game God Of War (Sony Comp. Ent.)

Best GameCube Game Resident Evil 4 (Capcom)

Best Game Boy Advance Game The Legend Of Zelda: The Minish Camp (Nintendo)

Best N-Gage Game Pathway To Glory (Nokia)

Best Mobile Game Rainbow Six 3 (Gameloft)

Neben der hochglanzpolierten Grafik soll das für Winter 2005 geplante Rennspiel die Wahl zwischen realen Fahrzeugen von 60 renommierten Herstellern sowie eine Vielzahl an originalen Tuningteilen, eine realistische Fahrphysik sowie neuartige Onlinefeatures bieten.

Auch Konami will Sonys Vorzeigeracer Terrain streitig machen, allerdings soll bei "Enthusia Professional Racing" (PS2) weniger die Investition in Tuningteile als vielmehr das fahrerische Können siegentscheidend sein. "Enthusia", ebenfalls für 2005 vorgesehen, soll zudem das erste Rennspiel sein, das die bei der Beschleunigung eines Fahrzeugs auf den Piloten wirkenden Kräfte visualisiert.

Ein Rennerlebnis ganz anderer Art verspricht die Highspeed-Crash-Orgie "Burnout 3" (PS2, Xbox) von EA zu werden, die mit einer noch schnelleren Grafik und erweitertem Gameplay klar auf die Pole Position der Charts geeicht ist.

Fester Bestandteil der Messe sind inzwischen auch Buch- und Filmumsetzungen. So plant beispielsweise THQ, dem "Harry Potter"-Franchise mit dem filmbasierten Abenteuer "Der Polarexpress" (PC, PS2, GBA) Paroli zu bieten.

Ebenfalls auf "Potter"-Fans abgesehen hat es Publisher Activision, der während der Messe sein 25-jähriges Firmenjubiläum feierte und dessen Highlights auf der Standbegrenzung abgebildet waren: "A Series of Unfortunate Events", das zum Start des gleichnamigen Kinofilms mit Jim Carrey in der Hauptrolle erscheinen soll, basiert auf der Buchreihe von Lemony Snicket, der zumindest in den USA größere Erfolge feiert als Rowling.

Ebenfalls bei Activision zu bestaunen: die Umsetzung von DreamWorks' "Große Hai - kleine Fische", das ähnlich wie "Findet Nemo" mit einer Sammlung kindgerechter Spielsequenzen unter Wasser aufwarten soll.

Etwas im Messetrubel untergegangen sind die Multiplattformversoftung des kommenden Pixar-Streifens "The Incredibles - Die Unglaublichen" (Buena Vista Games/THQ) sowie die Umsetzung des rund zehn Jahre alten Klassikers "Nightmare Before Christmas" von Tim Burton (PS2, Capcom Europe).

Lösgelöst von Filmvorlagen ist das neueste Actionspiel aus dem Bond-Universum. Neben aufwendigen Renderings der Charaktere besticht "GoldenEye - Rogue Agent" vor allem durch die Tatsache, dass der Spieler auf Seiten der Bösewichter hantiert

Auch die neuesten Abenteuer rund um Mittelerde basieren nicht mehr auf der Filmtrilogie, sondern nutzen die bekannten Schauplätze und Charaktere für das Rollenspiel "Der Herr der Ringe: Das dritte Zeitalter" sowie "Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde".

In sportlicher Hinsicht hatten die Publisher weit weniger zu bieten, als es bisher der Fall gewesen ist. Neben Segas "ESPN"-Range dominierten die Neuauflagen der bekannten Sportspiele von Electronic Arts.

Highlight der EA Sport-Range war "FIFA 2005", das dank stark erweiterter Moves und Spieleranimationen dem direkten Konkurrenten "Pro Evolution Soccer" (endlich) die Stirn bieten könnte. Die vereinfachte "Off The Ball"-Kontrolle aus "FIFA 2005" soll erstmals beim Eishockeyspiel "NHL 2005" Einzug halten.

Kaum Konkurrenz für EA-Sportspiele

Unter dem Namen "Off The Ice" sorgt sie dafür, dass die virtuellen Sportler freien Raum besser nutzen und nicht im Pulk übers Eis fahren. Last but not least kündigte EA mit "SSX Out Of Bounds" eine N-Gage-Version des rasanten Snowboardspektakels an.

Das witzigste Spiel steuerte zweifellos THQ mit "Destroy All Humans!" für PS2 und Xbox zum dreitägigen Messemarathon bei. Mit seinem B-Movie-Charme, überirdischen Kräften des Alien-Helden und futuristischen Waffen war das ungewöhnliche Actionspiel für zahlreiche Lacher gut.

EyeToy, Singstar & Co. auf dem Weg zum Massenmarkt

Ein weiteres großes Messethema war EyeToy, für das Sony CE Nachschub in Form von "EyeToy: Chat" und "EyeToy: AntiGrav" vorstellte. Auch Sega gehört zu den Publishern, die die innovative Kameratechnologie unterstützen: "Sega Superstars" ist eine Sammlung aus rund einem Dutzend themenbasierter Minigames, deren Spielprinzip und Charaktere Sega-Klassikern wie "Sonic", "Samba de Amigo", "Virtua Fighter", "Super Monkey Ball" und "The House Of The Dead" entnommen sind.

Publisher Electronic Arts, der die Kameratechnologie zuletzt bei "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" einsetzte, nutzt diese auch für den "Sims"-Ableger "URBZ". Der Spieler kann ein Selbstporträt mittels EyeToy-Kamera anfertigen, das fortan beispielsweise riesige Reklametafeln im Spiel schmückt.

Nach dem etwas glücklosen "EyeToy: Play" von Sony CE nutzt nun auch Konami EyeToy für ein Musikspiel. So wird es dem Spieler von "Dancing Stage Fusion" neben weiteren Minispielen und Modi möglich sein, sich selbst während des Tanzens auf der Tanzmatte im Spielhintergrund bewegen zu sehen.

EyeToy ist sicherlich auch die Einführung von "Donkey Konga" zu verdanken. Das meist aus Japan stammende Zubehör, hier ein Paar Bongotrommeln aus Plastik, hält aus Kostengründen nur selten Einzug in den europäischen Markt - Ausnahmen wie die Maracass von "Samba de Amigo" und der Monstercontroller von "Steel Batallion" bestätigen die Regel.

Der nächste große Wurf nach "SingStar", für das Sony CE bereits weitere Songauskoppelungen ankündigte, könnte das virtuelle DJ-Equipment "DJ: Decks & FX" werden. Auf dem heimischen Bildschirm werden zwei pitchbare Plattenspieler, ein Mischpult samt Effektabteilung sowie ein Drumcomputer und ein Sampler simuliert.

Nachwuchs-DJs können ihren eigene Mix aus voraussichtlich rund 50 lizenzierten Clubtracks und A-Capella-Stücken erstellen, wobei eine automatische Taktanpassung nahtlose Übergänge zwischen den Stücken vereinfachen soll. Dank Drumcomputer, Effektabteilung und Sampler zum Einbinden eigenen Songmaterials könnte "DJ: Decks & FX" bei Musikfans wie eine Bombe einschlagen.

Share this post

Written by