Im Gespräch: Andreas Stock, GF Activision
Im Januar hat sich Activision die Rechte an weiteren Filmlizenzen. gesichert. GamesMarkt.de sprach mit Andreas Stock, Geschäftsführer von Activison Deutschland, über die strategische Bedeutung filmbasierter Spiele, die aktuelle Performance von Activision und über das kommende Line-up.
GamesMarkt.de: 2002 hat Activision sein Portfolio deutlich auf filmbasierte Spiele ausgerichtet. Setzt sich dies 2003 fort?
Andreas Stock: Ja, wir haben auch weiterhin eine starke Ausrichtung auf den Bereich Movie-Brands. "Minority Report" ist dabei das erste filmbasierte Spiel, das wir in diesem Jahr - parallel zum DVD-Release - veröffentlichen. Es folgt "Spider-Man: The Movie" als Platinum-Titel, und im April wird zum entsprechenden Filmstart "X-Men: Wolverine's Revenge" folgen.
GM: Warum kam "Minority Report" nicht zum Kinostart auf den Markt?
Stock: Wir haben uns bewusst für den DVD-Start entschieden, um eine optimal lokalisierte Version vermarkten zu können. Dies wäre zum Zeitpunkt des Kinostarts nicht möglich gewesen. Sicher ist der Hype zur DVD-Vermarktung nicht so groß wie zum Kinostart. Über 2,6 Mio. Kinozuschauer sowie eine enge Zusammenarbeit mit Twentieth Century Fox Home Entertainment sprechen jedoch durchaus dafür, dass wir sehr gute Stückzahlen realisieren können.
GM: Wie schätzen Sie "Spider-Man: The Movie"-Platinum ein?
Stock: Bis jetzt haben wir über alle Plattformen mehr als 150.000 Units von "Spider-Man: The Movie" verkauft. Die Höchstplatzierungen in den wöchentlichen Media-Control -Charts waren Platz eins bei Xbox, Platz zwei bei GameCube und Platz drei bei PlayStation 2. In den PS2-Charts war "Spider-Man: The Movie" mit insgesamt 16 Wochen am längsten in den Top Ten. Insofern dürften sich auch bei der Platinum-Vermarktung für den Handel noch interessante Umsätze realisieren lassen.
GM: "X-Men: Wolverine's Revenge" erscheint zwei Wochen vor dem Kinostart von "X-Men 2".
Stock: Das hat vor allem logistische Gründe, da die Auslieferung bspw. vom Zentrallager in die Outlets auch Zeit in Anspruch nimmt. Wir wollen, dass das Spiel ein paar Tage vor, spätestens jedoch zum Kinostart, bundesweit flächendeckend im Handel verfügbar ist.
GM: Wie geht es im Bereich Filmadaption weiter?
Stock: Nun, wir haben erst kürzlich unser Abkommen mit Marvel, das auch Spiele zu entsprechenden Filmumsetzungen der Comics einschließt, um Jahre verlängert. Auch unser Abkommen für "Star Trek" ist langfristig ausgelegt. Last but not least haben wir mit DreamWorks im Januar einen Vertrag über drei neue Filmproduktionen geschlossen. Wir werden also auch künftig im Moviebereich sehr stark präsent sein. Gerade in Hinblick auf den Massenmarkt, den alle Publisher erreichen wollen, sind wir meiner Meinung nach auf dem richtigen Weg.
GM: Filmadaptionen sind allerdings auch eng an die Filmvermarktung gebunden. Ist das ein Problem?
Stock: Nein. Das hängt vor allem von dem Entwickler ab, mit dem man zusammenarbeitet. Es gibt Developer, die durchaus in der Lage sind, Produkte zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig zu stellen. Ihnen muss bewusst sein, dass nur zu diesem einen, kurzen Zeitpunkt die Synergieeffekte voll ausgeschöpft werden können. Kommt ein Spiel hingegen zu einem Zeitpunkt, zu dem der Film bereits aus den Kinos ist und es auch keinen DVD-Start gibt, ist der Zug abgefahren.
GM: Activision setzt nicht ausschließlich auf Filmadaptionen?
Stock: Natürlich nicht. Parallel arbeiten wir auch mit nichtfilmbasierten Brands. "Tenchu" ist dafür ein gutes Beispiel. Die Reihe ist zwar kein hauseigener Activision-Brand, dennoch sehen wir uns als die Firma, die die Marke "Tenchu" weltweit vorantreibt. Der dritte Teil, der in England bereits hervorragende Wertungen erhalten hat, erscheint Anfang März als ungeschnittene Version mit einer USK -Empfehlung "ab 16 Jahre". Im Sommer werden wir mit "True Crime" zudem eine neue Marke etablieren.
GM: Ist "True Crime" die Activision-Antwort auf "GTA"?
Stock: Auf keinen Fall. Sicher besteht die Gefahr, dass einige "True Crime" für einen "GTA"-Clon halten, was aber definitiv nicht der Fall ist. Bei uns schlüpft der Spieler in die Rolle eines Cops, der im Großstadtdschungel von L.A. den Kampf gegen die russische und chinesische Unterwelt aufnimmt. Bei unserer Kommunikation, die mit mindestens dem gleichen Marketinginvestment wie bei "Tony Hawk's Pro Skater 4" verbunden sein wird, werden wir deshalb auch vor allem konsequent den Genremix aus Martials-Arts-Kampfeinlagen, Shooting und Racing darstellen. Überdies werden durch die weitverzweigte Missionsstruktur verschiedene Spielenden möglich.
GM: Bislang haben wir vor allem über Konsolenhighlights gesprochen. Wie sieht es im Bereich PC-Spiele aus?
Stock: Wir werden in diesem Jahr ein sehr starkes PC-Line-up haben. Einzelheiten kann ich aber genauso wie zu "True Crime" erst in ein paar Wochen bekannt geben.
GM: Das Weihnachtsgeschäft 2002 hat der Handel unterschiedlich bilanziert. Wie hat Activision abgeschnitten?
Stock: Hier haben wir alle unsere Planvorgaben erfüllt, sind also sehr zufrieden. Weltweit gesehen, war das leider nicht so, da sich einige Produkte unter den Erwartungen verkauft haben.
GM: Und das Gesamtjahr 2002?
Stock: Die offizielle Bilanz für den deutschen Markt von 2002 liegt derzeit ja noch nicht vor. Anhand der wöchentlichen Media-Control-Daten haben wir intern jedoch eine Steigerung von 16 Prozent für den Gesamtmarkt errechnet. Für Activision lag das Plus bei 33 Prozent. Insofern haben wir sehr gut abgeschnitten. Zurückzuführen ist dies vor allem auf die Bereiche PlayStation 2 und PC.
GM: Bis in den Dezember hinein sah es aber zunächst nach einer eher negativen Umsatzentwicklung aus...
Stock: Die letzten beiden Wochen von 2002 haben viel wettgemacht. Ich war selbst erstaunt, wie hoch die Durchverkaufsrate ab Mitte Dezember angestiegen war.
GM: Das Weihnachtsgeschäft war also hervorragend?
Stock: Hervorragend würde ich nicht gerade sagen. Aber 2001 hatten wir ein besseres Weihnachtsquartal von der Performance her gesehen. Sicher haben wir auch dieses Mal unsere Ziele erreicht, allerdings mit einem sehr viel höheren monitären Investment und einem größeren Arbeitsaufwand. So haben wir für "Tony Hawk" massiven Werbedruck ausgeübt, unter anderem durch eine umfangreiche Dekoaktion am PoS, mit der wir dem Konkurrenzdruck von EA trotzen wollten. Ich glaube, wir waren auch einer der wenigen Publisher, die überhaupt versucht haben, EA am PoS etwas entgegenzusetzen.
GM: Wie läuft das Geschäft derzeit?
Stock: Zu meiner Überraschung verzeichnen wir in Deutschland im Vergleich zu meinen französischen oder englischen Kollegen gute Backorders. Es hat den Anschein, als ob der Kunde in Deutschland zunächst eine abwartende Haltung an den Tag legt, um schlussendlich das Produkt seiner Wahl doch zu kaufen. Unsere neuen Titel in diesem Quartal erscheinen alle erst gegen Ende Februar und Anfang März, sodass sich da noch kein Trend herauslesen lässt. Ich denke aber, dass wir unsere Planungen in jedem Fall erfüllen werden.
GM: Wie beurteilen Sie die jüngste Performance von Xbox & GCN?
Stock: Von der Entwicklung der Xbox bin ich positiv überrascht. Ich hätte den Cube im Weihnachtsgeschäft eigentlich stärker eingeschätzt als die Xbox. Nicht zuletzt, weil Nintendo bislang immer im Weihnachtsgeschäft sehr stark verkaufen konnte. Warum dies Weihnachten 2002 anders war, kann wohl nur Nintendo beantworten.
GM: Und wie ist Ihre Einschätzung für die nächsten Monate?
Stock: Xbox ist, gemessen an den Features, die technisch beste Konsole, und diese Qualität hat sich sicherlich durchgesetzt. Nur, von den Abverkaufszahlen kommt auch Xbox nicht an PlayStation 2 heran. Als unabhängiger Multiplattformpublisher wünschen wir uns natürlich, dass sich alle drei Konsolen etablieren. Zumal die Verkaufszahlen unserer Game-Cube-Titel durchaus gutes Potenzial aufzeigen. Ich persönlich befürchte nur, dass es Parallelen zu Sega geben wird: Die zwei Großen könnten den Dritten einfach überrennen, der eine mit der Macht einer etablierten Marke, der andere durch sein finanzielles Potenzial.