Die weltgrößte Computermesse hat die Erwartungen der Organisatoren, aber auch der Aussteller übertroffen. Erstmals seit drei Jahren stieg die Zahl der Besucher im Tagesschnitt wieder an. Und der Trend zu mehr Unterhaltung in der Computerwelt hält an.

Sie kommen in Scharen, die IT-Profies aus allen Teilen der Welt, wenn in Hannover die CeBIT ihre Pforten öffnet. Und auch in diesem Jahr ließen es sich über eine halbe Mio. Besucher nicht nehmen, das schier endlose Messegelände nach den Highlights der Computerwelt zu durchforsten. Im Gegensatz zu den Vorjahren bestand eines dieser Highlights in der massiven Präsenz von Home Entertainment. In der 18-jährigen CeBIT-Geschichte sperrten sich die Veranstalter der Deutsche Messe bislang immer recht erfolgreich, wenn es darum ging, alles, was Spaß machen könnte, zumindest weitestgehend von der Messe zu verbannen. Doch das ist nun anders. Im Grunde überrascht die Entwicklung aber nicht. Digitalisierung, Vernetzung des Wohnzimmers, Konvergenz der Anwendungsgebiete - im selben Maß, wie die Computertechnologie schnell und unaufhaltsam das alltägliche Leben der Verbraucher erobert, knapsen auch die entsprechenden Produkte den professionellen Businessanwendungen auf der CeBIT Fläche ab.

Kein Wunder also, dass auf der Messe Fernseher und die dazugehörenden Zusatzgerätschaften wie DVD-Player, DVD-Rekorder oder Settop-Box fast schon allgegenwärtig waren. Denn - darüber sind sich alle Firmen einig - der Fernseher ist und bleibt das zentrale Gerät, wenn von Home Entertainment die Rede ist. Er muss eben nur noch ausgebaut und vernetzt werden. Und genau darin unterscheiden sich die zahlreichen Angebote: Die einen setzen auf Multifunktionsgeräte, die anderen auf eine Mehrgerätelösung, die einen sind verkabelt, die anderen wireless. Einen interessanten Ansatz zeigte dabei beispielsweise Siemens ICN mit einer Entertainmentplattform, über die neben Spielfilmen auch Musikdaten und Spiele abgerufen werden können. Das Projekt mit dem Arbeitstitel "Simon" verbindet Fernseher via Settop-Box und DSL mit dem Internet.

Und auch ein anderes Projekt war auf der CeBIT vertreten, wenngleich es nicht öffentlich gezeigt wurde: Sonys PSX. Neue Informationen, wann das in Japan bereits erhältliche Gerät auch die "Alte Welt" erobern soll, gab es freilich nicht. Auch war nicht herauszufinden, wie viele Euro die hiesigen Verbraucher für Sonys Konvergenz-Hoffnung auf die Ladentheken legen müssen.

Thema auf der CeBIT war in diesem Zusammenhang auch das Windows Media Center, das den PC zur multimedialen Heimzentrale macht. Erste PC-Hardware wurde auch schon angekündigt. Noch nicht gezeigt wurden allerdings die mit der Media-Center-Extender-Technologie ausgestatteten TV-Geräte und Settop-Boxen, die dann eine kabellose Verbindung zu den entsprechenden PCs und damit den Zugriff auf die Medieninhalte von der Couch aus herstellen sollen. Laut Bill Gates, der die Extender-Technologie erst im Januar auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas ankündigte, sollen derartige Geräte ja erst frühestens im Herbst Marktreife erlangen.

Auch wenn Gaming auf der CeBIT selbst unter Home-Entertainment-Gesichtspunkten nach wie vor nicht allzu groß geschrieben wird, gab es neben der PSX in diesem Bereich ebenso ein paar Neuigkeiten zu bestaunen. So durften die Messebesucher, die sich im vergangenen Jahr schon fasziniert von EyeToy am Sony-Stand tummelten, diesmal als Gesangskünstler beweisen und "SingStar" ausprobieren. In der Folge machten die Autoren von "Spiegel Online" einen weiteren Messetrend aus: öffentliche Selbstdemütigung. Allerdings stellten auch sie fest, dass sich das Publikum durchaus an den falsch geträllerten Karaokeeinlagen erfreuen kann. Ein besonderes Schmuckstück fand sich aber in dem ruhigen und weit ausgedehnten Stand von World Cyber Games. Dort präsentierte Gametrac, Tochter von Tiger Telematics, das gleichnamige Handheld. Zwar stehen auch hier noch nicht alle Daten für die Markteinführung fest, im Gespräch mit games.markt gab Patrik Wallgren aber an, dass man einen Preis für den im Herbst geplanten Europa- und Amerika-Start anvisiert, der sich an die 80-Euro-Marke annähert. Wer sich zudem mit kleinen Werbebotschaften versorgen lässt, so genannten Smart-Ads, könnte dank den vom Handy bekannten Subventionsmodell durchaus noch kostengünstiger in das mobile Spielevergnügen einsteigen.

Dass modernste Technik nicht nur für das professionelle Geschäft oder die digitale Heimunterhaltung gut ist, sondern auch beim Lernen helfen kann, ist nicht neu. Dennoch lässt die CeBIT auch im Hinblick auf das neudeutsch genannte E-Learning auf ein Novum hoffen. So haben die Telekomfestnetzsparte T-Com und die beiden Schulbuchverlage Cornelsen und Heureka-Klett auf der Messe eine Absichtserklärung unterzeichnet. Gemeinsam wollen die drei Partner ein umfangreiches Bildungsportal im Internet stemmen. Die Rollenverteilung ist klar: T-Com liefert die Technik, Cornelsen und Klett die Inhalte. Was sich nach einem exklusiven Kreis anhört, soll allerdings auch anderen Inhalteanbietern offen stehen - langfristig zumindest.

Eine Vielzahl von Neuheiten gab es auf der CeBIT einmal mehr im Mobilfunkbereich, wo vor allem die vier magischen und für die Netzanbieter sündhaft teuren Buchstaben UMTS das Geschehen bestimmten. Abschließend bleibt festzustellen, dass sich die CeBIT einmal mehr gelohnt hat: Für die Veranstalter sowieso, genauso aber für die zahlreichen Aussteller aus dem In- und Ausland sowie für die Fachbesucher. Vor allem die Qualität der Gespräche und die hohe Quote der Entscheider unter den Messegästen wurde zum Abschluss der CeBIT immer wieder und von allen Seiten unterstrichen. Kein Wunder also, das 82 Prozent der Aussteller schon jetzt der festen Überzeugung sind, vom 10. bis zum 16. März 2005 wieder in die Hannoveraner Messehallen einzufallen. Und vielleicht wird Sony Computer Entertainment Deutschland dann nicht mehr allein auf weiter Flur fragen: fun anyone?

Share this post

Written by

Jumpgate Signs Publishing Agreement With Daedalic for New Strategy Game
Carsten Fichtelmann, CEO of Daedalic Entertainment GmbH / Patrick Streppel, Founder and CEO, gameXcite GmbH and Chief Product Officer, Jumpgate AB © Daedalic / Jumpgate

Jumpgate Signs Publishing Agreement With Daedalic for New Strategy Game

By Marcel Kleffmann 2 min read
Jumpgate Signs Publishing Agreement With Daedalic for New Strategy Game
Carsten Fichtelmann, CEO of Daedalic Entertainment GmbH / Patrick Streppel, Founder and CEO, gameXcite GmbH and Chief Product Officer, Jumpgate AB © Daedalic / Jumpgate

Jumpgate Signs Publishing Agreement With Daedalic for New Strategy Game

By Marcel Kleffmann 2 min read