Die 25. Gesellschafterversammlung der idee+spiel verlief ganz nach Wunsch der Geschäftsführung. Alle Abstimmungen verliefen zügig und einstimmig. Für 2003 hat die idee+spiel ein elektronisches System für Gemeinschaftseinkäufe der Gruppe angekündigt. Kritik äußerte idee+spiel-Geschäftsführer Otto E. Umbach jedoch an der Bundling-Politik der Konsolenhersteller.

Zur Jubiläumsjahrestagung lud die idee+spiel ihre Gesellschafter in die Verbandszentrale nach Hildesheim ein. Mehr als 300 Händler folgten der Einladung und fanden sich vom 20. bis 21. in der über 100.000 Einwohner zählenden Stadt ein, die durch den 1000 Jahre alten Rosenstock im Hildesheimer Dom Weltruhm erlangt hat. Doch nicht nur das Ambiente dürfte dazu beigetragen haben, dass die Gesellschafterversammlung nach Aussagen von Otto E. Umbach, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb der idee+spiel, verlief, "wie man es sich als Geschäftsführer wünscht".

Die schon zur Spielwarenmesse veröffentlichten Geschäftszahlen weisen für die angeschlossenen Händler ein im Vergleich zum Markt überdurchschnittliches Ergebnis aus, das zugleich das zweitbeste in der Firmenhistorie darstellt. Der Umsatzrückgang bei der Zentralregulierung von zwei Prozent im Jahr 2002 relativiert sich zudem, da die Mitgliederzahl im selben Zeitraum um drei Prozent sank, idee+spiel also sogar ein "qualitatives Wachstum" verzeichnen konnte. "Wir haben alle Entlastungen, alle Beschlüsse und alle Wahlen einstimmig durchführen können", fasste Umbach das von den Gesellschaftern in die Geschäftsführung gesetzte Vertrauen in einem Pressegespräch zusammen. Ein weiterer Vertrauensbeweis war die Zustimmung der Händler, das eingebrachte Kapital je Anteilseigner von 2000 Mark auf 2000 Euro zu erhöhen. Umbach und der für EDV, Finanzen und Dienstleistungen zuständige Jochen Martens werteten dies auch als Ausdruck des Wunsches ihrer Händler, unabhängig zu bleiben.

"Jede Linie rechnet sich"

Die gute Stimmung unter den Händlern habe laut Umbach aber auch damit zu tun, dass es im Moment "draußen sehr gut läuft". So haben die idee+spiel-Mitglieder in den ersten fünf Monaten des Jahres im Schnitt ein Wachstum von sieben Prozent erreicht. "Das ist in einer Zeit, in der alle klagen, eine doch sehr erfreuliche Situation", so Umbach.

Umsatzplus in den ersten Monaten 2003

Auf Basis dieser Zahlen formulierte Martens auch die Erwartungshaltung des Verbands für das Gesamtjahr: Das Ergebnis 2003 werde in jedem Fall das Vorjahresergebnis erreichen. Und das, obwohl die Entwicklung der Mitgliederzahlen - wenn auch nicht mehr so stark wie im Vorjahr - weiterhin rückläufig sei. Umbach betonte jedoch, dass das Primärziel der Geschäftsführung des Verbands nicht eine möglichst große Mitgliederzahl sei. Viel wichtiger sei es, dass die Händler ihre Lager bereinigten und höhere Umschlagsgeschwindigkeiten schafften.

"Je besser es dem Handel geht, desto besser wird es uns in der Folge gehen, wenn auch mit einem gewissen Timelag", sagt Umbach. Um die Situation zu verbessern und vor allem die Margen der Händler zu erhöhen, will idee+spiel noch in diesem Jahr ein elektronisches System für Gemeinschaftseinkäufe einführen. Der B2B-Shop soll helfen, "vergeudete Kraft" der Gruppe in die richtigen Bahnen zu lenken. Umbach verwies dabei auf die sehr erfolgreichen Gemeinschaftsimporte, die idee+spiel im Spielwarenbereich seit Jahren betreibt. Einen elektronischen Shop der Zentrale für Endverbraucher schloss der idee+spiel-Geschäftsführer jedoch auf längere Sicht aus.

"Weniger als eine,BigMac'-Spanne"

Offene Worte fand Umbach für die Entwicklung der Linie McMedia. Man habe sich die Entwicklung einfacher vorgestellt. "Der Markt läuft im Moment gegen uns", so Umbach. Die Zahl unabhängiger Händler, und damit potenzieller Neumitglieder, gehe zurück. Gleichzeitig hätten die Pleiten anderer Einkaufskooperationen zum Teil auch "verbrannte Erde" zurückgelassen. Doch auch die Verkäufe seien nicht überall zufrieden stellend. "Insbesondere im Konsolenbereich, in dem es im letzten Jahr ein paar Neueinführungen gab, wurden die Erwartungen nicht erfüllt." Lediglich das PC-Softwaregeschäft und der GBA SP würden recht ordentlich laufen.

Im Konsolenbereich sei das Geschäft im Augenblick sehr schwer und auch von der kalkulatorischen Seite weit gehend unerfreulich. Umbach führt dies vor allem auf die große Anzahl von Bundles zurück. "An der Hardware hat ein Händler weniger als ein,BigMac'-Spanne", sagt Umbach. Ohne Softwareverkäufe könne man das Geschäft sein lassen. "Wenn jetzt Bundles gemacht werden, dann ist die Software - oft gleich zwei Titel - bei der Hardware dabei, und das mit der Hardwarekalkulation, wenn man da überhaupt von Kalkulation sprechen will. Das macht uns das Geschäft ziemlich madig." Kritik übte Umbach auch ganz allgemein an den Konsolenstarts im vergangenen Jahr: Es sei viel versäumt, Geld vergeudet und Chancen vertan worden. Umbach räumt jedoch ein, dass in Deutschland pro Kopf noch immer sehr viel weniger Geld für Videospiele ausgegeben würden als in anderen Märkten. "Trotzdem würden wir McMedia wieder machen, wenn wir es heute entscheiden müssten. Denn auch in einem kleinen Markt Marktführer bei den Independents zu sein, ist durchaus erstrebenswert", stellt sich Umbach hinter diese Linie.

Gemeinschaftseinkäufe forcieren

Wäre McMedia völlig "stand alone" würde sich dies laut Umbach nicht rechnen. Zu viele Zusatzkosten, wie ein eigenes Büro, eigene Geschäftsführung und Verwaltung, würden auf die Wirtschaftlichkeit drücken. "Innerhalb der idee+spiel rechnet sich aber jede Linie", betont Umbach. Er ist sich zudem sicher, dass der Bereich Games auch wieder stärker wird. Um die Strategie des Gemeinschaftseinkaufs ebenfalls auf den Spielebereich übertragen zu können, bräuchte man jedoch noch ein paar weitere McMedia-Mitglieder. Doch auch hier ist Umbach optimistisch: "McMedia ist im Vergleich zu Eurotrain noch jung", so Umbach. Zudem bestehe auch die Chance, mit den eigenen idee+spiel-Mitgliedern zu wachsen, wenn Händler zu ihrem Spielwarensortiment eine entsprechende Abteilung addierten.

Das Treffen der idee+spiel-Fachhändler in Hildesheim stand also unter einem guten Stern. Und so konnten die Anwesenden nicht nur das umfangreiche Rahmenprogramm genießen, das ein mittelalterliches Festmahl und ein einen Galaabend ebenso einschloss wie einen Vortrag des ehemaligen Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher, auch die geschäftlichen Angelegenheiten waren mehr freudige Kür statt mühsamer Pflicht.

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